Theologie, Anthroposophie, Freimaurer und etwas Irrenhaus


Prof. Dr. Herbert Vorgrimler, Quelle: idw
Prof. Dr. Herbert Vorgrimler, Quelle: idw

Von David Berger

„Man könnte meinen, man sei im Irrenhaus“

In Zeiten, in denen die Theologie sich auf weite Strecken von einem philosophischen und emotionalen Subjektivismus bestimmen lässt bzw. die anthropozentrische Wende vollzogen hat, spielt die Biographie des jeweiligen Theologen natürlich als Verständnisschlüssel zu seinem Werk eine große Rolle. Während die traditionelle Theologie sich ganz der Objektivität der natürlichen und übernatürlichen Wahrheit hingibt und so die meisten Theologen sich in ihrem Werk vornehm zurücknehmen resp. auf das Verfassen von Selbstbiographien mit wenigen Ausnahmen verzichten, ist dies in den letzten Jahrzehnten anders geworden: Bedeutende Theologen und jene, die sich für solche halten oder von der öffentlichen Meinung gehalten werden, schreiben ihr Lebenserinnerungen oder lassen sich Biographien nach ihren Vorstellungen verfassen. So verwundert es nicht, dass auch der ehemals in Münster an der Universität tätige Herbert Vorgrimler während seiner ruhigen Tätigkeit als Klinikseelsorger vom September 2005 bis zum Juni 2006 seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben hat, die nun unter dem ganz passenden Titel „Theologie ist Biographie“ im Aschendorff-Verlag Münster erschienen sind.[1] Der Verlag kündigt das Buch entsprechend an: „Herbert Vorgrimler gehört zu den großen deutschen Theologen, die die Ära nach dem II. Vatikanischen Konzil geprägt haben.“

Aus dem Leben Prof. Vorgrimlers

Auf fast 400 Seiten erzählt der 1929 in Freiburg im Breisgau geborene Theologe von seiner Familie, seiner Kindheit und Jugend in der süddeutschen Provinz: der Leser erfährt von der „unterschwelligen antiklerikalen Stimmung bei (seinen) Eltern“ (21), von seinen frühen Berührungen mit der Anthroposophie („Es gibt sehr vieles, was mich mit Anthroposophen verbindet“, 41), von den schlechten Erfahrungen, die er mit jenen Priestern machte, die die Liturgie „im alten Stil“ zelebrierten („seltsam“, „sadistisch“), und im Kontrast dazu von den durchwegs positiven Eindrücken, die der Diözesandirektor Alois Eckert bei ihm hinterließ, der „Gottesdienste, Eucharistiefeiern und Andachten im neuen liturgischen Stil abhielt“ (34). Der damaligen ebenso fromme wie kluge Freiburger Diözesanbischof, Conrad Gröber, lehnte dies natürlich vehement ab und wird deshalb auch immer wieder als „der braune Conrad“, der sich „bei den Nazis … angebiedert hatte“, bezeichnet (22, 25 u.ö.) und sein Leiden unter den Nazis verhöhnt („Während dieser Predigt zündete die Hitlerjugend einen Knallfrosch am Erzbischöflichen Palais. Seither fühlte sich Gröber als Nazi-Verfolgter“: S.61). Pauschal urteilt Vorgrimler: „Gröber neigte zu unüberlegtem, selbstherrlichem Geschwätz.“ (123) Nach all den schlechten Erfahrungen mit Geistlichen und seinem minimalistischen Blick auf den Wert des Priesteramts[2] verwundert es dann doch etwas, dass Vorgrimler sich 1948 am Collegium Borromaeum anmeldet, um Priester zu werden. An der Ausbildung und Atmosphäre dort lässt er kein gutes Haar: Hermann Schäufele war damals Direktor des Hauses, wie viele andere richtungsweisende Geistliche jener Zeit am Collegium Germanicum ausgebildet, das nach Vorgrimler „absolut konforme, dem Papst bedingungslos ergebene, kritiklose Figuren“ „produziert“ (88). 1950 machte er bei Hugo Rahner Exerzitien. Grundlage war die „Nachfolge Christi“, ein Buch, das wie der Autor zugibt, „mir wegen seiner negativen Weltsicht und seiner individualistischen Spiritualität unsympathisch war, und er garnierte seine Ausführungen mit Zitaten aus den zahlreichen Reden Pius XII., der mir schon deshalb unsympathisch war, weil er für Schäufele das Ein und Alles darstellte.“ (93) Nach einem ähnlichen Motivationsschema kommen auch die späteren Urteile des Emeritus zustande!

Im Spätherbst des Jahres 1950 setzt Vorgrimler seine Studien in Innsbruck fort: auch hier lässt er an der Atmosphäre des Canisianum jener Zeit kein gutes Haar („Gefängnis“, in den Zimmern Flöhe), er begegnet aber dort Karl Rahner: eine Begegnung, die sein ganzes weiteres Leben bestimmen wird. Zusammen mit Adolf Darlapp, Walter Kern und Georg Muschalek wird er in Rahners Doktorandenseminar aufgenommen. Sozusagen als „Gegenleistung“ finanziert er Rahners  teure Leidenschaft, das Fliegen „mit einer kleinen einmotorigen, dreisitzigen, mit Segeltuch bespannten Maschine“ (117) über die Alpengipfel. Schnell lernt er in Innsbruck andere „Paradiesvögel“ (120), die sich aus den harten Vorschriften des Seminarlebens nichts machen, kennen und genießt seine Zeit (ebd.).

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2 Comments

  1. @Konni
    (..Bibelzitat weggekürzt..)

    Haben wir nicht alle genug vor unserer eigenen Tür zu fegen?

    Anscheinend nicht. Zumindest haben einige Menschen weit weniger zu fegen und denken daran, ihr Besen auch anderen Mitmenschen zur Verfügung zu stellen 😉 .

    Was soll immer und immer wieder dieses Hetzen gegen Herrn Professor Vorgrimler?

    Weiss ich nicht…
    Frage bitte Herrn Dr.phil. Dr.theol. David Berger in Köln nach, der diesen Text erstellt hat. Er muss sich etwas dabei gedacht haben, dass er solche Wörter über diesen (IMHO klugen) Bibelumblätter hinschreibt.

    Zitat aus der Quelle:

    Eine besondere Note bekommt diese Dialogunwilligkeit Vorgrimlers durch eine Art ekklesiogene Paranoia: überall, von den Initativkreisen und Una Voce über das Opus Dei bis zu den Rittern vom Heiligen Grab sieht er Denunzianten versteckt, die ihm oder Rahners Ruf schaden wollen. Sie werden als „düstere Zirkel von psychisch gestörten Personen“ bezeichnet, die sich romtreu geben und ihn und die Seinen bei den Bischöfen, dem Nuntius oder in Rom denunzieren (166, 361 u.ö.).

    Paranoia hin oder her… Opus Dei oder Una Voce sind extrem veraltete und in der heutigen Zeit vollkommen unnütze Sonderwünsche gewisser verblendeter Personen. Das sich Vorgrimler dagegen ausspricht, ist sein gutes Recht. Im 21stem Jahrhundert hat man es nicht nötig, noch an solchen mittelalterlichen Zauberritualen festzuhalten. Sie werden nicht „wahrer“, wenn die Zauberprüche um den heiligen Wein in lateinisch statt deutsch ausgesprochen werden.

    Ganz ohne Zweifel wird der Leser der Gegenwart, der die Sensation mehr liebt als das genannte „Gebot der Diskretion“, die Offenheit, mit der Vorgrimler aus seinem Leben erzählt, besonders begrüßen.

    Das Berger hier die Diskretion bevorzugt, zeugt von der Furcht vor Vorgrimler. Lieber sollte der Herr die stillen Töne anstimmen, anstatt seine Meinung auf Papier zu bannen. Was soll man da bloß von solchen Leuten halten, die Meinungsfreiheit auf diese Art ausleben wollen ? 😉 .

    Bei dem Gottesdienst zur Emeritierung Vorgrimlers ein Jahr später muss Lettmann nicht ministrieren, sondern predigt „und erhebt mich zum ‚Engel der Fakultät’“ (312). Wem das Lachen noch nicht vergangen ist, der wird nun auf einen weiterführenden Antrag des Bischofs nach Rom warten, den Titel „Doctor Angelicus“ der Diözese Münster Vorgrimler auch offiziell zuzuerkennen!

    Ich hoffe, Du könntest mir ein wenig helfen. Schreibt Berger hier tatsächlich, dass Vorgrimler sich offiziell als „Doktor Engel“ betiteln ließ ? Ist es „normal“, dass sich Menschen mit einem Engelsdoktor schmücken können ? Wenn ja, dann will ich auch einen solchen Engelsflügen-Doktortitel 🙂 . Oder bekommt man ihn erst, wenn man sich „beflügelt“ genug verhält ? Ich weiss leider nicht, welche Engelchen ich kontaktieren muss oder welche Professoren ich in den heiligen Hintern kriechen muss, um „vergöttlichte“ Doktortitel abgreifen zu können.

    Es ist schon amüsant, wie dich Geisteranbeter sich gegenseitig an die Gurgel gehen, weil der eine Geist eben heiliger ist als der andere 😉 .

    Und wer von „einer ruhigen Tätigkeit als Klinikseelsorger“ schreibt, der hat absolut keine Ahnung und sollte sich erst recht sehr zurück halten, denn das ist ein Job der an die Substanz geht.

    Wenn man die psychische Stärke mit „Substanz“ meint, dann gebe ich Dir recht. Es gehört schon eine gehörige Portion Kraft dazu, sich „Seelenprobleme“ von Krankenhauspatienten anzuhören. Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich im laufe der Jahre ein dickes Fell aneignet und vieles nicht mehr so emotional empfindet, wie man es anfangs ideologisch getan hatte. Und ja… die Tätigkeit eines Klinikseelsorgers kann sehr ruhig sein. Ob sie es bei Herrn Vorgrimler war, kann ich nicht beurteilen. Aller wahrscheinlichkeit kann es aber Herr Berger. Was soll man bloß von soviel magischer Empathie halten ? 😉 .

    Für mich pers. war der Artikel überflüssig. Geisteranbeter vs. Geisteranbeter. Der eine hat irgendwelche anthropopoische Erfahrungen und der andere IMHO sehr konservative junge Theologe kratzt an Rahner-Gedanken rum und zeigt offen die Selbstglorifizierung des Kerls an. Hier gehen sich zwei Seiten der selben Medallie an die Gurgel. Ob man dies eine „gesunde Reflexion“ der Geisterwelten-Anbeter nennen kann ?

    Ich weiss nicht. Ich kenne keine Geister, die sich für diese Show Eintrittskarten gekauft hätten. Und mir ist es pers. Schnuppe, ob sich Rahner – laut Wiki und Hans Küng einer der bedeutensten modernen Theologen dieser Zeit – so „umstritten“ in das althergebrachte Bild einfügen lässt, wie es Berger gerne hätte. Die Welt hat sich weiter gedreht. Nur sehr … ähm … „der Vergangenheit angehörige“ Mitgläubige wünschen sich ein Rückschritt des 2. Vat. Konzils. Das sich im konservativem Dunst der modernen (deutschen) Kirche noch „leicht verblendete“ gibt, die allen ernstes daran noch Zweifel haben, ist selbst für einen Ungläubigen kaum glaubhaft… aber leider anscheinend Realität.

    Aber … ich lasse den beiden ihren Spaß. Sollen sich der Engelsdoktor und der konservative Kritiker gerne an die Gurgel gehen. Ist ja ihr Glaubensgebilde, das das wankt. JHWH wird ihnen sicherlich nicht aus dem großem Buch der Sünden vorlesen wollen … dazu hat er keine Zeit. Das nächste Erdbeben wartet schon und der nächste Tsunami steht auch noch an. Da ist keine Zeit, sich noch irgendwelche Notizen über vatikanische Konzile und deren Befürworter / Gegner zu machen 😛 .

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  2. Zum Thema: Theologie, Anthroposophie, Freimaurer und etwas Irrenhaus

    In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem andern fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr! (Joh 8,1-11)

    Haben wir nicht alle genug vor unserer eigenen Tür zu fegen?
    Was soll immer und immer wieder dieses Hetzen gegen Herrn Professor Vorgrimler?
    Und wer von „einer ruhigen Tätigkeit als Klinikseelsorger“
    schreibt, der hat absolut keine Ahnung und sollte sich erst recht sehr zurück halten, denn das ist ein Job der an die Substanz geht.

    Gute Besserung wünscht
    Konni

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