EKD mit Käßmann auf neuem Kurs?


Die rund ein Drittel der Deutschen zu ihren Beitragszahlern zählende Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) hat eine neue Galionsfigur. Als Nachfolgerin des drögen Kirchen-Chefs Wolfgang Huber mit seinem Drall nach Rechts tritt nun mit Margot Käßmann eine 51-jährige Frau mit wirklicher Ausstrahlung an. Sie gilt als experimentierfreudig, nachdenklich und medienpräsent. 

Wo gibt es das schon, dass bei der Besetzung eines Wahl-Spitzenamtes ein Neumitglied im Bundes-Vorstand flügelübergreifend, unumstritten zur Chefin gekürt wird? Hier sind wir Zeugen von etwas Seltenem. In den deutschen Funktions-Eliten gelangen nur ganz selten charismatische Persönlichkeiten ganz nach oben.

Halb im Schatten (CC-by-sa-nc von Kuro Sawai)
Halb im Schatten (CC-by-sa-nc von Kuro Sawai)

Wie man die gebürtige Marburgerin und neue Hoffnungsträgerin der Evangelen beurteilen wird, hängt davon ab, wieviel Offenheit und Neue Wege von ihr tatsächlich durchgesetzt werden können. Das hat sie mit dem US-Präsidenten Obama gemeinsam. Der ist noch kein Jahr im Amt und hat schon einen Absturz in seinen Popularitätswerten erlitten. Seinen Reden und Ankündigungen folgten zuwenig spürbare Taten.

Margot Käßmann hat ebenfalls sehr anspruchsvolle Leitwerte und Ziele für sich vorgestellt. Besonders in der Bildungs- und der Sozialpolitik wolle sie neue Akzente setzen.

Das klingt deutlich besser als bei ihrem Vorgänger Huber. Dieser hatte z.B. mit Schirmherrschaft beim Christival-Festival in Bremen und vorbehaltloser Unterstützung exzessiver Mission ständig den Schulterschluss zum Evangelikalen Flügel der EKD ins Zentrum gestellt. Zu Hartz4 oder Bildungssystem hörte ich von ihm nie ein ernsthaft kritisches Wort.

Die Ernennung eines deutschen Neocons zum neuen Präsidenten der Evangelischen Akademie in Berlin geht auf sein Konto. Die Rede ist von Paul Nolte, im Hauptberuf  seit 2005 Professor für Zeitgeschichte an der FU Berlin. Er hat einen gewissen Ruf als Rhetoriker und Essay-Schreiber, weswegen ihm von manchen PR-„Journalisten“ penetrant das Attribut „brilliant“ angeheftet wird.

Claudia Keller nannte Nolte in ihrem Tagesspiegel-Kommentar telegen und provokativ, aber Hauptsache nicht Langweiler. Er wolle „Religion  „gesellschaftsfähig“ machen“ und „die „Peinlichkeitsschwelle“ senken“. Seine These „Abschied von der Gerechtigkeit“ bringe ihm auch in der Kirche nicht nur Sympathien ein. Der gleichnamige Essay, titelgebend für einen programmatischen Neocon-Sammelband, erschien auch in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 20.12.2008.

Margot Käßmann auf Wikipedia-Stat (CC-by-sa/2.0 von Kuro Sawai)
Margot Käßmann auf Wikipedia-Stat (CC-by-nc/2.0 von Kuro Sawai)

Einerseits hat die EKD (ebenso wie die katholische Konkurrenz) seit langem zurückgehende Mitgliederzahlen und Finanzmittel zu verkraften, sagte die bisherige Hannoversche Landesbischöfin nach ihrer Wahl bei der Synodentagung in Ulm. Aber das sei doch eine schöne Herausforderung, dagegen anzugehen. „Wir müssen im Menschen die Sehnsucht nach Glauben wecken,“ proklamierte sie.

Die neue Ratsvorsitzende kündigte an, den Kampf für soziale Gerechtigkeit zu einer Schwerpunktaufgabe zu machen. Hoffentlich hängt sie es nicht ausschließlich an der Kinderarmut auf. Denn Kinder sind immer nur so arm dran wie ihre Eltern, die die Häme der dünkelhaften Hetzer vom Schlage eines Thilo Sarrazin ebenfalls nicht verdienen.

Wer Kinderarmut besiegen will, muss Ganztags-Betreuungsangebote und Mindestlohn durch Wort und Tat voranbringen. Die europäischen Nachbarn sind Deutschland darin längst voraus.

Allzuoft wird hervorgehoben, dass sie die erste Frau auf diesem Posten ist. Margaret Thatcher sowie Birgit Breuel sollte man als warnende Beispiele vor Augen haben, dass „Frausein“ keine Qualifikation für Persönlickeit und Gutartigkeit bedeutet. Interessant ist eher, dass Käßmann sich selber als Frauenrechtlerin versteht. Vielleicht bessert sich unter ihrer Führung ja die untertarifliche Entlohnung der kirchlichen Angestellten, darunter so vieler Frauen.

Aus Sicht des säkularen, nichtreligiösen Drittels der Deutschen wird die EKD mit ihrer neuen „Spielmacherin“ ein interessanterer Liga-Verein.

2 Comments

  1. Ecrasez l’infame!

    An Weihnachten schwatzen all diese Deppen und haben keine Ahnung!

    Dabei sind es exakt diese religiösen Schweine, die alles versaut haben: die die protestantische Ethik erfunden haben, die die Technokratie erfunden haben, die kleine Jungs missbrauchen, die Tiere quälen, die Menschen versklaven und verarschen (systematisch untermauert mit Theologie), etc.

    Wie ich diese Trottel mit einem IQ unter 300 hasse!

    Gibt es eigentlich keinen einzigen intelligenten Menschen auf dieser Welt voller verarschender korrupter Primaten („liebt einander“)!??

    Liken

    1. @Gero
      Ich mag Satiren, aber Ihre Form ist mir zu brachial, Säbel statt Florett. Ich bin ein lebensfroher „Ungläubiger“. Trotzdem gehe ich religiöse Menschen nicht ad hominem an, nur weil sie anders sind. Nur wenn sie als selbsternannte Missionare und „Wahrheits“-Spinner übergriffiges Verhalten zeigen, wehre ich mich entsprechend dagegen. Schließlich ist Religion Privatsache, und auf dieser Basis kann man gut miteinender auskommen und zusammen leben.

      Liken

Kommentare sind geschlossen.