Bundestagswahl: kein Weltuntergang nirgends


Die alte Regierung ist tot, es lebe das neue Theater-Ensemble. Es wird rauher, buntgescheckter, rüpelhafter und unterhaltsamer werden. Für die Medien brechen goldige Zeiten an. Denn von nun an gilt es, von viel mehr Fronten zu berichten. Neue Geschäftsmodelle werden möglich, noch mehr guidokonforme Spaß-Gesellschaft für alle. 

Nur weil im Raumschiff Berlin die Spielkarten neu gemischt worden sind, gibt es weder Weltuntergang noch die „Götterdämmerung“ einer lebenswerteren Epoche. Ein paar Illusionen sind hops gegangen: den „Sozis“ die Einbildung, eine Volkspartei zu sein, den Grünen die Hoffnung auf Rang 3 in der Tabelle und den Piraten der Hype, aus dem Stand Stabhochsprung über 5m zu können.

An Stelle der alten Gespenster wird eine teilweise umstrukturierte Räuberbande die Geschäfte übernehmen. Da die neue „Patin“ die alte ist, wird sich nur im Auftreten und im Tempo der Volksverarmung ein bisschen was ändern.

Alles wird noch ein wenig käuflicher, besonders Bildung und Gesundheit, so will es die Geldreligion. Aber ob es zu einem graduellen oder sogar gravierenden Anstieg der Lebenshaltungskosten kommt, spielt für die einzig maßgeblichen, neofeudalen Kreise kaum eine Rolle. Und die ämeren Deutschen werden sich ducken und nicht mucken, wie immer. Oder kann man das nicht voraussagen?

Der von den Marktradikalen der Tigerenten-Partei erhoffte „Umbau“ des Gesundheitssystems wird vielen Menschen im Lande – besonders den Rentnern – kräftig wehtun.  Die Keksfabrik-Tochter von der Leyen, genannt Zensursula, hat angedroht, Gesundministerin zu werden. Na, da werden diesem Strahlegesicht die Herzchen doch nur so zufliegen. Das wäre wirklich eine feine merkelische Idee, sowas.

Nur gibt es so gut wie keine neuen Tucholskys unter den Journalisten von heute, die die Komplexität des durchökonomisierten Gesundheitsmarkts eingängig und aufsässig unter die Leute brächten. Kabarettisten wie Eckart von Hirschhausen oder Experto-Politiker wie Karl Lauterbach sind da bisher nicht als das Gelbe vom Ei aufgefallen. Aber nun kommen ja erfahrene Lobbyisten und Ausverkäufer von der FDP zum Zuge. Kaum ein Stein wird auf dem andern bleiben, von nun an herrscht Goldgräberstimmung. Alles wird gut!

8 Comments

  1. schöner kommentar auf die lage der dinge… auswandern bringt bei einem außenminister westerwelle leider auch nichts 😉

    also: widerstand!

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    1. Schön, dass meine kleine Hommage auf die Werner Finck-„Methodologie“ so gut ankommt. Der musste damals allerdings seine Sprachbilder, Story und Worte weit sorgfältiger wählen und verschlüsseln, denn wegen der Nazis herrschte Leib- und Lebensgefahr.

      Dass Westerwolle allerdings Außenminister wird, scheint eher nicht zu erwarten: „Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg hat sich FDP-Parteichef Guido Westerwelle geweigert, eine Frage auf Englisch zu beantworten – nicht einmal anhören wollte er sie. (…) Westerwelle wirkt überrumpelt, hilflos, kalt erwischt.“ Ob dieser Berufspolitiker außer als Selbstdarsteller überhaupt als Minister eine gute Figur machen könnte, tja?

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