Im religiösen Wahrheits-Wahn


Von Kuro Sawai – Brights Marburg

An einem kleinen, unspektakulären Fall von religiös begründetem Wahrheits-Wahn kann man wie in einem Brennglas sehen, was da aus zivilisatorischer Sicht schiefläuft. Ein Fußball-Verein mit vornehmlich muslimischen Spielern weigerte sich, gegen einen gleichwertigen anzutreten, in dessen Namen “Paris Foot Gay” eine sexuelle Orientierung anklang. Die Einwanderer-Jungs fühlen sich dabei im Besitz der (göttlichen) “Wahrheit”.

Mag  ja sein, dass von einem solchen Handeln aus Vorurteil die Welt sicher nicht schlagartig schlechter geworden ist. Doch in diesem aktuellen Fall-Beispiel aus der französischen Hauptstadt zeigt sich, wie religiös-kulturell vermittelte Blockkaden die Alltagswelt der Menschen armseliger und kälter macht. Nicht einmal harmloses Fußballspielen glauben sie, sich erlauben zu dürfen.

Wer durch sein Verhalten so dafür sorgt, dass die eigenen Interaktions-Chancen und Möglichkeiten stetig geringer werden, der verarmt seine Welt und macht sie am Ende hässlich und gefühlskalt. – Der Begriff der “Wahrheit” ist sehr anfällig für fixe Ideen, willkürliche Setzung und Vereinahmung – besonders im religiösen Kontext.

Irgendwelche Vorurteile hat ja zumeist jeder. Ob sie sich gegen das andere Geschlecht oder gegen unbekannte “Fremde” richten, das ist letztendlich immer Mängeln der Bildung geschuldet. Denn Bildung ist nicht gleichzusetzen mit formal erfolgtem Schulbesuch, sondern mit “sozial” erworbenen Fähigkeiten, disparate Wahrnehmungen der Welt zivilisatorisch in sich zu integrieren.

Konkret: man muss Menschen anderer politischer/religiöser/sexueller Orientierung nicht toll finden, aber den alltäglichen Umgang mit ihnen aushalten und pflegen, ohne beleidigend, verachtend oder gewalttätig aufzutreten. Und dabei ist “Gewalt” nicht nur körperlich zu verstehen. Das ist im Europa des 21. Jahrhunderts gewissermaßen die (Vernunft-) Basis des Zusammenlebens.

Das ist auch von fundamentalistischen Christen oder Muslimen abzufordern. Wer selber keine Toleranz aufbringt, darf auch für sich keine erwarten.  Die Berufung auf Religion ist an dieser Stelle “Anti-Zusammenleben” und daher konsequent zurückzuweisen.

Es stimmt wohl, dass die meisten Schulen und sogar Hochschulen da zu wenig leisten. Den sie durchlaufenden Generationen sollten sie individuell Werkzeuge und Unterstützung zu dieser Integration mitgeben.

Doch je weniger Bildung bei jungen Menschen ankommt, desto unfriedlicher und wahnhafter gestaltet sich das alltägliche Zusammenleben in den Städten und Gemeinden. Das gegenseitige sich Ausgrenzen ganzer sozial-kultureller Gruppen mündet im Extrem in Angst und Gewalt gegeneinander. (Beispiele: Katholiken und Protestanten in Nordirland; Hamas und Fatah in Palästina)

Bezogen auf den Ausgangsfall der jungen Fußballer zeigt sich in dem Verhalten der Muslime, dass bei ihnen die zivilistorische Reife mangels hinreichender Bildung (noch) fehlt, der Vernunftgebrauch geringgeschätzt wird. Durch die religiöse Verbrämung der kulturell bedingten Vorurteile sind diese Leute aber sogar noch stolz auf ihren Trug und unfähig dazuzulernen.

Der enorme Unterschied zwischen einem individuellen und einem kollektiven Vorurteil besteht darin, dass die Chancen auf Lernen und Horizonterweiterung im Bereich kollektiver Irrtümer erheblich geringer ausfallen.

Wer sich nun gar “im Besitz der Wahrheit” glaubt, wie es im reliösen Kontext üblicherweise der Fall ist, dem ist ähnlich wie dem Haluzinierenden oder vom Wahnsinn Ergriffenen (das sind nicht als identisch anzusehende Beeinträchtigungen) kaum noch zu helfen. Während man dem einzelnen Erkrankten meistens Hilfe leisten kann,   läuft man bei blockierenden Gruppen-Wahn-Geschehnissen wie gegen innere Wände.

Am schlimmsten dran aber dürften ausgerechnet religiöse Gruppen sein. Bei ihnen ist durch den vorgeblich unhinterfragbaren “Glauben” an die eigenen kulturellen Vorurteile eine zivilisatorische Integrationsleistung am stärksten blockiert. Durch die Berufung auf ihren Gott wird alles Vernunft bezogene eigene Zweifeln, Nachdenken und Dazulernen am meisten behindert.

11 Comments

  1. @Yeti

    Muss man seine sexuelle Orientierung wirklich auch noch im letzten Fussballverein auf die Fahne nähen? (..)

    Spaßeshalber nehme ich mir es mal heraus eine Jesus-Seite als „Argumentation“ zu nutzen, die über was vollkommen anderes geschrieben hat 😉
    http://www.jesus.ch/index.php/D/article/415-youthnews/17016-Jesus_auf_Trikots:_DFB-Pressechef_gegen_FIFA-Verbot/

    Dass der Weltfussballverband FIFA christliche Bekenntnisse auf Spieler-Trikots verbietet, hält der Pressechef des Deutschen Fussballbundes (DFB), Gerhard Meier-Röhn, für „völlig falsch“ und „reformbedürftig“. Ihn beeindrucke die Bereitschaft der vornehmlich brasilianischen Spieler, ihren Glauben an Jesus zu demonstrieren. In der Fernsehsendung „Gerwin trifft“ sagte der Mediendirektor des DFB kürzlich, er habe Respekt davor, „wenn ein Spieler seinen Glauben auf dem Spielfeld auslebt“. Die brasilianischen Spieler fänden ihren Halt „in Jesus und im Kreuz“, und diesen Glauben „nehmen sie mit nach Europa und demonstrieren ihn auf dem Fussballplatz. Das ist bewundernswert und schön“, so Meier-Röhn. (..blah..blah..) Alles was das Spontane fördert, sollte man unterstützen und nicht von oben herab klein machen.

    Wäre die Erwähnung der sexuellen Orientierung auf Flaggen verboten, würde es ja dann nicht dort stehen 😉 . AFAIK hat die FIFA religiöse Bekenntnisse auf Trikos wegen möglicher „Differenzen“ verboten. Aber in diesem Falle gab’s kein „Regelverstoß“ oder unerlaubte Beleidigung… von den Homosexuellen her. Hier liegt das Vorurteil vor, der Sport mit einer „anderen“ Gruppierung würde irgendwas magisches bewirken. Ob Allah entzürnt Blitze schleudert, den muslimischen Spieler nachts der Penis schrumpft oder ihre Kinder diese schwule Menschen durch Zaubermagie als Vorbilder nehmen und den Koran daraufhin aus dem Fenster werfen, weiss ich nicht. Aber irgendwas ist beim Anblick des Vereinnamens geschehen, was eine sportliche Betätigung behindert. Ich betone… hier geht es nicht um Beischlaf oder heisse Sexgespräche. Es ist das treten einer Kugel in das gegnerische Tor. Homo sapiens sapiens nennt dies „Hetero-Fußball“ 😉 .

    Wenn ich mir sowas wie „Schwuler Audi-TT Club“ vorstelle ….

    Und nun ?
    Fährt der Wagen denn schneller, wenn das hinten an der Heckscheibe steht ? Gibt es ewige TÜV-Freigabe, wenn man den Spruch in Rot oder Grün einfärbt ?
    Die freie Meinungsäußerung und die Behandlung unabhängig der religiösen oder sexuellen Orientierung sollte eigentlich Gang und Gäbe sein. Schließlich fallen wir ja auch nicht Ohnmacht, wenn die Frau an der Käsetheke ein Tatoo am Arm trägt 😉 .

    Der Fußball hat weder was mit Religionen noch Sexspielchen was am Hut. Gäbe es ein Verbot von solchen Sachen, müssten sich natürlich die warmen Brüder daran halten. Doch denen wird ja nichts zur Last gelegt… zumindest nichts nachweisbares. Stattdessen wird der „Umgang“ mit ihnen gemieden, weil sie anscheinend dank religiöser Indoktrinierung automatisch als „nicht berührungswert“ klassifiziert wurden. Ich nehme mal an, sowas gilt in unseren Breitengraden nicht gerade als hervorragende Form der Toleranz, oder ? 😉 .

    Ich kann es gut verstehen, wenn man die Bekanntmachung der „religiösen Freude“ oder der sexuellen Orientierung ziemlich schräg findet. Auch ich finde dies nicht gerade hochoptimal. Aber welche Riesenwellen würden wohl geschlagen werden, wenn ein (atheistischer) Fußballverein das nächste Spiel komplett absagen würde, weil der Glaube der Mitspieler sie irgendwie beeinflusst ? Bischöfe würden in allen Medien protestieren. Man würde ihre Kardinäle aus der Tiefkühltruhe nehmen und auftauen, damit auch sie diesen Mißstand anprangern. Ja, sogar der Papst würde in einer Sondersendung vor dem Petersplatz verkünden, dass der Glaube „kein Hindernis für ein faires Miteinander nach christlichem Vorbild“ sein sollte und das auch Jesus die Abseitsregeln irgendwo in der Bibel erwähnt hatte 😉 .
    So aber ? Muslime vs. Schwule ? Reines Vakuum … leerer Raum ! Kein Echo, kein Zeichen, ja nicht einmal ein Räuspern selbst ist hörbar. Also hat wohl Allah (JHWH/Zeus/Shiwa/Odin/…) alles richtig gemacht und alles geht mit rechten Dingen zu. Amen.

    Doch je weniger Bildung bei jungen Menschen ankommt, desto unfriedlicher und wahnhafter gestaltet sich das alltägliche Zusammenleben in den Städten und Gemeinden.

    Kuro Sawais Zeile sollte man meiner Meinung mit goldenen Lettern an der nächsten Moschee anbringen, zusammen mit dem Artikel über die Absage des Spieles. Entweder werden die Goldlettern geklaut, eingeschmolzen und den Hip-Hop Rappern als neue Kette verkauft, oder es regt eine interessante „interkulturelle Diskussion“ an 😉 .

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  2. Ich finde natürlich auch, dass es unmöglich ist, ein Spiel abzusagen, weil in der gegnerischen Mannschaft Homosexuelle spielen. Und ich hab‘ auch mit Sicherheit nix gegen Schwule, aber gegen manche Eigenheiten, die sie so an den Tag legen.

    Denn:

    Muss man seine sexuelle Orientierung wirklich auch noch im letzten Fussballverein auf die Fahne nähen? Jeder würde den Kopf schütteln, wenn es einen Fussballverein gäbe, der sich „Ich liege gerne unten und lasse mir einen Blasen“ oder die „Lack und Leder Kickerinnen“ nennt. Muss ja nicht sein. Wenn die Homosexuellen ihre sexuelle Orientierung für so normal halten würden, wie sie ist, müssten sie nicht ständig und überall und dauernd jedem auf die Nase binden, dass sie vom andern Ufer sind. Sie wären es und gut is‘.

    Wenn ich mir sowas wie „Schwuler Audi-TT Club“ vorstelle ….

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  3. @tischl
    „Ich stimme dem Artikel voll zu, gebe aber zu bedenken, dass Schwulenfeindlichkeit auch im nicht-muslimischen Fußball bis heute eine lange und unrühmliche Tradition hat.“

    Stimmt zwar, aber in einer aufgeschlossenen, toleranten und auch kritischen Gesellschaft wird daran gearbeitet diese Schwulenfeindlichkeit zu überwinden, zumindest zu akzeptieren und auf keinen Fall handgreiflich gegen Schwule vorzugehen.

    Diese Arbeit wird von Religionen leider nicht erfüllt, im Gegenteil, „Gott will, dass diese Menschen leiden, also helfen wir ihm und vollenden Gottes Werk.“

    Und damit ist Kritik am Islam mehr als angebracht!

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  4. Ich stimme dem Artikel voll zu, gebe aber zu bedenken, dass Schwulenfeindlichkeit auch im nicht-muslimischen Fußball bis heute eine lange und unrühmliche Tradition hat. Leider herrscht diese Abartigkeit in deutschen Fussballstadien problemlos auch ohne „göttliche Wahrheit“. Der Tagespiegel schreibt:

    „…Momentan, so sind sich alle einig, wäre das Coming-out eines Spielers jedoch sein sicheres Karriereende. Denn was derjenige von den eigenen Mannschaftskollegen, vor allem aber von den gegnerischen Fans einstecken müsste, sei noch immer kaum auszumalen…“

    http://www.tagesspiegel.de/sport/Fankultur-Fussball-schwul;art272,2622661

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  5. Ein wahrlich wunderschöner Beitrag zur „Wahrheit“ und der Kopplung dieses Begriffes an unsichtbare und unüberprüfbare Entitäten. Es ist wirklich wahnsinnig. Wird z.Bsp. ein Christ aus einem Restaurant rausgeworfen, weil er eine Bibel unter’m Arm trägt, gibt es Polizeischutz und gesetzliche Rechte für die „Identitätszugehörigkeit“ und das Recht, im Restaurant ohne Vorurteil bedient zu werden. Aber hier dreht man den Spieß einfach um. Hier gehen Geisteranbeter einfach weg, weil ihnen die „Anderen“ nicht richtig, nicht „wahr“ vorkommen. Hier verlässt die Küche das Restaurant. Und dies wird von einigen gar als „richtig“ angesehen und unterstützt… in einem liberalem Land… Traurig aber „wahr“. Toleranz sieht wahrlich anders aus.

    @Wahoonie

    Defamation of religious is a serious affront to human dignity leading to a restriction on the freedom of their adherents and incitement to religious violence.

    Wenn schon magische Elfe, Trolle, Feen, Götter, Geister, Dämonen, Drachen und viele weitere erfundene Fatasiewesen wie noch Einhörner und fliegende Nudelmonster unter „UN-Schutz“ stehen, dann wird es mal Zeit, dass wir Computerspiele, Pornofilme und Bier mit in die Liste reinnehmen. Wer andere aufgrund von sexuellem Interesse, digitaler Freizeitgestaltung oder dem Bedürfnis nach sprudelnden alkoholischen Getränken angreift, der vollzieht eine ernsthafte böse Straftat und beschädigt das Menschenrecht auf freie Besäufnisse, Errektionen und hormonellbedingte Glückszustände dank durchgespielten Levels !

    Ach ? Saufgelagen und Gruppensex werden abgeblockt aber die Einbildung von unsichtbaren Freunden dagegen unter UN-Schutz gestellt ?
    Was kommt als nächstes ? Die Diskriminierung und Beleidigung von „anders orientierten“ Mitmenschen ? Uch … das ist ja schon vielerorts der Fall, insbesondere und erst recht bei den Geisteranbetern !

    Ich habe mir ebenfalls einen Kotzeimer angeschafft. Je länger man solchen Geistermüll ertragen muss, desto schneller füllt er sich.

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  6. Ein wirklich gelungener Beitrag!

    Ich habe einen Traum 😉 :

    Diesen Text würde ich gerne mal von unserem Bundespräsidenten als Weihnachtsansprache (!) hören.

    Da könnten wir sehr viel mehr lernen und uns bessere Ziele für ein gemeinsames Miteinander stecken als aus dem beliebigen Religionsbrei, den uns unser (?) Papst und andere Händefalter vorkauen.

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  7. „So wenig der Schöpfer- Gott und Jesus Christus,
    einen Dialog mit dem Fürsten dieser Welt, Teufel und Satan, suchten und ihn tolerieren auf Erden und bei den von, ihn manipulierten Menschen, so wenig hat ein wahrer Christ und Nachfolger Jesu Christi, die Erlaubnis noch Legitimation Gottes, das wahre Wort Gottes und seine Theologie/ d.h. Gotteslehre zu verfälschen und ANDERS den unwissenden Menschen zu predigen, wie es bis heute von den, von Gott abgefallenen Religionen, Kirchen, Tempeln,Gemeinden und Sekten gepredigt wird“! Gott und sein Christus, ist der erste Lehrer des Menschen von Anfang an: DEN SOLLT IHR HÖREN“! Es heißt bei dem 1.Korintherbrief Kapitel 2,
    „Der natürliche Mensch“,
    welcher ist der von Gott abgefallene und ungeistige
    Mensch und Sünder,
    „vernimmt nichts vom GEIST GOTTES; es ist ihm eine Torhei, und er kann es nicht erkennen; der er muss erst geistlich gerichtet werden und sein“, welches geschieht durch seine Wiedergeburt sagt Jesus Christus. Johannes 3,
    UND wenn der n. u. ung. Mensch nichts vernimmt vom Geist Gottes, so vernimmt er auch nichts von Gott, denn GOTT ist GEIST, ohne Anfang und Ende, ohne Geschlecht,weder weiß noch schwarz, und Körperlos! Autor Peter Semenczuk

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