Religiöse Asymmetrie


Gebet-islam
Von Jörg Laublog.zeit.de
Gericht: Berliner Schulen müssen Gebetsräume für Muslime einrichten

Ein Schüler des Diesterweg-Gymnasiums in Berlin-Wedding hat vor dem Verwaltungsgericht Berlin erwirkt, daß ihm ein Gebetsraum bereitsgestellt werden muss, weil er seiner Pflicht zum fünfmaligen Gebet nachkommen müsse.
Das Verwaltungsgericht entschied gestern zugunsten des Schülers. Die Begründung findet sich hier. Ich finde das stark, besonders angesichts der Politik des Berliner Senates, den Religionsunterricht aus den Berliner Schulen zu verdrängen und durch “Ethik” zu ersetzen. Eine Verfassungsbeschwerde gegen die Einführung von Ethikunterricht an Stelle des Religionsunterricht wurde abgewiesen. Während es also von höchsten Gerichten unterstützt wird, den christlichen Religionsunterricht aus den Berliner Schulen zu verdrängen, wird eine Schule im Wedding gegen den erklärten Willen der Leitung verpflichtet, einen islamischen Betraum einzurichten.

Spinne ich, oder gibt es da eine gewisse Asymmetrie?
Besonders (irr)witzig finde ich, daß das Berliner Gericht in seiner Begründung (S.3), warum das 5malige tägliche Beten für den jungen Mann unabdingbar sei, sich auf die Schrift von Christine Schirrmacher beruft – einer Islamexpertin, die dem evangelikalen Spektrum zugerechnet wird. (Schirrmacher ist etwa Mitautorin der letzten EKD-Schrift zum Dialog mit dem Islam, die von den islamischen Verbänden als Ausdruck einer islamkritischen Wendung der EKD gewertet wurde und fast zum Abbruch der Dialogbemühungen führte.) Nun also ist ausgerechnet Frau Schirrmacher zur Wegbereiterin der Islamisierung des Berliner Schulsystems geworden!
Der Irrsinn ist perfekt!

weiterlesen

Danke für den Tipp, Norbert 🙂

20 Comments

  1. Im Moment sehe ich das Problem weniger in Islamisten, die Deutschland infiltrieren wollen, sondern vielmehr in einem inzwischen wieder gesellschaftsfähigen Nationalismus, der im Windschatten heraufbeschworener Ängste vor den Gefahren eines nicht vorhandenen Islamismus ganz schön Fahrt bekommt.

    Ist es möglich, säkular und migrantenfreundlich zu argumentieren? Ich denke ja, denn die Säkularisierung war ein Begriff der Demokratisierung. Letztere aber ist meilenweit vom Nationalismus entfernt.

    Das scheinen viele Leute zu vergessen, die diese zugegebenermaßen unverständliche Entscheidung als Vorwand für Fremdenfeindlichkeit mißbrauchen.

    Mehr dazu auf meinem Blog:

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/10/01/moslem-darf-beten-web-de-forum-wehrt-euch/

    Viele Grüße

    Liken

  2. Das mit Christine Schirrmacher ist ein Irrtum, da Du die einstweilige Verfügung von März 2008 anführst und verlinkt, wo sich der muslimsiche Schüler auf CS beruft!

    Für dies neue dh endgültiuge Urteil beruft sich das Gericht auf ein Gutachten des Isamwissenschaftlers Mathias Rohe.

    Liken

  3. @tonari

    um das Ganze noch zu toppen, wird es bestimmt auch bald geschlechterspezifische Gebetsräume geben, damit die Mädels nicht den Raum „entweihen“ 😉

    Ich kann immernoch einen draufsetzen 😉 .
    Wie wär es, wenn nicht nur Schulen dies erstreiten dürfen, sondern es auch alle andere öffentliche Plätze angewandt werden könnte ? Eine Mikro-Moschee im Stadthaus, eine Gebetszelle neben dem Bürgermeisterbüro und eine Kapelle im Krankenhaus … HALT .. das existiert ja schon 😛 .

    Liken

  4. um das Ganze noch zu toppen, wird es bestimmt auch bald geschlechterspezifische Gebetsräume geben, damit die Mädels nicht den Raum „entweihen“ 😉

    Liken

  5. Soviel ich weiß hat der Kläger versucht irgendwo in der Schule mit Gleichgesinnten zu beten, was ihnen verboten wurde.
    Das hätte ich im Gegensatz zur Bereitstellung eines offiziellen Raums nicht als Problem gesehen, solang das nicht während der Unterrichtszeit geschieht.
    Bleibt zu hoffen, dass jetzt jede Religionsgemeinschaft solche Forderungen stellt, damit bald kein Unterricht mehr möglich ist ohne das erneut zu überdenken.

    Liken

  6. @Harald

    Es geht nicht darum, etwas zu „vermitteln“. Es geht um Leute, die die gleichen Interessen haben und denen gemeinsam nachgehen wollen. (..) Er stellt einer „Interessengemeinschaft“ einen Raum zur Verfügung. So, wie er das für andere AGs an der Schule auch tut. Warum ist Religion da das Ausschlusskriterium?

    Die(se) Religion fordert vom Gläubigen ein gewisses Ritual (das Gebet). Da eine Bildungseinrichtung mit den trilliarden von verschiedenen Gebetsformen und eingebildeten Geistern und Göttern nur im Religionsunterricht zu tun hat, und dies auch nur in Form eines festgemachten Curriculum, wird in diesem Falle nichts anderes gemacht, als die Bereitstellung eines „Counter-Strike“ Raumes zu erstreiten. Und weshalb ? Weil der Counter-Strike Clan verlangt, dass der Spieler 6 mal am Tage übt. Und wenn es sein muss, dann eben auch zwischen den Schulpausen. Nun kann der Leser einfach mal Counter-Strike durch Allah-Anbetung oder Jesus-Verehrung ersetzen. Das Ziel ist dasselbe: Ein Raum zur Ausübung gewisser Rituale. Und diese Rituale sind religiöser Natur.
    Nun… dürfen alle Religionen einen solchen Raum beantragen ? Ein Japaner muss nur sagen, er benötige für seine tägliche Dosis Zen-Meditation einen schalldichten Raum für 20 Minuten. Ohne ihn kann er seine Religion nicht ausüben und somit wäre dies ein Bruch mit dem Recht auf eine freie Religionsausübung.

    Dann transportieren wir dies noch schnell in andere Bereiche wie dem Berufswesen, und schon muss der Arbeitgeber in einer Bank, in einem Betrieb oder sonstwo ebenfalls eine Örtlichkeit zur Ausübung irgendwelcher magischen Rituale bereitstellen.

    Nein. Die Schule ist kein Jugendzentrum. In der Schule trifft man sich nicht, um im Informatikraum die neuesten id Games durchzuzocken ! Die Schule hat nicht die Pflicht, sämmtliche Modetänze bereitzustellen, damit Hobbytänzer und Hip Hop Fans sich freudestrahlend „zuhause“ fühlen können. Es ist schön, wenn sie das tut, aber sie muss es nicht. Jede AG kann aufgelöst werden, jede Freizeitaktivität erfolgt ohne schulische Pflichten und ausserhalb der Schulzeit.

    In diesem Falle aber muss die Schule einen Raum zur Verfügung stellen. Der Grund ist nicht eine Arbeitsgemeinschaft, sondern ein Glaube. Wie lange wird es wohl dauern, bis wirklich jede Religion einen Teil des Kuchens abhaben möchte ? Oder will man gewisse Religionen zulassen, andere als „minderwertig“ abblocken ? Hinduisten benötigen kein Gebetszimmer… also nix mit Ruheraum ! Muslime allerdings würden ohne Gebetsraum nachweislich vor Schmerzen sterben. Die müssen ihr Hobby ungebdingt ausüben. Also haben sie das zugeschriebene Recht, einen Raum anzufordern ! Und die Christen, die brauchen kein Zimmer. Aber die Anhänger der Kirche zur Heiligen Maria, die müssen pünktlich um 12:00 Uhr vor einer Madonnastatue den Rosenkranz küssen. Also muss um 12:00 Uhr ein Zimmer bereitstehen, in denen sich die Gläubigen zurückziehen können.

    Somit verkommt der Schulraum zum Hobbykeller.

    Und nebenbei … es geht sehr wohl um das Vermitteln. Und zwar wird der Glaube praktiziert und die „religiöse Wahrheit“ in Form von Ritualen vermittelt. Ansonsten steht es doch vollkommen frei, diese Interessen ausserhalb der Schulzeit und gar ausserhalb des Schulgeländes nachzugehen. Das können andere Freizeitformen genausogut. Weshalb wird hier dem Glauben eine Spezialbratwurst gegrillt ? Was macht das Jesuskreuz oder den Gebetsteppich nun „erstreitbarer“ als den Counter-Strike Rechner oder das Luftgewehrschiessen auf aufgestellten Pappscheiben im Musikraum ? Und was ist mit den Anhänger von Atlantis, die dreimal am Tag für 30 Minuten im heissem Wasser baden müssen ? Was passiert, wenn solche Leute einen Baderaum fordern würden, weil sie sich sonst in der Ausübung ihrer religiösen Praktiken behindert sehen und somit das Grundgesetz auf brutalste Art ihr Leben einschränken würde ? Ist es nicht wunderbar, dass man dann sämmtliche Schulen Deutschland – inklusive den Kindergärten natürlich – mit der Pflicht belasten würde, bei Bedarf ein Schwimmbad bauen zu müssen ? 🙂 . Also … da würde ich sofort zum Atlantaner (Antlantianer ? Antlanier ? Atlantisianer ?) werden 🙂 .

    Entweder bekommen alle Religionen das selbe Recht, und die Schule hat dann an jeder Ecke irgendwelche Zauberwesenanbeter welche in bereitgestellten Klassenräumen rumtanzen und rumsingen, oder sie sagt klipp und klar: „Die Ausübung von Glaubenspraktiken sind ausserhalb der Schul- und Lehrzeit auszuüben !“.
    Buddhisten kommen damit klar. Christen sowieso. Scientologen haben nicht das geringste Problem. Und ja … auch Muslime haben mehr als oft bewiesen, dass sie ihr Hobby auch zuhause oder im Gebetshaus irgendwo in der Stadt ausüben können.

    Liken

  7. „Angelegenheit des Himmels haben nichts mit Bildung zu tun und können nicht an Bildungseinrichtungen vermittelt werden.“

    Es geht nicht darum, etwas zu „vermitteln“. Es geht um Leute, die die gleichen Interessen haben und denen gemeinsam nachgehen wollen.

    „Der Staat, in dem Fall die Stadt Berlin, hat sich weltanschaulich neutral zu halten,“

    Macht er ja. Er stellt einer „Interessengemeinschaft“ einen Raum zur Verfügung. So, wie er das für andere AGs an der Schule auch tut. Warum ist Religion da das Ausschlusskriterium?

    Liken

  8. @nickpol
    „händefalten oder Gebete auf fliegenden Teppichen haben dort nicht, ich betone nichts verloren.“

    Jetzt erklär mir doch noch mal, warum eigentlich nicht. Nur, weil es DIR persönlich nicht passt?
    Der Schachclub darf sich dort treffen, die Computer-AG, die Volkshochschulkurse (mit allen möglichen Inhalten)… und sicherlich hast du auch nichts dagegen, wenn sich dort ein atheistischer Gesprächskreis trifft 🙂 Warum nicht auch ein paar Schüler, die zusammen beten wollen?

    Liken

    1. Ob mir das persönlich passt oder nicht ist völlig unerheblich. Angelegenheit des Himmels haben nichts mit Bildung zu tun und können nicht an Bildungseinrichtungen vermittelt werden. Es sei denn in Sachen Indoktrination. Der Staat, in dem Fall die Stadt Berlin, hat sich weltanschaulich neutral zu halten, also keine Gebete in öffentlichen Schulen. Wenn die Kids beten wollen oder wohl eher müssen, dann sollen die das außerschulisch tun. Die Gesellschaft kann nicht bestimmen oder festlegen ob GOTT nun evangelisch, jüdisch, katholisch, muslimisch oder nichtexistent ist.
      Und dann noch diese Frau Schirrmacher, als Islamexpertin Muhahaha.

      Liken

  9. Harald:

    Lasst die Leute doch beten. Hat was mit freier Religionsausübung zu tun – solange andere nicht belästigt werden.

    Das können sie gerne tun, aber nicht in öffentlichen Einrichtungen, die noch dazu mit öffentlichen, finanziellen Mittel unterhalten werden. Sie können in der Kirche, Moscheen, Synagogen oder sonstwo beten, dass interessiert mich überhaupt nicht. Eine Schule der Stadt Berlin ist Öffentlichkeit und händefalten oder Gebete auf fliegenden Teppichen haben dort nicht, ich betone nichts verloren. Und erzähl mir keinen vom Pferd, dass das etwas mit Religionsfreiheit zu tun hätte, genau das hat es nämlich nicht.

    Liken

  10. Das ist doch Schwachsinn, da die Schule eigentlich ein Religionsfreier Raum sein sollte, bis auf Religinis unterricht, was es auch für Moslems gibt!

    Liken

  11. Ich frage mich, wieso hier (und in dem Artikel) immer von „Gebetsräumen“ die Rede ist. Das klingt, als sollte die Schule einen Gebetsraum für Muslime einrichten. Das hat das Gericht aber nirgends erwähnt. Da steht nur, dass dem Schüler ein Bereich zur Verfügung gestellt wird, in dem er das Gebet ungestört ausüben kann. Das kann auch ein ganz normaler Klassenraum sein, in dem er während der Pause sein Gebet verrichten kann. Von einem ausdrücklichen „Gebetsraum“, der nur dafür genutzt wird, ist nirgend die Rede. Da versucht doch wieder ein Journalist was aufzubauschen und Stimmung zu machen.

    Seit Jahrzehnten gibt es an vielen Schulen in ganz Deutschland Schülerbibelkreise, die sich regelmäßig in den Pausen zum gemeinsamen Gebet oder Bibellesen treffen. Hat bislang noch niemandem geschadet und auch die Stabilität unseres Staates nicht untergraben. 🙂

    Lasst die Leute doch beten. Hat was mit freier Religionsausübung zu tun – solange andere nicht belästigt werden.

    Liken

  12. In meinen Augen sind zwei Aspekte schlimm. Zum einen, die Schaffung von Gebetsräumen in staatlichen Schulen, es ist völlig wurscht, dass der Typ Moslem ist.
    Zum zweiten, dass man sich auf die evangelikale Fundamentalistin beruft. Sind es doch eben jene Kräfte, die Sexualkunde im Unterricht fast unmöglich machen.
    Das Verwaltungsgericht scheint mir ein Kandidat für den nächsten Dodo zu sein. Was meint ihr?

    Liken

  13. Die Richter haben doch tatsächlich Wikipedia als Quelle angegeben, das sollte alles sagen.
    Ich verstehe auch garnicht, warum es nun Beträume sein müssen. Eine einfache Feststellung, das natürlich jeder seine Religion ausüben kann, wie Yuri sagte, hätte doch gereicht…

    Liken

  14. „…Sie sollten Ed Husains “The Islamist” lesen. Da wird genau beschrieben, daß dies die Strategie der Islamisten in England war, den säkularen, neutralen öffentlichen Raum zu durchwirken und zu besetzen…“

    „…Diese Berliner Strategie ist meiner Meinung nach der sichere Weg in die Selbstaufgabe: Keinen ordentlichen (christlichen und islamischen) Religionsunterricht unter Aufsicht der Schulbehörde, dafür aber Preisgabe des öffentlichen Raums an die reaktionärsten Kräfte des Islams…“

    So ist es! Das war’s dann wohl mit Trennung von Staat und Religion. Wenn jetzt Hindus, Mormonen, Katholiken, Buddhisten, Jehovas Zeugen und tausende andere Religionsgemeinschaften ebenfalls Gebetsräume an öffentlichen Einrichtungen fordern, bekommen wir den multireligiösen Gottesstaat. Mehr Gebetsräume als Klassenzimmer. Oder gibt es neuerdings Religionen erster und zweiter Klasse, je nach Einfluss, Gewaltbereitschaft oder strategischem Geschick deren Mitglieder?

    „…Deshalb haben Kreuze, Kopftücher, Kutten und andere sichtbaren religiös-weltanschaulichen Symbole in den Schulen nichts zu suchen…“

    Richtig! Religiöse Symbole müssen in sämtlichen öffentlichen Einrichtungen endlich verschwinden. Und zwar alle!

    Liken

  15. Ich halte das Urteil für durchaus nachvollziehbar.

    Schließlich wird auch christlichen Schülern das Beten oder auch das Tragen von Kreuzen an Kettchen um den Hals nicht verboten, oder? Laut Grundgesetz muss die freie Ausübung der Religion gewährleistet werden, sie darf nur niemanden schädigen (was bei Menschenopfern wohl der Fall wäre) und sie darf nicht von staatlicher Seite institutionalisiert sein. Letzteres wäre bei Religionsunterricht der Fall; bei der Einrichtung eines Betraumes meiner Ansicht nach jedoch nicht.

    Es geht mir hierbei nicht darum, die Ausübung von Religionen zu befürworten; es geht darum, alle Religionen gleich zu behandeln: Entweder alle verbieten oder allen die Ausübung ermöglichen.

    Liken

  16. Religionsausübung wird wohl in den privaten Bereich zugeschrieben, während Religionsunterricht in den öffentlichen Bereich zugeschrieben wird.

    Prinzipiell finde ich die Argumentation durchaus schlüssig, wobei die Frage wäre, ob man dann nicht auch anderen Gesuchen entgegenkommen müsste. Da stellt sich die Frage der Vergleichbarkeit. Aber vielleicht kann man Religion mit Vegetarismus vergleichen? Immerhin gibt es auch bei Letzterem ein Entgegenkommen….

    Liken

Kommentare sind geschlossen.