Polizei-Aufstockung in Afghanistan absurd


Wie aktuell bekannt wurde, ist die Nachfrage der Afghanen nach einer Ausbildung zum einheimischen Polizisten vollends zusammengebrochen. Die derzeit hochgehaltenen Pläne der NATO, möglichst schnell fast 70.000 zusätzliche Polizisten zu haben, sind damit Makulatur. Dass die zuständigen EU-Strategen darauf drängen, erheblich mehr Polizei-Ausbilder ins Land zu schicken, erübrigt sich eigentlich als zunehmend absurd.

technokratische Weltsicht (CC-by.2.0 von wahlkampf09)
technokratische Weltsicht (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Fast erinnert es an die starre Haltung des Vatikan oder der Steinmeyer-spd wie die multinationalen Militär-Bürokraten an längst nicht mehr haltbaren  Positionen festhalten. Von Neubewertung angesichts geänderter Tatsachen vor Ort – wie es in der Wissenschaft üblich ist – hört man seitens der NATO jedenfalls nur in großen zeitlichen Abständen.

Florian Rötzer auf Telepolis vom 24. Oktober 09 beschreibt ein auf der ganzen Linie bestürzendes Bild der dortigen Verhältnisse. Die meisten Männer dort meldeten sich, weil sie schlicht für sich und ihre Familien nichts zu essen haben, zitiert er General Khudadad Agha, der für die Ausbildung zuständig ist. Und die Details sprechen für sich:

„Innerhalb eines Jahres gibt ein Drittel der Ausgebildeten, die gerade einmal ein paar Wochen Training erhalten, wieder den Polizeidienst auf. Die Bezahlung ist mit 120 US-Dollar im Monat mies für den Job, bei dem man jeder zum Ziel eines Angriffs der Taliban und getötet werden kann. Als Polizist ist man gefährdeter denn als Soldat, leichter bewaffnet und ohne den Schutz der Nato-Truppen. Letztes Jahr wurden 1.290 Polizisten getötet und 2.400 verletzt. Manche gehen auch zu den Taliban über, wo sie mehr Geld erhalten.“

Ein hervorragender, ausführlicher Artikel des Spiegelfechters vom 21. Okt. 2009 gibt die ganze Problematik dieses militärisch-politischen „Abenteuer“-Desasters wieder. Afghanistan ist in vieler Hinsicht ein Land, auf das unsere westlichen Zielsetzungen und Denkschablonen nirgendwo passen, entnehme ich dem. Für was führen „WIR“ dort  Krieg? Keines der offiziellen Ziele scheint erreichbar.

2 Comments

  1. Ich denke schon, dass ein Aufbau der Afghanischen Polizei möglich ist. Das Problem sind die westeuropäischen „Verwaltungsentscheider“ die an ihrem Genehmigungs und Beantragungschema festhalten und somit jedem Beamten „im Feld“ die Möglichkeit nehmen, EFFEKTIV zu arbeiten und die glauben, dass der Afghane vollstes Vertsändnis dafür hat, dass die Bürostuhlbeschaffung für sein Office locker 1 Jahr dauern kann. So lange irgendwelche westlichen Beschaffungs und Verwaltungsnormen in Afghanisten angewendet werden, wird kein Erfolg eintreten. Der Westen muß den Hunger nehmen und den Menschen dort etwas mehr Wohlstand bieten. Dann haben wir keine/weniger Überläufer und die Arbeit der Polizei wird mehr akzeptiert. So lange aber z.B. im FDD die Beamten für ein paar Stühle, die sie irgendeinen Malik zugesagt haben,regelrecht kämpfen müssen, wird das nichts.
    Die Bevölkerung muß eine unmittelbare Verbesserung ihres Umfeldes feststellen um sie zu überzeugen. Die Bevölkerung ist der Schlüssel zum Erfolg. Lange Verwaltungswege sind unser Schlüssel zum Scheitern. Pragmatismus ist angesagt.

    Wenn entsprechend genug gesicherte KFZ für mehr Polizisten zur Verfügung stehen würden, jeder Beamte ein Funkgerät erhälten würde und eine vereinfachte Hierarchie in der Beschaffungsstruktur erfolgen würde, wäre eine Aufstockung der deutschen Polizisten sicher nicht absurd. Es muß sozusagen ein „Handlager“ bestehen, aus dem sich entsprechend beauftragte Beamte ohne lange Verwaltungswege bedienen können, um Aufbau-Aufgaben zielgerichtet und ZEITNAH erledingen zu können. Das wird sich über kurz oder lang herumsprechen und garantiert ein hohes Maß an Ansehen in der Bevölkerung. Nach dem Motto….nicht labern sondern klotzen….

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    1. Jeder kann das so sehen, wie er möchte. Die Tatsachen vor Ort sprechen allerdings dagegen, dass das bislang zugrundeliegende Konzept Erfolgsaussichten hat. Die Details stehen im Artikel bzw. in den verlinkten Texten.

      Empfehlenswert ist auch das im September 2009 erschienene Buch von Heike Groos: Ein schöner Tag zum Sterben – Als Bundeswehrärztin in Afghanistan. Gebundene Ausgabe, 272 Seiten ISBN 978-3-8105-0877-5

      Probleme mit der Bürokratie sind immer unschön und lästig. Aber das sind eher „importierte“ Probleme der westlichen Ausländer. Damit gehen Sie am kern der Sache vorbei. Es braucht keine Ausbilder, wo es keinen Staat in unserem Sinne und keine Ausbildungsbewerber (mehr) gibt.

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