Quelle Kundendaten im Ausverkauf


Acht Millionen Datensätze von Quelle-Kunden werden meistbietend verscherbelt. Da es sich um Haushalte handelt, betrifft es weit mehr als jeden zehnten Deutschen. Wer das für harmlos hält, dürfte zu den Uninformierten gehören. Für nutzlose Daten zahlen z.B. dubiose Call Center nicht im Tausenderpack an sogenannte Adressbroker zwischen 300 und 900 Euro für aktuelle Adressen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Alarm geschlagen. Die Daten-Ramsch-Aktion bei Quelle sei nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt. „Der Insolvenzverwalter muss dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden“, sagte Vorstand Gerd Billen.

Sicherheitshalber sollten Betroffene aktiv der Datenweitergabe widersprechen. Dafür kann man ein Musterschreiben Löschung personenbezogener Daten Quelle als PDF dort herunterladen.

Ob aber die kündigungsbetroffenen Mitarbeiter eines Unternehmens in Abwicklung wirklich gesetzeskonform und vor allem zeitnah genug solche Kunden-Anliegen bearbeiten, das steht mal wieder – „im Himmelsblau der Gutgläubigkeit“ von deutschen Rechts-Untertanen – auf bloßer Hoffnung begründet.

kafkaesker Gesetzes-Lücken-Irrsinn (CC-by-nc-nd/2.0 by gari.baldi)
kafkaesker Gesetzes-Lücken-Irrsinn (CC-by-nc-nd/2.0 by gari.baldi)

Das Statement des vzbv  ist zudem mehr als umstritten. Der Insolvenzverwalter sieht das ganz anders. Aus handels-steuerrechtlichen Gründen sei es gar nicht zulässig, die Kundendaten zu löschen.

Er beruft sich darauf, dass im Gesetz nicht  abschließend geklärt sei, ob das Listenprivileg im Konkursfall gelte oder nicht.

Das Listenprivileg (§ 28 Abs. 3 S. 2 BDSG) ist eine auf Druck starker Lobby-Gruppen installierte Sonderregelung des deutschen Datenschutzgesetzes. Sie erlaubt es, Kundendaten zu Werbezwecken weiterzugeben – und zwar auch ohne die Zustimmung der Betroffenen, sofern diese der Weitergabe nicht aktiv ausdrücklich widersprechen.

Außerhalb der Datenschützer-Szene ist der Zoff um die Novellierung des Bundes-Datenschutzgesetzes (BDSchG) bereits im journalistischen Erinnerungs-Nirwana gelandet. Dabei war erst im Frühsommer 2009 in der „GroßKoali“ teils erbittert über die Rückgabe der Datenhoheit an die Bürger gestritten worden.

Sowohl der so genannte „Datenschutzgipfel“ von Bund und Ländern im September 2008 als auch der Gesetzentwurf sahen zunächst die Abschaffung des Listenprivilegs vor. Nach massiven Interventionen der „Wirtschaftslobby“ wurde diese sinnvolle Bürgerrechts-Gestaltung billig beerdigt. Heraus kam letzten Endes – wie so oft bei Ex-Justiz-Bürovorsteherin Zypries – eine Art Placebo-Gesetz.

Derzeit sind „Einwilligungserklärungen“ häufig im Kleingedruckten gut versteckt oder so abgefasst, dass Verbraucher sie manuell streichen müssten. Das ist vielen unbekannt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte dazu urteilsbegründet, dass diese auf Verbraucher-Täuschung angelegten Formen von Einwilligungserklärung gegenwärtig gesetzlich gedeckt seien. Auch diese missbrauchsgefällige Praxis blieb auf lobbykratischen Druck hin erhalten.

Bislang ist die deutsche Datenschutz-Gesetzgebung überwiegend so sanktionsarm und damit folgenlos angelegt, dass sie eher einer Bürger-Täuschung ähnelt. Der vzbv fordert sinnvollerweise, dass datenschutzrechtliche Verstöße seitens Unternehmen so bestraft werden müssten, dass davon tatsächlich Abschreckung ausgeht.

Daher müssten Sammelklagerechte der Verbraucherorganisationen ermöglicht werden. „Wir können es nicht den einzelnen Verbrauchern überlassen, durch Individualklagen sicherzustellen, dass der Datenschutz in Deutschland eingehalten wird“, sagte vzbv-Chef Gerd Billen in einer Presseerklärung vom Mai 2009 genau auf den Punkt.

4 Comments

  1. Hallo Kuro Sawai,

    wieso werden meine Kommentare nicht auf Eurer Seite angezeigt ?? Ich verstehe das nicht so ganz !

    Gruß Nikhita

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    1. wieso werden meine Kommentare nicht auf Eurer Seite angezeigt ??

      Auf diesem Blog werden Kommentare erst nach Sichtung manuell freigeschaltet – oder auch nicht.
      Spam sowie anderer Missbrauch (Nazismen; Propaganda; bloße Beschimpfungen) werden damit ausgefiltert.
      Außerdem brauchte es daher bislang kein Captcha hier.

      –Kuro

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  2. Quelle wiegelt ab – und will Datenschutz einhalten

    Am Dienstag 03.11.09 hatte die Nachricht für Wirbel gesorgt, Quelle könnte Kundendaten verkaufen. Der Insolvenzverwalter bestätigte Gespräche mit Investoren, was genau mit den Kundendaten geschehe, ließ er aber offen. Der Datenschutzbeauftragte sei in die Gespräche eingebunden, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, dem Bayerischen Rundfunk.
    Laut Verbraucherzentrale Bayern sei eine E-Mail ausreichend. es muss kein Brief sein.
    Sollten Kunden dennoch irgendwann Werbung eines ehemaligen Arcandor- Unternehmens bekommen, so sollten diese sich direkt an die entsprechende Firma wenden und die Verbraucherzentrale informieren ( wie großzügig!!)

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  3. Quelle wiegelt ab und will Datenschutz einhalten

    Am Dienstag dem 3.11.09 hatte die Nachricht für Wirbel gesorgt, Quelle könnte Kundendaten verkaufen. Der Insolvenzverwalter bestätigte Gespräche mit Investoren, was genau mit den Kundendaten geschehe, ließ er aber offen.
    Wer nicht möchte, dass seine Kundendaten verkauft werden, kann der Weitergabe in einer formlosen E-Mail widersprechen.
    Die Adresse: datenschutz@quelle.de
    Der Datenschutzbeauftragte sei in die Gespräche eingebunden, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, dem Bayerischen Rundfunk.

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