Gysi schmeichelt den Kirchen


Mit Verwunderung höre ich, dass Gregor Gysi kürzlich in einer Rede auf der protestantischen Kirchenkanzel von Berlin-Johannisthal tradierte Moral-Thesen verfocht. Vor Gottlosigkeit müsse man sich fürchten, weil es ohne Kirchen-Gläubigkeit keine allgemein verbindliche Moral gäbe. 

Ich könnte es mir jetzt bequem machen und als Religionskritiker zustimmend den Religionsfrei-Blog zitieren und aus die Maus. Auch ich hätte es dem bekennenden Ungläubigen Gysi nicht unbedingt zugetraut, solch altbackene „Ideen“ zu vertreten. Aber soll er doch, wenn er wirklich so denkt, warum sollte ich’s ihm übelnehmen? Habe ich etwa Rechthaberitis, nee?

Zumal in der Vergangenheit, z.B. im Januar 1999, auch schon mal innerkirchliche Konflikte über einen Vortrag bei Kirchens in Thüringen entflammten.  Der durfte damals bloß keinesfalls „Predigt“ genannt werden. Es gab böse Zoff seinerzeit seitens politreligiöser CDU-Zeloten.

Perplex macht ein wenig die Tatsache, dass es Presseberichte von Gysis Auftritt gibt, aber auf der Website der Kirchengemeinde keine Spur davon sichtbar wird. Ein Versteckspiel ohne Grund – oder Zeichen innerkirchlichen Gegeneinanders? Dabei erfreut mich immerhin die Ankündigung der Ausstellung eines Ex-Knastologen im Gemeindehaus, Bilder die im Gefängnis entstanden.

Ob die von Gysi aufgewärmte Hypothese allerdings Hand und Fuß habe, da möchte ich argumentativ vehement Veto einlegen. (Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich es in einen eigenen Artikel ausgelagert.)

2 Comments

  1. Für meine Begriffe hat Gysi mit seinem erstaunlichen, aber im Wandel der Zeit ja nicht unmöglichen Bekenntnis durchaus recht. Die Botschaft von Jesus ist überaus sozial und schafft so ein tragfähiges Fundament für gesellschaftliches Zusammenleben. Und für meine Begriffe war selbst Karl Marx mit seinen damals ja noch stalinistisch unbefleckten und ganz grundsätzlich äußerst humanen Kommunismus-Ideen dieser tradierten Moral mit echtem christlichen Ursprung, zumindest unbewußt, absolut verpflichtet.

    Andreas

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    1. Du hast sicher insofern recht, dass es die weltanschauliche Richtung sowie Vereinbarkeit „religiös und links zugleich“ seit langem gibt. Habe ich auch nichts gegen.

      Allerdings halte ich die verbreitete These vom Ursprung der Moral im Christentum für ziemliches Wusnschdenken und in der Sache falsch. Einen Teil meiner Argumentation dagegen (die hirnforscherische Linie fehlt da z.B. noch) findest Du unter: Braucht Moral ausgerechnet Christen-Glauben? – http://marburg.thebrights.de/2009/09/braucht-moral-ausgerechnet-christen-glauben/

      Falls Du dagegen argumentieren möchtest, nur zu. Eine solche Auseinandersetzung wäre mir nur recht.

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