„Kampf der Kulturen“ findet nicht statt


Quelle: Bertelsmann-Stiftung
Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Bertelsmann Stiftung

Kulturelle Konflikte treten häufiger auf – der ,Kampf der Kulturen‘ findet trotzdem nicht statt

Empirische Studie der Bertelsmann Stiftung: Kulturelle Faktoren verstärken oftmals Konflikte, sind aber zumeist nicht die eigentliche Ursache

Die Anzahl der Konflikte, in denen kulturelle Faktoren thematisiert werden, hat in den vergangenen 25 Jahren deutlich zugenommen. Dies bezieht sich aber ganz überwiegend nur auf innerstaatliche Konflikte.

Kulturelle Auseinandersetzungen zwischen Staaten, also jene Form des „Clash of Civilizations“, die Huntington überspitzt als die bestimmende Problemlage der internationalen Beziehungen am Ende des 20. Jahrhunderts herausstellte, sind numerisch betrachtet dagegen ein Ausnahmephänomen. Sobald Kultur in global bedeutsamen Konflikten eine Rolle spielt, sind diese besonders anfällig für Gewalt. Kulturelle Faktoren sind schließlich keine Mastervariablen, die gleichsam „im Alleingang“ das weltweite Konfliktgeschehen erklären können. Da Konflikte komplexer Natur sind, erweisen sich verschiedenste Erklärungsfaktoren als bedeutsam. Hochgradig erklärungsbedürftig für innerstaatliche Konflikte ist die Wechselwirkung zwischen sprachlicher Fragmentierung und einem hohen Überschuss junger Männer im Alter 15 bis 24. Dies sind wesentliche Ergebnisse einer umfangreichen empirischen Studie der Bertelsmann Stiftung über die Rolle von Kultur in weltweiten Konflikten.

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4 Comments

  1. @tischl:

    „Gemessen an der Zahl der potenziellen Konfliktlinien kann die Anzahl der tatsächlichen gewaltsamen Konflikte insgesamt als verschwindend gering bezeichnet werden.“

    „Hochgradig erklärungsbedürftig für innerstaatliche Konflikte ist die Wechselwirkung zwischen sprachlicher Fragmentierung.“

    Der Artikel macht es sich – im Gegensatz zu dir – nicht so leicht. Außerdem fehlt mir die Grundlage für deine Behauptung, Wachstum sei bei 5-7 Kindern pro Familie nicht möglich. Demnach hätte Wachstum niemals statt finden, da diese Zahl auch in Europa normal war. Im Gegensatz ist deutlich, dass zu wenig Kinder nach einer Generation das Wachstum abbremsen.

    Außerdem ist es einfach nicht möglich hierüber sinnvoll zu diskutieren, da wir die Studie garnicht vorliegen haben. Wenn aber das erste Zitat so stimmt, dann ist dein Beitrag nur ein bockiges „Nee, das ist aber nicht so, das ist ganz anders.“
    Und mal ehrlich: Nachrichten. Bekommst du in den Nachrichten auch berichtet, was alles gut zwischen Kulturen läuft? Nein, denn es ist nicht spannend. Schlechte Nachrichten wollen die meisten lieber sehen als gute…

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  2. „…Kulturelle Konflikte treten häufiger auf, der „Kampf der Kulturen“ findet trotzdem nicht statt…“

    Die Überschrift ist nicht gerade einleuchtend: Was soll denn der Unterschied zwischen einem „kulturellen Konflikt“ und einem „kulturellen Kampf“ sein? Der eine Begriff ist eben politisch-korrekter, sonst nichts.

    Der Jungmänner-Überschuss, neudeutsch “ Youth Bulge“, ist sicherlich der Motor für die meisten Kriege und Bürgerkriege. Beschrieben wurden die Auswirkungen des Youth Bulges zuerst von dem deutschen Soziologen Gunnar Heinson. Sein bekanntes Buch zu diesem Thema: „Söhne und Weltmacht“ ist inzwischen kostenlos als PDF-File erhältlich.

    Download-Link:

    Klicke, um auf Heinsohn%20S%F6hne%20und%20Weltmacht%20kommentierbar.pdf zuzugreifen

    Die Ursachen für diesen Jungmänner-Überschuss mit seinen mörderischen Folgen sind nicht zuletzt in einem religiös motivierten Abtreibungs- und Familienplanungsverbot, teilweise mit Androhung der Todesstrafe, zu suchen. Expansive Religionen und Kulturen brauchen massenhaft junge Soldaten um ihre Ziele umsetzen zu können, das geht nicht ohne Gebärzwang.

    Gleichzeitig zerstört dieses Bevölkerungswachstum jede Chance auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung, es gibt kein Wirtschaftsystem, welches bei 5-7 Kindern pro Frau noch reales Wachstum erzeugen kann. Ohne Wirtschaftswachstum aber keine Bildung und keine soziale Absicherung. Dadurch keine Emanzipation, deshalb keine Familienplanung, der übliche Teufelskreis.

    „…Nicht bestätigen konnte die Studie dagegen die Annahme, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Grad der religiösen Zersplitterung und der Anzahl von Konflikten gibt…“

    Dies ist ein Witz, aber ein sehr schlechter! Jede Nachrichtensendung beweist das Gegenteil. Kulturelle Konflikte werden sich immer an den Grenzlinien von Kulturen und damit von Religionen abspielen, wo denn bitte sonst? Samuel Huntingtons „blutige Grenzen“ sind längst traurige Realität.

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