Coca-Cola religiös


Hochland in Mexico (Bild: AP Archiv)

Hühneropfer und Coca-Cola in der Kirche

Im mexikanischen San Juan Chamula vermischen verschiedenste Traditionen auf eigensinnige Art

Von Sven TönigesDeutschlandfunk

Vor bald 500 Jahren eroberten die spanischen Konquistadoren das Hochland von Chiapas im Süden Mexikos. Im Dörfchen San Juan Chamula trotzten die indigenen Bewohner Krone und Kirche nach Kräften – und kochen bis heute selbstbewusst ihr eigenes Süppchen aus Tradition und Fremdem.

Das Huhn ist tot, gerade wurde ihm der Hals umgedreht. Jetzt gilt es, Coca-Cola auf das tote Tier zu träufeln. Mit gleicher Sorgfalt sprenkelt die indianische Priesterin die braune Brause auch auf die bunten Kerzen, die sie präzise auf dem Kirchenboden aufgereiht hat. Monoton murmelt sie ihr Gebet, wiederholt unablässig Formeln, die das Kirchenschiff erfüllen wie der harzige Duft, der überall ausgelegten Pinienzweige.

Das gleiche Bild auch ein paar Meter weiter, vorne am Altar. Das nächste Huhn, das gegen sein Schicksal angackert und anflattert und doch das gerade angestimmte Gebet der Priesterin nicht überleben wird.

Jesus Christus, droben am Kreuz, muss das Schauspiel gewähren lassen. Dutzende Hühner finden hier täglich ihr Ende, hier unter den Augen Jesus‘, doch ohne dass er ihnen helfen könnte. Denn schon lange ist er nicht mehr Herr in diesem sonderbaren Gotteshaus, der Kirche von San Juan Chamula im Hochland von Chiapas, Mexikos südwestlichstem Bundesstaat.

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4 Comments

  1. nun coca cola eröffnet einige Anwendungen, der Sirup, an und für sich hoch korrosiv wird gerne zur Motorenreinigung genommen, und in der küche fügt die brause dem Braten, so denn man selbige in die Würze tut einen karamelligen Geschmack hinzu. Die funktioniert natürlich nur mit der Standartcola.

    EIn Huhn mit Cola zu würzen, um eine etwas süßliche Kruste zu bekommen ist nicht sooo abwegig. Allerdings bezweifle ich das die Opfer hühner noch gefuttert werden.

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  2. Die Vermischung des christlichen mit anderen Kulten ist in den indigen geprägten Dörfern Mexikos tatsächlich sehr verbreitet. Die Kirchen sind sehr speziell eingerichtet, die Rituale sind völlig anders, es Dominieren die Heiligen: Ein sehr polytheistisches, „heidnisches“ Christentum wird gelebt. Coca-Cola wird in diesem Zusammenhang häufig für (aus der eigenen Tradition stammenden) Reinigungsritualen eingesetzt.

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