Die Gottesidee


Der Biologe Prof. Siegfried Scherer ist überzeugt: "Gott kann man weder naturwissenschaftlich beweisen noch widerlegen." Quelle: privat

Happy birthday, Evolutionstheorie – Interview mit einem Kritiker

„pro“-Medienmagazin

pro: Hat Darwin Gott ermordet?

Scherer: Charles Darwin hat sich als junger Mann zum christlichen Glauben bekannt. Zweifel an der Wahrheit des Christentums wurden unter anderem durch Diskussionen mit atheistischen Intellektuellen sowie durch Missstände in der anglikanischen Kirche geweckt. Als seine Lieblingstochter Annie im Alter von 10 Jahren an einer schweren Krankheit starb, war dies wohl der letzte Nagel in den Sarg seines Glaubens an einen gütigen und gerechten Gott. Soweit man das wissen kann, starb Darwin als Agnostiker.

Darwin war ein genialer Wissenschaftler

pro: Hatte Charles Darwin auch aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit Zweifel am Schöpfungsglauben?

Darwin war ein genialer Wissenschaftler. Auf seiner Weltreise hat er biologische, paläontologische und geologische Befunde gesammelt, die eindeutig für die Entstehung von Arten durch Naturprozesse sprachen. Bis dahin galten Arten als geschaffen und unveränderlich. Diese Erkenntnisse weckten Zweifel an Darwins Glauben an einen Schöpfer. Der schöpfungsgläubige Biologe Carl von Linné hat übrigens 100 Jahre vor Darwin ebenfalls klar erkannt, dass Arten nicht konstant sind. Im Gegensatz zu Darwin sah er darin keinen Widerspruch zur Bibel. So unterschiedlich war für zwei der größten Biologen die Bedeutung biologischer Daten für den Glauben.
Darwin hatte darüber hinaus Probleme mit dem „Bösen“ in der Natur, zum Beispiel mit ausgefeilten Tötungsmechanismen vieler räuberischer Lebewesen. Diese Konstruktionen konnte er nicht mit einem guten Schöpfer in Einklang bringen. Ich kann das gut verstehen. Allerdings weiß der christliche Glaube um die Erlösungsbedürftigkeit der ganzen Schöpfung.

Hat Darwin selbst Zweifel an seiner eigenen Theorie bekundet?

Ja. Als guter Wissenschaftler war er durchaus selbstkritisch und wusste, wo Schwächen seiner Theorie lagen. Beispielsweise sah er große Probleme darin, die Evolution des Auges zu erklären. Augen sind phänomenale Konstruktionen. Darwin war der Überzeugung, dass künftige Forschung solche offenen Fragen lösen würde. Trotz gegenteiliger Behauptungen mancher Evolutionsbiologen wissen wir allerdings bis heute nicht, wie ein Auge durch einen Naturprozess ins Dasein kommen kann.

150 Jahre danach: Zu wie viel Prozent halten Sie die Evolutionstheorie für untermauert?

„Die Evolutionstheorie“ gibt es so nicht. Es gibt Teiltheorien, die unterschiedlich gut begründet sind. Darwins Selektionstheorie kann man heute auch mathematisch fassen, Mikroevolution (also Bildung von Arten und Gattungen) ist sehr gut belegt, und viele biologische und paläontologische Daten lassen sich durch einen postulierten Makroevolutionsprozess deuten. Wenn die meisten meiner Kollegen Evolution für wahr halten, dann haben sie dafür schon Gründe. Andererseits sehe ich zum Beispiel hinsichtlich des Ursprungs der ersten Zelle sowie der Entstehung der biologischen Information, die komplexen biologischen Strukturen zugrunde liegt – das Auge ist eines von vielen Beispielen –, bedeutende ungelöste Probleme. Das sind meines Erachtens keine Randfragen.

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5 Comments

  1. Den gemeinsamen Weg kann man gehen, wenn Glaube wirklich Privatsache geworden ist.
    Also ohne Dokumentationen der Glaubens-Institution, ohne Missionieren, ohne irgendwelche Indoktrination, ohne frühkindlcihe Infiltration durch die Glaubensträger…

    dann ja.
    Dann wird es eine Vielfalt von Glaubensrichtungen geben können, wesentlich vielfältiger als heute.
    Aber ohne einen Anspruch auf Sonderrechte oder Eingriffszugeständnisse.

    Wenn wirklich klar ist, daß Bildung und Wissen für die Verständnisgrundlagen zuständig sind, und der persönliche Glaube nur noch fürs private Gefühl…

    dann ja. Kann ich mir vorstellen.
    Dann wird das auch wesentlich toleranter sein, und keine Glaubensrichtung kann von sich behaupten, die wahre zu sein…

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  2. Die Ansammlung von alten kreationistischen Nebelkerzen in dem Artikel wird durch Wiederholung nicht wahrer.

    Ein gutes Beispiel dafür, wie sich Religion der Naturwissenschaft, aber wie es scheint auch manchem Wissenschaftlerhirn gegenüber, korrosiv verhalten kann.

    Ich rate dem Kollegen zur Lektüre und diszipliniertem Nachdenken.

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  3. @christliche singlebörse
    „Es ist schade das man da keinen Gemeinsamen Weg gehen kann.“

    Wie soll der aussehen?

    Soll ich mir die Ohren zuhalten, die Augen schließen und laut singen, nur um die wissenschaftliche Realität nicht wahrnehmen zu müssen?

    Soll ich so lange beten bis ich endlich erfolgreich aufhören kann zu denken?

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  4. Da stimme ich YeRainbow zu. Die Wissenschaft hinterfragt wirklich alles und ist mit keiner Antwort zufrieden. Jedoch hat die Wissenschaft vielles erreicht. Es ist schade das man da keinen Gemeinsamen Weg gehen kann.

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  5. Ja, das hat Wissenschaft so an sich, daß es den letztendlichen „Beweis“ nicht gibt, sondern immer nur neue Fragen, neue Zweifel und neue Erkenntnisse…

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