Dodo des Monats Oktober 2009


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Dodo des Monats Oktober 2009

LogoUniMagdeburgOtto von Guericke würde sich wahrscheinlich schämen. Immerhin begründete er die Vakuumtechnik. Er untersuchte die Eigenschaften des (Teil)Vakuums in einer Vielzahl von Experimenten, so konnte er beweisen, dass das Licht in der Lage ist Vakuum zu durchdringen, der Schall aber nicht. Bauherr, Politiker und Wissenschaftler in einer sehr turbulenten Zeit. Deutschland wurde vom 30-jährigen Krieg heimgesucht, die Katholen und Protestanten schlugen sich die Köpfe ein, für ihre Pfaffen und Fürsten.

Von Guericke ließ wissenschaftlich nur gelten, was er beweisen konnte. Damit war er unserer heutigen Zeit weit voraus.  Bald können an der Universität Magdeburg Ärzte und Apotheker einen Masterstudiengang für Homöopathie an der Bildungseinrichtung absolvieren.  Angesichts des wissenschaftlichen Blödsinns, der mit der Homöopathie in Verbindung gebracht werden kann, fällt es schwer, das Wort Universität zu schreiben. Echte Wissenschaft macht einen großen Bogen um Homöopathie, der einzige Beweis, den man bislang führen konnte ist der Fakt, das kleine Zuckerkügelchen, aber nicht nur diese, als Placebo wirken,völlig losgelöst von ihren Wirkstoffen.  Homöopathen beweisen nichts, geschüttelt, gerührt, extrem verdünnt, erklären sie dem durchaus gläubigen Patientenvolk, das Exkremente, Mineralien, Öle, Säuren, Basen, vielfältige organische Produkte, in entsprechende Potenzen gebracht, die Krankheit austreiben. Konkreten Fakten begegnen sie mit obskurantischen Begriffen und Wechselwirkungen.

Der weiße Kittel des homöopathisch tätigen Arztes bewirkt mehr als Hundekot D6 verdünnt. Verwandelt sich nun dieser Arzt in einen alltäglichen Zeitgenossen, bekleidet mit Jeans und T-Shirt, ist der ganze Effekt dahin. Hilft all das nicht mehr Unwirksames wirksam zu erklären werden quantenmechanische  Eigenschaften, Teilchen hinzugezogen. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem man dem ungeduldigen, glaubenswilligen Patienten erklären wird, dass er ein kleines „black hole“ von extremer Dichte im Kopf hat, der Nachweis deshalb so schwer sei, weil dieses schwarze Loch sich in einem von 500 Milliarden möglichen Universen befinden würde, aber quantenmechanisch mit dem Kopf des Patienten verschränkt sei. Stringtheoretische Hilfeschreie aus anderen Universen sind ebenso denkbar.

Dem Patienten kommt es nicht in den Kopf zu fragen, wieso europäische Staaten einen Teilchenbeschleuniger produzieren, gigantischen Ausmaßes, mit einem extremen Stromverbrauch, um kernsphysikalische Teilchen zu erzeugen, die nach Auffassung der homöopathischen Schamanen und Wunderheiler frisch, frei und fröhlich durch das Universum und alle darin befindlichen Körper tunneln, schwingen, strahlen oder einfach fliegen.

Wie dem auch sei, in Magdeburg können erfahrene homöopathische Praktiker, die sich Gedanken machen über die geistigen, philosophischen und wissenschaftlichen Hintergründe der Homöopathie für einen Masterstudienlehrgang bewerben.

Prof. Weiß, Pro-Rektor der Magdeburger Bildungseinrichtung:

Integrated Practice in Homeopathy (M.A.)

Unter dieser Überschrift haben der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und die Otto von Guericke-Universität Magdeburg in einem fruchtbaren Dialog einen Masterstudiengang speziell für homöopathische Ärztinnen und Ärzte entwickelt. Der Start ist für das Wintersemester 2010/2011 geplant.

Das Konzept, dem der Senat der Universität bereits zugestimmt hat, sieht die Einrichtung eines zweijährigen Studienganges vor, der (nach erfolgreicher Approbation) von Ärzten, Zahn – und Tierärzten und Apothekern berufsbegleitend belegt werden kann.

Ein wesentlicher Teil ist eine systematische und profunde Ausbildung in Theorie und Praxis der homöopathischen Heilmethode. Auf diesen Teil des Studiums können bereits absolvierte Fort- und Weiterbildungen in Homöopathie in Teilen angerechnet werden.

Angesichts solcher, jede wissenschaftliche Plattform verlassende, Argumentation bleibt die Frage nach den Motiven solch universitären Schamanentums. Die Frage ist einfach zu beantworten, es geht ums Geld. Es geht darum für die Einrichtung finanzielle Mittel einzuloben und am homöopathischen Geldsegen mit zu verdienen. Wissenschaft die sich so andient hat etwas von einer Hure an sich.

Ich vermisse den Aufschrei all jener an der Universität Magdeburg, die angesichts des akademischen Schamanentums um die eigene wissenschaftliche Reputation fürchten.

Herzlichen Glückwunsch zu Dodo des Monats Oktober 2009.

4 Comments

  1. Auch wenn sie sicherlich nicht explizit über einen Lehrstuhl in einer entsprechenden neuen Fachrichtung verfügen. Es gibt an allen Universitäten eine Menge Esotheriker die ihren Studenten entsprechendes Gedankengut vermitteln. Hier nur ein Beispiel:

    http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/

    Es ist traurig aber wahr. Ich warte nur noch auf einen Lehrstuhl für Chemtrails, Illuminati, Kristallschädel, freie Energie und was diese Spezialisten sonst noch so in Peto haben.

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  2. In Deutschland gab es mal – von 1976 bis 1979 – einen Bundespräsidenten namens Karl Carstens, der später (1982) die „Karl und Veronica Carstens Stiftung“, mit dem Ziel der Förderung von Wissenschaft und Forschung der Naturheilkunde und Homöopathie, begründete. Veronica Carstens war sogar Fachärztin für Innere Medizin.

    Dies ein nachdenklich stimmender Hinweis darauf, dass wir offenbar noch lange darauf warten müssen, bis die Menschheit endlich im 21. Jahrhundert ankommt. Dass es so lange dauert, ist nicht weiter verwunderlich, denn da die Pseudowissenschaft Homöopathie auch heutzutage noch bis in höchste Kreise der Politik Befürworter findet, könnten noch zwei oder gar drei Jahrhunderte vergehen, bis der gesunde Menschenverstand endlich einen Erkenntnisstand erreicht hat, der es ermöglicht, den homöopathischen Schwindel zu entlarven !

    Dass einzig Tröstliche in diesem Fall ist: Die Ehe der Carstens blieb kinderlos !

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