Kalkulierte Insolvenzen: nun 7 US-Diozösen


Eine Besonderheit der US-Justiz führt zu weltweit Aufsehen erregenden Resultaten. Mitte Oktober flüchtete bereits das siebte (!) römisch-katholische US-Bistum in die Insolvenz. Verursacht wurde dieser Reißaus vor der Verantwortungs-Übernahme durch die hohen drohenden Schadenersatzzahlungen, die für teils Jahrzehnte zurückliegende Fälle sexuellen Kindsmissbrauchs durch katholische Geistliche drohten.

Mit der Diozöse Wilmington, die 230.000 Katholiken in den US-Bundesstaaten Maryland und Delaware betreut, „rettete“ sich bereits das siebte Bistum der USA in die „Zahlungsunfähigkeit“.  Insgesamt waren mehr als 100 Zivilprozessklagen eingereicht worden, nachdem ein neues Gesetz in Delaware für die Dauer von zwei Jahren die Verjährungsfrist bei solchen Straftaten ausgesetzt hatte. Seit sieben Jahren geht es juristisch zur Sache, seit die Päderastie-Fälle bekannt geworden waren, meldete die Agentur AP.

Das Gläubigerschutzverfahren „Chapter 11“ ähnelt nur entfernt der deutschen Insolvenz und bedeutet faktisch einen erwartbaren, viele Jahre währenden Aufschub, bis irgend ein Kläger Wiedergutmachungszahlungen erhalten würde. Anstehende Prozesse werden dadurch auf die sehr lange Bank verschoben. Ziel dieser trickreichen juristischen Konstruktion ist offiziell die „Reorganisation der Unternehmensfinanzen“.

Wie schön, dass nach US-Recht Kirchen als ganz normale Unternehmen behandelt werden. Nicht wahr, das nennt man „Leben in der besten aller Welten“?