Frauen und die sanfte Homöopathie -update-


Quelle: wikipedia
Quelle: wikipedia

Von freelancer update

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich komme aus dem Kopfschütteln über den Artikel „Wie Frauen von der sanften Homöopathie profitieren“ nicht mehr heraus. Ist die „Apotheken-Umschau“ nun ein seriöser Ratgeber oder eine esoterisch verseuchte Werbe-Publikation? Ich meine, dass in ihrem redaktionellen, akademischen Umfeld doch zumindest auch einige seriöse Schulmediziner am Werk sind. Weshalb konnte zum Beispiel ihr ständiger fachwissenschaftlicher Berater Prof. Dr. med. Wolfram Delius den pseudowissenschaftlichen Nonsens über die Homöopathie nicht verhindern? Hatte er diesen Artikel vor der Veröffentlichung überhaupt gelesen und freigegeben? Falls ja, erübrigt sich jeder weitere Kommentar dazu.

Über die Seriösität und den Wahrheitsgehalt der pseudowissenschaftlichen Homöopathie brauchen wird uns hoffentlich im 21. Jahrhundert nicht mehr zu unterhalten. Oder etwa doch!?

Frage: Was also hat Sie dazu veranlaßt, den Hahnemann’schen Unfug weiter zu verbreiten? Die Vermutung liegt leider nahe, dass es Ihnen gar nicht darauf ankam, die Verbraucher seriös zu beraten. Ein schwerer Vorwurf, den Sie aber gerne entkräften können. Sie müssen lediglich öffentlich bekennen, dass sie tatsächlich an die Wirkung homöopathischer Mittelchen glauben. Dann könnte und müßte man Ihnen mildernde Umstände zuerkennen! Ihre medizinische Fachkompetenz und Ihre Glaubwürdigkeit wäre dann allerdings dahin.

Ich beobachte schon seit geraumer Zeit, dass es Ärzte und Apotheker gibt, die sehr wohl wissen, was es mit der Pseudowissenschaft „Homöopathie“ auf sich hat. Sie wissen es, aber sie behalten es für sich! Aus gutem Grund: Sie wollen sich das Geschäft mit dem Vertrieb dieser (unwirksamen) Mittelchen nicht entgehen lassen! Dies nach dem Motto: „Wenn ich es nicht verschreibe oder verkaufe, tut es eben ein Kollege! Was man von einer solchen Einstellung halten soll, bedarf wohl keiner Ausdeutung. Es genügt die Feststellung, dass dies in höchstem Maße – gelinde gesagt – unseriös ist!

Dass es aber unter studierten Ärzten und Apothekern auch überzeugte Homöopathie-Anhänger gibt, ist erschreckend und gleichzeitig ernüchternd. Stellt sich die Frage: Was wurde bei deren Studium falsch gemacht oder versäumt? Ich erinnere nur an das in Fachkreisen bekannt gewordene Beispiel aus dem Jahr 2003. Hier ein Auszug aus der Veröffentlichung im Internet:

Pseudowissenschaften an der Universität Leipzig

Der Preis für den Wirkungsnachweis homöopathischer Mittel, den die Leipziger Pharmazeuten Apothekerin Franziska Schmidt, Prof. Karen Nieber und Prof. Wolfgang Süß 2003 erhalten haben, beruht auf einer Falschmitteilung

Kommentar
von

Prof. Dr. rer.nat. Gerhard Bruhn, Darmstadt
Prof. Dr. rer.nat. Erhard Wielandt, Stuttgart
PD Dr. rer.nat. Klaus Keck, Konstanz

Ich gehe davon aus, dass Ihnen dieser Fall bekannt ist. Den vollständigen Kommentar können Sie im Internet nachlesen.

Ich kann zugegebenermaßen nicht einschätzen, ob die Weigerung der Krankenkassen, die Kosten für homöopathische „Medizin“ generell nicht zu übernehmen, sich kostenmindernd auf die Gesamtkosten des Gesundheitswesens auswirken würde. Zumindest aber sollten sich alle Krankenkassen darin einig sein, dass die Kosten für homöopathische Mittelchen von den gläubigen Homöopathie-Anhängern selbst zu bezahlen sind. Weshalb sich einige Kassen inzwischen trotzdem zu einer teilweisen Kostenübernahme bereit erklärt haben, hat „gute“ Gründe: Kassen, die die Übernahme dieser Kosten verweigern, müssen nämlich damit rechnen, dass ihre Mitglieder zu einer anderen, großzügigeren Kasse wechseln. Es ist somit eine Güteabwägung, ob man diese zahlende Kundschaft verprellen will oder weiter bei der Stange hält. Die Quintessenz: Die Solidargemeinschaft der Beitragszahler finanziert den Aberglauben eines Teils der Mitglieder mit! Eine ziemlich unbefriedigende Situation für die wissenden und aufgeklärten Kassenmitglieder.

Übrigens: Die vor nunmehr über 200 Jahren von Samuel Hahnemann postulierte Homöopathie hat sich – im Gegensatz zur Schulmedizin – doch in keinster Weise fortentwickelt. Lediglich einige zu obskure Basisgrundstoffe wurden inzwischen weggelassen. Eine Fortentwicklung der Homöopathie ist auch nicht zu erwarten, denn dieser pseudowissenschaftliche Schwachsinn ist nun mal nicht zu toppen! Stopp! Mit einer Ausnahme. Nachzulesen auf Seite 40 in der aktuellen „Apotheken-Umschau“. Da werden neuerdings auch Tiere mit homöopathischen Bachblüten-Notfall-Drops vom Apotheker versorgt! Na, ja. Schwachsinn treibt eben schon sonderbare (Bach)blüten!

Dass auch die Schulmedizin(er) nicht unfehlbar ist(sind) wird häufig als Gegenargument ins Feld geführt. Das mag sicher im Kern zutreffend sein, denn wo Menschen  tätig sind, sind auch Fehldiagnosen und zwangsläufig auch Fehlbehandlungen nicht auszuschließen. Aber wem sage ich das. Das ändert aber nichts daran, dass Thesen, wie sie Hahnemann postulierte, nur dann wissenschaftliche Anerkennung finden könnten, wenn sie durch eine wissenschaftlich reproduzierbare Beweisführung abgesichert werden können. Dieser Nachweis ist den Homöopathie-Anhängern allerdings nicht gelungen! Wie denn!? Der Nachweis über die Unwirksamkeit von nicht wirkender Medizin ist nun mal ein Ding der Unmöglichkeit. Genau so nicht nachweisbar wie die Existenz von etwas Nichtexistierenden! Und – Spontanheilungen sind weitaus häufiger, als dies einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Diese unverdienten „Erfolge“ verbuchen die Homöopathen dann selbstverständlich auf ihr Konto.

Nachweisbar hingegen ist die menschliche Dummheit, wie Ihr Beitrag in der „Apotheken-Umschau“ nachdrücklich belegt!

Nichts für ungut, aber die Wahrheit ist nun mal nur schwer zu ertragen ! Es gab im übrigen schon zu allen Zeiten Menschen, die ihr Handeln nach dem Grundsatz ausrichteten: Mundus vult decipi, ergo decipiatur.

Trotzdem: Mit freundlichem Gruß

Update

Antwort der „Apotheken Umschau“ auf den Blogbeitrag

„Homöopathie – Wie Frauen von der sanften Medizin profitieren“

Sehr geehrter Herr XXXXXX,

vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu unserem Beitrag

über die Homöopathie für Frauen. Nun habe ich leider

nicht die Zeit, Ihnen ähnlich umfangreich zu antworten. Nur so viel:

In dem Beitrag weisen wir mehrfach darauf hin, dass es

sich bei der Homöopathie um keine wissenschaftlich bewiesene

Heilmethode handelt (z.B. „Nachweise für die Wirksamkeit

homöopathischer Mittel gibt es bislang nicht.“). Zudem formulieren

wir deutlich „…, dass solche Mittel bei ernsten Erkrankungen

nicht als einzige Therapie eingesetzt werden dürfen, sondern

oft ergänzend – und dann nur in Absprache mit dem behandelnden

Arzt. Im Zweifelsfall sollte man einen Facharzt aufsuchen.“

Generell sagen wir niemals „hilft“, sondern stets „kann helfen“.

Wenn Sie das nicht davon überzeugt, dass wir (neben mir als Autor

auch unsere fachwissenschaftliche Redaktion, unsere Textchefs,

Chefredakteure und Redaktionsleiter) in diesem Beitrag unserer

journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen sind, werden

Sie wohl auch künftig aus dem Kopfschütteln nicht herauskommen.

Mit freundlichen Grüßen

Ullrich Jackus

Apotheken Umschau

Tel. 0 89/7 44 33-303

Fax 0 89/7 44 33-330

Antwort von „freelancer“

Sehr geehrter Herr Jackus,

mir ist sehr wohl aufgefallen, dass Sie im zur Rede stehenden Artikel häufig den Konjunktiv anwenden. Es ist dies eine bewährte Methode, um mit der Möglichkeitsform nicht ganz so kritische bzw. unaufmerksame Leser hinters Licht zu führen. Eine ziemlich durchsichtige Art und Weise, sich bei kritischen Einsprüchen nach allen Seiten hin abzusichern. Dieses Vorgehen kann man – um im Konjunktiv zu bleiben – als Täuschungsversuch werten.

In diesem Fall neige ich jedoch dazu, den Indikativ anzuwenden, wobei dann der Satz wie folgt lauten muss: „Dieses Vorgehen ist als Täuschungsversuch zu werten  !“

In der Titelüberschrift Ihres Beitrages ist allerdings ganz eindeutig ein Wirkungsversprechen abgegeben worden. Grammatikalisch gesehen somit ein Indikativsatz (= Wirklichkeitsform). „Wie Frauen von der sanften Medizin profitieren.“ Konsequenterweise hätten Sie sonst dieser Überschrift, um im Konjunktiv zu bleiben, das Verb „können“ hinzufügen müssen.

Nein, nein, Herr Jackus, die Ausrede mit dem versteckten Konjunktiv zieht nicht. Man erkennt dabei die Täuschungsabsicht und ist verstimmt !

Im Übrigen sind Sie die Antwort schuldig geblieben, was Sie tatsächlich von der Pseudowissenschaft „Homöopathie“ halten. Und – wenn Sie tatsächlich der Ansicht sind, dass Homöopathie und Allopathie sich harmonisch ergänzen, dann sollten Sie Ihren Lesern bestimmt auch erklären können, wie sich Feuer und Wasser zu einer harmonischen Symbiose vereinen lassen !?

Ich werde den Verdacht nicht los, dass einige Leute in der Gilde der Apotheker und der Schulmediziner, die sich sowohl der Allopathie als auch der Homöopathie verschrieben haben, lediglich nach rein kommerziellen Aspekten handeln. Sie verkaufen den Kunden einfach das, was verlangt wird. Bei dieser zweigleisigen Strategie nach dem Motto „Sag mir, was du willst ! Ich verkaufe dir beides !“ muss doch die ehrliche fachliche Beratung auf der Strecke bleiben. Woher soll denn der normale Kunde wissen, was Sache ist, wenn ihm die Fachleute – Ärzte und Apotheker – die Sowohl-als-auch-Therapie zur Auswahl anbieten und die Wahl den Kunden    überlassen !? Ehrlich ist das garantiert nicht und seriös schon gar nicht !

Von einer fachspezifischen Publikation wie der „Apotheken Umschau“ müsste man eigentlich erwarten können, dass sie eine klare, eindeutige Sprache spricht und nicht mit Konjunktivsätzen operiert, die letztlich alle Fragen offen lassen und es den Kunden (Patienten) überlässt, die Entscheidung zu treffen !

Zur Erinnerung: Die Homöopathie wurde vor ca. 200 Jahren von Samuel Hahnemann begründet und seitdem unverändert angewandt. Dies steht im Gegensatz zur Schulmedizin, die steter Veränderung und Kontrolle unterliegt. In der Homöopathie hingegen wird es gar als Häresie gewertet, wenn von dieser Lehre abgewichen wird. Dazu eine Feststellung des norwegischen Dichter Henrik Ibsen, der den Satz prägte: „Der Wert einer Wahrheit dauert 15 Jahre, danach verwest sie im Irrtum !“

PS: Es ist ja nicht das erste Mal, dass die „Apotheken Umschau“ ins Visier der Kritik geriet. Der nachstehende Link wird Ihre Erinnerung auffrischen !

dentalife.wordpress.com/…/frontal21-massive-kritik-an-der-apothekenumschau/ –

13 Gedanken zu “Frauen und die sanfte Homöopathie -update-

  1. Suzie

    Der Wahnsinn hört anscheinend nie auf. Die aktuelle Ausgabe hat schon wieder das Thema Homöopathie. Ich habe denen eben auch eine mail gesendet. Das ist einfach in höchstem Maße unseriös.
    Apotheker war mal ein angesehener Berufszweig… heute ist er das m. E. nicht mehr.

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  2. Bettina

    Toller Artikel !

    Schön, dass es noch kritische Leute gibt, die hinterfragen!
    Dass die Apotheken-Umschau diesen Hype um die Homöopathie mitmacht ist doch logisch. Der Euro muss rollen….
    Da hilft nur eines: Beim nächsten Besuch klar und deutlich formulieren, das man kein Placebo wünscht, sondern ein Medikament, dessen Wirkung bewiesen ist. 😉

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  3. freelancer

    Zu meinem Beitrag „Homöopathie – Wie Frauen von der sanften Medizin profitieren“ gibt es ein Up-date. Der Autor des von mir kritisierten Beitrags in der „Apotheken Umschau“, Ullrich Jackus, hat auf meine an ihn gerichtete E-Mail reagiert. Seine Antwort – und meine Replik darauf – ist im up-date nachzulesen.

    Ich nehme die Gelegenheit wahr, um mich bei „tischl“ und „Cheetah“ für deren hier eingestellten Videos zu bedanken. Dass die „Apotheken Umschau“ bereits schon mal in einer ZAPP-ZDF-Sendung blamiert wurde, war mir bisher nicht bekannt.

    Besonders gefreut hat mich das Video von „Cheetah“ mit James Randi (J.R. explains Homeopathy). Ich bin schon seit Jahren einer seiner Fans. Sein Buch „Lexikon der übersinnlichen Phänomene“ (ISBN 3-453-18848-9) liegt stets griffbereit neben meinem PC. Im übrigen zählen Geparden (Cheetahs) schon immer zu meinen Lieblingstieren.

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  4. Cheetah

    @Fek: Homöopathie basiert auf dem Prinzip, dass der „Wirkstoff“ der Symptom A auslöst auch gegen eine Krankheit helfen soll, die Symptom A auslöst.
    Dann verdünnt man den „Wirkstoff“ noch so stark, dass er teilweise nicht mehr nachweisbar ist.
    James Randi hat mal im Selbstversuch 2 ganze Packungen homöopathische Schlaftabletten genommen. Nichts ist passiert.
    Was war drin? Koffein!

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  5. Pingback: pego's status on Friday, 09-Oct-09 20:39:39 UTC - Identi.ca

  6. Fek

    Mir war gar nicht klar, dass Homöopathie vollkommoner Schwachsinn ist. Muss da wenigstens nicht irgendetwas dran sein?

    Gruß

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  7. Argus7

    @Spider

    Dieses YouToube-Video kennt man bei der „Apotheken Umschau“ bestimmt schon längst. Ich habe etwas anderes getan. Ich habe den Blogbeitrag von heute an die Redaktion von Frontal 21 übermittelt. Vielleicht greift man diesen erneuten Skandal dort auf.

    Aber auch den heutigen Blogbeitrag habe ich bereits an die Redaktion der „Apotheken Umschau“ übermittelt. Die werden jetzt aus dem Rotieren sicher nicht mehr herauskommen.

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  8. tischl

    Wie die Berichterstattung über Medikamente in den Print-Medien, insbesondere in der Apotheken-Umschau, läuft, kann man in diesem ZAPP-Beitrag sehen:

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  9. Spyder

    Kann man das vielleicht als Vorlage runterladen und an die AU schicken?

    Die Antwort der Redaktion würde auf jeden Fall interessieren.

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  10. Pingback: brightsblog (brightsblog) 's status on Thursday, 08-Oct-09 08:05:28 UTC - Identi.ca

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