Bibeltreu, wissenschaftlich und streng gläubig


passion-christi_kreuzigung_360 Christliche Fundamentalisten befinden sich im Aufwind, was von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird

Von Michael Voreggertp

Überall im Lande gibt es Bibelschulen die Missionare, Pastoren und Gemeindehelfer ausbilden. Die vor einigen Monaten im Jemen getöteten zwei Krankenschwestern kamen aus einer solchen Einrichtung. Viele Ausbilder an den Bibelschulen kommen nicht mehr ausschließlich aus den USA, denn auch in Deutschland gibt es „höhere“ Bildungseinrichtungen, wie die Freie Theologische Hochschule (FTH) in Gießen.

Die FTH zählt mittlerweile zu den größten Einrichtungen dieser Art im deutschsprachigen Raum. Sie ist zwar nicht staatlich anerkannt, aber sie hat eine Genehmigung für die Durchführung des Lehrbetriebs nach dem Hessischen Hochschulgesetz. Im aktuellen Semester sind dort 130 Studierende eingeschrieben und drei Viertel von ihnen sind männlich. „Inzwischen ist, neunzig Jahre nach dem Ende der Staatskirche, die kirchliche Landschaft vielfältiger geworden. Die Freie Theologische Hochschule Gießen bildet theologische Mitarbeiter für den Bereich freikirchlicher Gemeinden, landeskirchlicher Gemeinschaften und freier christlicher Werke im In- und Ausland aus“, sagt Professor Helge Stadelmann, Rektor der FTH. „Sie versteht sich als Stätte wissenschaftlicher Forschung und Lehre im Bereich evangelikaler Theologie.“ Der Etat der Hochschule liegt derzeit bei 1,4 Millionen Euro und wird durch Spenden und Studiengebühren getragen. Jeder Student muss pro Semester 1050 Euro zahlen.

Evangelikale Christen sind eine Minderheit innerhalb des Protestantismus, die sich auf die Irrtumsfreiheit der Bibel berufen und auch als christliche Fundamentalisten bezeichnet werden. In der Deutschen Evangelischen Allianz, dem Dachverband der Evangelikalen, sind 1,3 Millionen Christen organisiert. Die Mehrheit dieser Evangelikalen gehört auch den evangelischen Landeskirchen in Deutschland an, die 24,8 Millionen Mitglieder haben. Experten schätzten die Zahl der Anhänger evangelikaler Ideen in Deutschland auf etwa zweieinhalb Millionen Menschen.

Während die katholische und die evangelische Kirche in den letzten Jahren viele Mitglieder verloren haben, steigt die Zahl der Evangelikalen jedes Jahr weiter an. Diese besonders bibeltreuen Protestanten sprechen sich gegen Abtreibung aus, sind für weltweite Missionierung und zweifeln an der Gültigkeit der Evolutionstheorie. „Kreationismus ist die Ablehnung der Evolutionstheorie aus religiösen Gründen. Im christlichen Bereich meistens, weil man die Schöpfungsgeschichte der Bibel für eine historische, naturwissenschaftliche Darstellung hält“, sagt Hans Jörg Hemminger, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „Dann geht man davon aus, dass die Erde sechs bis zehntausend Jahre alt ist, anstatt vier Milliarden Jahre. Dass die Tiere spezifisch geschaffen wurden und nicht in einem langen Prozess der Abstammung entstanden sind. Damit legt man sich mit einem großen Teil der etablierten Naturwissenschaften an.“

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3 Comments

  1. Das Anwachsen evangelikaler „Bewegungen“ ist auch in anderen Ländern nicht zu übersehen. Brasilien ist ein gutes Beispiel.

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