Katholen: Tanz auf Nadelspitzen


Gluehend (CC-by-nd-nc-2.0 by Gari.baldi)

Kuro SawaiBrights Marburg

Credo, quia absurdum est ((lat., “ich glaube, weil es widervernünftig ist”) lautet ein bekanntes Lebensmotto der Katholen. Historisches Beispiel dafür: die scholastische Frage nach der Zahl der Engel auf einer Nadelspitze. Eben daran fühlt man sich erinnert, wenn man von den neuesten Kapriolen der deutschen katholischen Bischöfe liest.

Wie im Märchen die Prinzessin auf der Erbse taten diese Kanzel-Helden-Redner doch beleidigt, als bei der Evangelen-Konkurrenz ein Papier mit kritischen Worten über sie der Presse zugespielt wurde. Nein, wie unerträglich!

Kritik an katholischen Kirchenfürsten ist bösartig, ein Unding,  ein sicheres Ticket für ewige Verdammnis im Himmel und auf Erden. Wie konnten diese vom einzig wahren Glauben abgefallenen Protestanten Erzbischof Robert Zollitsch so etwas antun?  Führungsschwäche, “irritierende Phänomene”, “handwerkliche Fehler” und “grundlegende Unsicherheiten” gibt es bei bei ihm nie und nimmer.

Man erkennt an dieser Fassungslosigkeit angesichts pieksender Worte, dass diese Herrschaften “Oberhirten” geistig den neuzeitlichen Absolutismus noch nicht abgelegt haben.  Man ist noch nicht reif für die Abgründe der gleichmacherischen Demokratie, hat es nicht nötig, im 21. Jahrhundert vollsubstantiell anzukommen.

Verwunderlich ist dann aber doch, dass sich die hohen Evangelen-Popen diese Schmonzette angedeien ließen. Ein mehrstündiges Spitzen-(Tanz-)Gespräch zwischen lauter herrlichen Bischöfen war nötig,  um diese eklatante “Vertrauenskrise” über Bord zu werfen. Nun ist wieder alles sakrosankt in gut katholischen Gleisen, wie sich’s – rabimmel rabammel rabumm – so gehört.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Regensburger Bischof Gerhard Müller mit seiner bösen Diffamierung (”Aufruf zur Kindstötung”) gegen den Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon vor einem bayrischen Richter erstmal straflos davonkam. Die Begründung lautete, es bestehe “keine Wiederholungsgefahr“.
Das mag man angesichts von Müllers Sündenregister kaum glauben. Eine Revision vor der nächsten Instanz wurde indes schon angekündigt.

Die hetzerischen Ausfälle der diesjährigen Oster-Predigt des Augsburger Bischofs Walter Mixa sind auch noch in unguter Erinnerung. Kein Wunder, dass bei diesem extrem rückständigen, zölibatären Kirchen-Club der Priester-Nachwuchs mittlerweile aus Indien und Drittweltländern importiert werden muss.

Ansonsten müssen die schon jetzt heillos überlasteten Pfarrgemeinden schon bald jede zweite Pfarrei mangels qualifizierten Personals dichtmachen. Gut so. “Leider” ist die katholische Kirche nicht für besondere Intelligenz oder Weltoffenheit bekannt.  Frauen kann man nicht vertrauen und schon gar nicht “weihen”. Sie sind ohnehin alle unrein und die Wurzel allen Übels

Man könnte den Priestern auch die Ehe ermöglichen, monieren innerkirchliche Kritiker und rennen damit gegen jahrhundertealte, dicke Wände aus Ignoranz. Viele Menschen wären dann immerhin nicht so abgeschreckt und einige Kinderschutz-Organisationen hätten weniger zu tun. Aber man weiß jetzt schon, dass eher die sprichwörtliche Hölle einfriert, als dass dieser Gesinnungs-Club der Vorgestrigen sich eines Besseren besinnt.

2 Comments

  1. Obwohl der Artikel über Tage zu den meistgelesenen hier gehörte, kamen keine Kommentare. Das verwundert. Mag das Publikum des Brightsblog Satire nicht? Genaugenommen handelt es isch ja um eine Glosse, in der ich mich über die etepetete-betulichkeit der Bischöfe lustig mache.

    Wer allerdings die langweilige offiziöse Hofberichterstattung auf IDEA vorzieht, bitte:
    http://www.idea.de/nachrichten/detailartikel/artikel/oekumene-konflikt-kirchenleiter-glaetten-wogen.html

    Ein kritisches, harmloses Papier als Majestätsbeleidigung aufzufassen, das lässt aufmerken und ist auch lachhaft.

    Einen Diskussionsthema möchte ich allerdings lancieren: Warum bloß haben die EKD-Oberen derart mitgemacht? Der reine „Wille zur Ökumene“, wie es der epd-Bericht nachelegt, überzeugt mich nicht als Motiv für dieses Verhalten. Harmoniesucht? Wollte Huber kurz vor seinem Abgang keinen Knatsch und die anderen haben mitgemacht? Schulterschluss der Großkirchen, aber wofür?

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