Da brodelt(brodert) etwas vor sich hin


Kay Sokolowsky stellte im Bücherhaus sein aktuelles Buch vor.Vollformat/Volker Dziemballa
Kay Sokolowsky stellte im "Bücherhaus" sein aktuelles Buch vor.Vollformat/Volker Dziemballa

Von Daniel Hirsch main-spitze.de

Zum Abschluss der „Interkulturellen Woche“ hatte das „Bücherhaus“ am Mittwochabend zu einer Lesung mit hochaktuellem Thema geladen: Der freie Autor und Journalist Kay Sokolowsky präsentierte sein neuestes Buch „Feindbild Moslem“. Darin untersucht und warnt Sokolowsky, der mit Büchern über Alice Schwartzer oder Harald Schmidt bekannt wurde, vor dem Phänomen des sich in Deutschland seit längerem heranbildenden Rassismus gegenüber Mitmenschen aus muslimischen Ländern unter dem Deckmantel der Religionskritik am Islam. Dabei sammelt er Beispiele aus den Medien: so hätte es im „Spiegel“ noch unter Ex-Chefredakteur Stefan Aust Leitartikel gegeben, die nur haarscharf am Anti-Muslimischen vorbeischrammten. Daneben bezieht sich der Autor auf Quellen aus dem Internet, etwa Forenbeiträge auf den Webseiten von so genannten „bürgerlichen“ Zeitungen, bei denen es sich bei etwa 50 Prozent um muslimfeindliche Äußerungen handeln würde.

Doch vor allem warnt er vor dem Blog „politically incorrect“, den er als „rechtextreme Dreckschleuder“ bezeichnet und als „Keimzelle“ des deutschen Antiislamismus sieht, bei der es zudem meist gar nicht um die islamische Religion gehe. Die Seite würde Muslime als „Deutschlands größtes Übel“ bezeichnen, das „gefährlicher als jeder Skinhead und jede Wirtschaftskrise“ sei. Dabei würde das Portal sich selbst sogar noch als „aufklärerisches Medium“ sehen, so Sokolowsky.

Dies habe ihn dermaßen beunruhigt, dass er beschloss, sein Buch zu schreiben. In der Gesellschaft habe sich unbemerkt etwas entwickelt, das sehr gefährlich sei, es „brodele dort etwas vor sich hin“. Aufgrund von aktuellen Vorfällen wie in Dresden, als eine junge Ägypterin vor Gericht aus rassistischen Gründen niedergestochen, oder in Berlin, wo zwei Iraner aufgrund ihres Erscheinungsbildes beinahe zu Tode geprügelt wurden, sieht sich der Autor bestätigt.

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11 Comments

  1. „Was er [Sokolowsky] nur nicht gut findet ist, dass jeder Moslem als vermeintlicher Terrorist angesehen wird.“

    Ein Popanz, den Sokolowsky aufbaut, um seine dünne Suppe an den Mann zu bringen. Kein ernstzunehmender Wortführer in der Anti-Islam-Debatte hat jemals das behauptet, was hier über das Werk des Autors gesagt wird. Bekanntermaßen sind die schärfsten Kritiker des orthodoxen Islam selber in der Vergangenheit (Mutaziliten) und in der Gegenwart Muslime, etwa Irshad Manji oder Taslima Nasreen, von der der Satz stammt: „“Es gibt viele moderate Moslems, doch der Islam selber ist nicht moderat“. Und natürlich viele Ex-Muslime wie Barino, der durch 2 WDR-Dokus bekannt wurde und nach seinem islamistischen Abenteuer erkannte: „Eine freie Gesellschaft und der Islam, das schließt sich gegenseitig aus, denn der Herrschaftsanspruch des Islam ist total“. Mit Sokolowskys Buch scheint die tatsachenresistente Empörungsliteratur einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Je aufgeblasener seine Übertreibungen – ein Islamkritiker ist ein Rassist, dem jeder Moslem schon ein Terrorist ist -, umso mehr sucht er sich als eine Art neo-ossietzkyscher Kassandra zur Heilung der „Krankheit“ zu empfehlen, die er selbst erfunden hat. So arbeiten die üblichen Scharlatane.

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  2. @nichtintegrierter Kurt

    Wie ich weiter unten schon sagte, der Autor setzt sich ja kritisch mit dem Islam auseinander, das ist ja auch nicht verwerflich.
    Verwerflich ist meiner Meinung nach, wie mit Muslimen in diesem Land umgegangen wird. Jeder Moslem ein verkappter Terrorist? Lesen Sie das Buch, es ist wirklich interessant.
    Und was diese Rezension dem Sokolowsky vorwirft, das ist hanebüchen, wie kann man einem Menschen, der sich gegen den Rassismus stellt als Rassisten darstellen?
    Lesen Sie doch mal diese Rezension:
    http://www.unsere-demokratie.info/blog1.php/2009/09/11/albtraum-11-sep-2001-und-das-feindbild-moslem

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  3. @Kurt

    ICH FLEHE DICH AUF KNIEN AN! ERKLÄRE IHN MIR!
    Falls es Dir nicht aufgefallen sein sollte – die Erklärung steht doch in dem von Dir zitierten Satz.

    Sachliche Kritik vs. Polemik.

    Auch habe ich an keiner Stelle behauptet man dürfte den Islam nicht kritisieren. Allerdings sind manche „Kritiker“ genauso fundamentalistisch wie sie das dem Islam pauschal vorwerfen. Man sagt Islam, meint aber Terrorismus oder lamentiert in unzähligen Wiederholungen über die angeblich fortschreitende Islamisierung Westeuropas.

    Einige können ohne Feindbild nicht leben.

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  4. @sergej_k:
    Du schreibst:“Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen (echter) Islamkritik und undifferenzierter Hetze.“

    ICH FLEHE DICH AUF KNIEN AN! ERKLÄRE IHN MIR!
    Und warum ist Religionskritik am Islam Rassismus? Warum darf ich an die monotheistische Religion „Islam“ nicht die selbe Kulturtechnik der Religionskritik anwenden, wie an die monotheistische Religion „Christentum“ ?
    WARUM?
    (heul, schluchz, schnief)

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  5. @Nanomyte
    Das ist schon richtig, allerdings geht es z.B. bei PI nicht um islamische Institutionen sondern um Menschen, die „aufgrund ihres Erscheinungsbildes“ als Muslime erkennbar sind.

    @tischl
    Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen (echter) Islamkritik und undifferenzierter Hetze.

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  6. Also heute steht in Rom, der heiligen Stadt der r.k.Kirche ein Denkmal von Giordano Bruno und jedem Touristen auch (athistischen) ist es gestattet zumindest die Sehenswürdigkeiten des Vatikans an zu schauen.

    In Saudi-Arabien oder dem Iran stehen weder die Denkmäler von arabischen oder persischen Verfechtern die sich gegen den Islam ausgesprochen haben, noch von den hingemordeten Minderheiten, wie Homosexuellen, wie es in Berlin z.Bsp. der Fall ist, noch darf man als Tourist (vorallem als atheistischer Tourist) sich Mekka und Medina anschauen.

    Wenn schon Gift und Galle gegen das Christentum gespuckt wird, Zitat Voltaire: „Zermalmt die Kirche.“ Dann ist „Zermalmt die islamischen Institutionen“ eher noch ein Kompliment in unserer heutigen Zeit.

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  7. „…Aufgrund von aktuellen Vorfällen wie in Dresden, als eine junge Ägypterin vor Gericht aus rassistischen Gründen niedergestochen, oder in Berlin, wo zwei Iraner aufgrund ihres Erscheinungsbildes beinahe zu Tode geprügelt wurden, sieht sich der Autor bestätigt…“

    These 1: Muslime sind die armen Opfer.

    „…In diesem stellt er den so genannten „Angsthaber“ vor, der das Unbekannte fürchte und sich ein Feindbild „Muslime“ zurechtbastle. Dieser „Angsthaber“ hätte zwar Angst vor dem Fremden und seinem Nebenmann, würde aber wiedersprüchlicherweise Mitstreiter für seine Sache suchen…“

    These 2: Menschen die den Islam kritisch sehen sind psychisch/psychiatrisch krank (Angsthaber = Phobiker).

    „…Auszüge, Beiträge, Interviews, eine Art Tabelle zur Selbstüberprüfung „Denke ich rassistisch?“…“

    These 3: Jeder der nicht vollkommen meiner Meinung ist, kann nur Rassist sein.

    These 1+2+3: Jeder der die Religion Islam auch kritisch sieht und Muslime nicht nur als Opfer, ist ein muslimfeindlicher, psychisch kranker Rassist.

    Leider eine übliche und inzwischen auch salonfähige Strategie der „Argumentation“.

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  8. @Andreas:
    Herr Sokolowsky setzt sich ja kritisch mit dem Islam auseinander.
    Das steht alles in dem Buch.
    Was er nur nicht gut findet ist, dass jeder Moslem als vermeintlicher Terrorist angesehen wird.
    Und das eine Hetze gegen Moslems läuft.
    Und das ist nur ein kleiner Teil dieses sehr klugen und differenziert geschriebenen Buches.

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  9. Vielleicht hat Kay Sokolowsky teilweise Recht, ich sehe aber eine ganz andere Gefahr.
    Aufgrund solcher Meinungen werden alle Religionsgemeinschaften einen höheren Schutz vor „Anfeindungen“ fordern. Das dies auf Kosten der Meinungsfreiheit geht, dass ist all diesen Gutmenschen erstmal egal. Im Gegenteil, Religionen fühlen sich in (von ihnen beeinflussten) totalitären Regimen besonders wohl.

    Eine ordentliche, auch harsche Kritik allen Religionen muss aus diesen Gründen erlaubt sein und ist wichtig für eine freie Gesellschaft.

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