„Den Kommunismus noch in den Köpfen“


Miloslav Kardinal Vlk, Quelle: wikipedia
Miloslav Kardinal Vlk, Quelle: wikipedia

Prager Kardinal Vlk zu seinen Erwartungen an den Papstbesuch

domradio.de

Benedikt XVI. besucht ab Samstag mit Tschechien einen jungen EU-Staat, in dem die Kirche nach den Jahrzehnten des Kommunismus um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen muss. Im Interview zeichnet der Prager Kardinal Miloslav Vlk ein kritisches Bild der sozialen Wirklichkeit Tschechiens und spricht über seine Erwartungen an den Papstbesuch.

KNA: Herr Kardinal, die Kirche hat vor 1989 wesentlich zum Sturz des Kommunismus beigetragen: Aber die Hoffnung in Ihrem Land auf ein Anwachsen der christlichen Gemeinde hat sich danach nicht erfüllt. Ist das Gedenken an den Sturz des Kommunismus vor 20 Jahren deshalb nicht etwas zwiespältig?
Vlk: Es gab ein enges Zusammengehen der Kirche und der Dissidenten.
Nach der Revolution hat die tschechische Gesellschaft aber einen Weg eingeschlagen, der für uns nicht gangbar war. Es ging nur um den wirtschaftlichen Wohlstand, um etwas, was der Kommunismus nicht erreicht hatte. An die Werte, die dazugehören, hat man nicht gedacht. Zudem wollten die neuen Herrschenden die Kirche am Rand der Gesellschaft halten. Sie haben sich teilweise regelrecht feindlich uns gegenüber verhalten.

KNA: Sie selbst haben immer wieder auch eine „moralische Transformation“ gefordert. Aber die Kirche generell in Tschechien scheint mir in dieser Frage resigniert zu haben. Oder täuscht der Eindruck?

Vlk: Der Staat hat es uns nicht leicht gemacht, uns in das Leben, in die Entwicklung einzumischen. Aber auch einige Bischöfe waren nicht bereit, sich laut zu bestimmten Dingen zu äußern. Das hängt mit der Erfahrung im Kommunismus zusammen, wo man mehr oder weniger nur im Untergrund wirken und das Evangelium in Abgeschlossenheit leben konnte. Manche haben die Notwendigkeit unterschätzt, Zeugnis des gelebten Glaubens abzulegen. Mittlerweile hat sich das geändert; die Kirche ist offen für die weltlichen Entwicklungen. Vor allem auf kommunaler Ebene arbeiten Kirchengemeinde und Kommune häufig eng zusammen.

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1 Comment

  1. Alos man müsste wirklich mal _allen_ klar machen, dass die Tschechen schon lange vor dem Kommunismus nicht viel für öffentlich praktizierte Religion übrig hatten – seit den Gemetzeln um Jun Hus (15. Jhr.) wissen sie nur allzu gut, dass man Religion nicht allzu ernst nehemen darf.

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