Glauben oder Vernunft, politisch


Die Einen glauben zum Beispiel, Peer Steinbrück sei der beste Finanzminister nach Helmut Schmidt gewesen; die Andern wissen um seine Verstrickung mit der Finanzindustrie und sehen mit Grausen, dass er zusammen mit Angela Merkel unseren Kindern und Enkeln mit Hunderten von Milliarden für die Banken und Versicherungen eine schwere Last aufgebürdet hat.

Die Einen glauben wirklich, der demographische Wandel zwinge zur Förderung der Privatvorsorge; die Anderen wissen, dass Banken und Versicherungen die demographischen Veränderungen missbrauchen, um mit der Angst der Menschen Geschäfte zu machen.

Die Einen glauben, die Schrödersche und Merkelsche Reformpolitik hätte einen Wirtschaftsboom und 2 Millionen neue Arbeitsplätze gebracht; die Andern wissen, dass die neuen Arbeitsplätze im wesentlichen unwürdige Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeitsplätze und Minijobs brachten und der angebliche Aufschwung schon vor der Finanzkrise mangels Binnennachfrage zusammenbrach.

Die Einen glauben eben daran, die Union habe sich von ihrem neoliberalen Leipziger Glaubensbekenntnis entfernt und sei sozialdemokratisiert; die Andern durchschauen das als gelungenen Trick zur Erweiterung des Images und damit auch der Koalitionsoptionen.

Und über das Versagen des so genannten Bildungsbürgertums. „Vielleicht sollten wir doch mehr wissen“, das war sein ermunterndes Resümee. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.

Courtesy of  Urheber: NachDenkSeiten