Wen sollen Forscher wählen?


Quelle: kreis-ohne-grenzen.de
Quelle: kreis-ohne-grenzen.de

Prof. Axel Meyer, Ph.,D., Evolutionsbiologe, Zoologe, Universität Konstanz

Niemand, den ich kenne, weiß, wen er wählen soll. Nach langen Ausführungen über das Für und Wider der Parteien oder die fehlenden Tugenden und Kompetenzen der Politiker folgt ein resigniertes Achselzucken. Der nicht stattfindende Wahlkampf hilft auch nicht. Alle Politiker bekennen sich zu „mehr Bildung“ und betonen, wie wichtig Forschung sei. Die Köpfe als Deutschlands einziger Rohstoff blah, blah. In den Fernsehdebatten kommen Bildung und Forschung höchstens am Rande vor. Weil es niemanden wirklich interessiert?

Aber wie sehen wir aus im internationalen Vergleich? Wir sind bei der Forschungsförderung weiterhin nur im Mittelfeld. Anderswo scheint es besserzugehen, denn Hunderttausende Talente wandern jährlich aus – nachdem der Steuerzahler ihre Ausbildung bezahlt hat. Sie stimmen mit den Füßen ab.

Bei den Schulen ist der internationale Vergleich vielleicht noch nicht so wichtig, denn die wenigsten Eltern werden deswegen auswandern. Die Reichen schicken ihre Kinder ohnehin aufs Internat nach Großbritannien oder nach St.Gallen. Wenn man wirklich meint, dass dieses Land alle klugen Köpfe braucht, die es erziehen und anziehen kann, dann muss man konstatieren, dass das Schulsystem nicht durchlässig genug ist für den begabten Kevin oder Achmed.

An den Universitäten lohnt sich Leistung nicht genug. Wissenschaftlerkarrieren werden unattraktiv wegen schlechter Bezahlung und langer Arbeitszeiten. Weder in der Lehre noch in der Forschung werden die Besten belohnt, denn Universitäten werden wie Behörden geleitet, in denen kleingeistiger Neid den Status quo einfriert. Visionen finden kein Gehör. Zweitklassige stellen Drittklassige ein. So sinkt das Niveau weiter.

Was tun? In England und den USA besetzen traditionell renommierte Forscher den Posten des Wissenschaftsministers und bringen ihre Kompetenz in relevanten Gremien ein. Auch die nationalen Akademien haben dort viel mehr Einfluss als in Deutschland. Wenn Wissenschaft wirklich den Stellenwert hätte, den Politiker ihr hierzulande zu geben behaupten, warum reißen sich dann nicht die Besten um den Posten? Warum haben wir dann so auffallend oft ehemalige Religionslehrerinnen als Forschungsministerinnen?
Wenn Wissenschaftler die Lage verbessern wollen, müssen sie sich politisch einmischen. Zur Wahl zu gehen ist ein guter Anfang!

4 Comments

  1. Der Einwand von herbert ist nicht ganz falsch, zeigt aber ein grundsätzliches Dilemma der Politik: nämlich dass Parteien i.d.R. Klientelpolitik betreiben (FDP – Mittelstand, CDU – Arbeitgeber, SPD – Arbeitnehmer, Die Linke – Hartz 4-Empfänger usw.)
    Weder Politiker noch Wähler schauen wirklich über den gesamtgesellschaftlichen Tellerrand, sondern wählen, was ihnen selber am meisten behagt. Nachvollziehbar, aber nicht immer sinnvoll.
    Aber als Atheist schließe ich für mich schonmal ein paar Parteien kategorisch aus 😉

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  2. Das Thema ‚Open Access‘ hat für Wissenschaftler im eigenen Interesse wohl Priorität: klare Wahl!

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  3. Ich finde solche Globalisierungen wie „was können Forscher, Tierschützer, Vegetarier, Polizisten usw. wählen“ als nicht sehr sinnvoll. Denn man kann den Menschen doch nicht auf eine Gruppe und deren vermeintliche (??) Meinung reduzieren.

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