Exzellent dank „inter“ und „trans“


Quelle: Bildarchiv Universität Konstanz
Quelle: Bildarchiv Universität Konstanz

Prof. Axel Meyer, Ph.,D., Evolutionsbiologe, Zoologe Universität Konstanz

Die Exzellenzinitiative der Bundesregierung hat einen echten Ruck durch die Behörden gehen lassen, die sich Universitäten nennen. Es ging zwar „nur“ um zwei Milliarden Euro über fünf Jahre, im Vergleich zum Bankenrettungsprogramm wirklich Peanuts, aber es zeigte Wirkung. Plötzlich redeten Kollegen miteinander, die sich vorher nicht einmal vom Namen her kannten, geschweige
denn wussten, woran der andere forscht.

Denn in der Exzellenzinitiative waren vor allem Forschungsverbünde, neudeutsch „graduate schools“ und „excellence cluster“, gefragt, die vorgeben, „inter-“ oder noch besser „transdisziplinär“ zu sein. Nur so hatten die Universitäten Chancen auf neues Geld. International bekannte Forscher allein genügten nicht.

Unsere Graduate School beispielsweise heißt „chemical biology“, was andeutet, dass sich Biologen und Chemiker unterhalten, gemeinsam unterrichten etc. Das wäre gar nicht so bemerkenswert, wenn diese beiden Fachbereiche

in den vergangenen Jahrzehnten nicht so sehr verfeindet gewesen wären, denn einige Professoren der Biologie sind eigentlich Chemiker, und einige Chemiker hätten auch genauso bei uns Biologen berufen werden können. Die Übergänge sind in Teilen beider Disziplinen fließend. Sogar mit Teilen der Physik gibt es durchaus Überschneidungsflächen. Man bräuchte also nicht von „trans“ zu sprechen, tut es aber, weil dies moderner
und gefragter klingt.

An meiner Exzellenz-Uni gibt es aber auch noch einen der wenigen Exzellenzcluster der Geisteswissenschaften.
Der ist sicher „trans“ und wird hoffentlich dazu führen, dass nicht weiterhin mehr als 90 Prozent aller Philosophiestudenten ihr Studium abbrechen und die wenigen Absolventen hinterher doch keinen Job kriegen. Ich habe ganz wissenschaftlich bei Wikipedia nachgeschaut, was denn Transdisziplinarität wirklich ist. Da steht: „Zunehmenderfordern lebensweltliche Probleme transdisziplinäre Forschung, wenn das vorhandene Wissen unsicher ist, wenn umstritten ist, worin die Probleme genau bestehen, und wenn für die direkt oder indirekt Involvierten bzw. Betroffenen viel auf dem Spiel steht. In einer solchen Situation, … besteht die Herausforderung
darin, zunächst die relevanten Probleme zu identifizieren und adäquat in Forschungsfragen zu überführen.“

Ich glaube, das macht die Unterschiede zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften klarer. In den Naturwissenschaften sind die offenen Fragen offensichtlich. In den Geisteswissenschaften müssen die Probleme erst identifiziert werden. Und das erfordert „trans“.