Die Verdunstung katholischer Werte


Die hasserfüllten Augen des Herrn Mixa, Quelle:HFR.

Von Matthias Drobinskisueddeutsche.de

Verheiratete Männer ins Priesteramt: Mit dieser Idee legt ZdK-Präsident Alois Glück einmal mehr den Finger in eine tiefe Wunde. Bischof Mixa reagiert diesmal jedoch besonders empört.

Es war ein Satz nur in einem Interview, der Alois Glück ersten Ärger in seiner Funktion als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) einbrachte. Er könne sich vorstellen, sagte er, dass sogenannte Viri Probati, also bewährte, verheiratete Männer, zum Priester geweiht werden.

Die Idee ist tausendmal vorgebracht und ebenso oft von den Kirchengewaltigen verworfen worden; diesmal aber reagierte der Augsburger Bischof Walter Mixa besonders gereizt. „Angesichts eines zunehmend aggressiven Atheismus und der Verdunstung menschlicher Werte in unserer Gesellschaft“ solle Glück andere Sorgen haben, „als eine Debatte über den Zölibat vom Zaun zu brechen,“ schimpfte er.

Dabei hat Glück genau da getroffen, wo es wehtut. Zum ersten Advent, ausgerechnet in dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Priesterjahr muss die katholische Kirche eingestehen, dass es noch nie so wenig Priesteramtskandidaten gab wie jetzt, dass noch nie so wenig Eintritte ins Seminar zu verzeichnen waren.

842 Seminaristen gibt es derzeit in Deutschland; vor zehn Jahren waren es 1122, das ist ein Rückgang um etwa 25 Prozent. 2008 ließen sich fast 100 Männer zum katholischen Priester weihen, 1998 waren es noch 171 gewesen – ein Minus von mehr als 40 Prozent.

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Danke für den Tipp, yeRainbow.

 

8 Comments

  1. Es ist so: Als Diakon dürfen sie heiraten. Danach werden sie zum Priester geweiht, egal ob verheiratet oder ledig. In der kath. Kirche (mit Ausnahmen) nur wenn sie ledig sind, verheiratete Diakone werden dort nicht Priester. Nach der Priesterweihe darf weder bei kath. noch orth. Kirche geheiratet werden, insbesondere wenn die Priester verwitwern. Du siehst also: Die orthodoxen sind nicht viel weniger sexuell repressiv als die katholischen. Vor allem dadurch, dass nur unverheiratete Priester Bischöfe werden können, sichern sie sich eine gewaltneurotische Führungsschicht, die jeden gesellschaftlichen Fortschritt verhindert. Damit die konterrevolutionäre Sexualaskese in der Kirchenführung zumindest gedämpft wird, hat die Sowjetunion unverheirateten Diakonen die Priesterweihe verboten. Aber hinterhältig wie sie sind, haben sie trotzdem behauptet kirchenrechtlich unverheiratet zu sein, weil sie nicht gefickt hätten. Ich glaube, das stimmt, denn von ihnen ging ja nicht wenig gedankliche Gewalt gegen die friedliebende Sowjetunion aus. Das kann nur sein, wenn man sexualasketisch seine Selbstentdinglichung unterbindet.

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  2. Da sind meine Informationen anders. soweit ich weiß, dürfen sie nicht erst nach der Priesterweihe heiraten.

    Ich war in der Nähe von Kiev in einem Kloster, leider namen vergessen, ganz berühmt. Mit Katakomben und angeblich dem letzten überlebenden Kind von herodes´ rundumschlag und allem pi-pa-po.

    Dort wurde erklärt, daß die Priester dort alle verheiratet sind – nur dürfen die Frauen nicht in bestimmte Bereiche.
    Nur zum Saubermachen, schätze ich mal. Und das zählt ja nicht….

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  3. Oh, auf dem Bild sehen die Augen von Herrn Mixer (oda Mixa?) wirklich sehr haßerfüllt, ja geradezu blutrünstig aus! Es ist bezeichnend, daß die Bildzeitung mit diesem Gesichtsausdruck den Bischof nicht abgebildet hat sondern nur Rudi Dutschke.
    @YeRainbow: Orthodoxe Priester müssen nicht verheiratet sein, im Gegenteil. Sie dürfen nicht verheiratet sein, wenn sie Bischof werden wollen. Ansonsten hast Du den Zusammenhang zwischen Eigentum und Sexualaskese gut herausgearbeitet.

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  4. Klar, man weiß doch, schlechtes Vorbild sozusagen.
    Die Ungläubigen sind ja auch verheiratet – oder nicht mal das!!! – und wollen trotzdem nicht stille sein.

    Das geht doch nicht.

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  5. Natürlich, der Atheismus ist daran schuld das auch verheiratete Gläubige gerne offiziell predigen möchten.

    Danke Herr Mixa wie konnte ich den Zusammenhang übersehen?!

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  6. Im Verglich zu anderen Religionen, nehmen wir mal die jüdische und die orthodoxe (sind ja eng mit dem Katholizismus vewandt, als Vorfahre bzw Geschwister).

    Dort gilt die Überzeugung, daß das weiblcihe Element für einen Priester ZWINGEND nötig ist. Weder der Rabbi noch der orthodoxe Priester dürfen unbeweibt (unberührt) sein.

    So gesehen war die Loslösung vom weiblcihen Element geradezu revolutionär. Allerdings auch ziemlich ungesund.
    Lügen und Betrug fördernd, aber das wiederum ist ja für eine Religion, wenn man genau hinguckt, kein problem.

    Zwei Fliegen mit einer Klappe: das weibliche Element ausgeschaltet (und damit die Trennung der Menschen anhand eines einzigen Merkmals vollzogen), und das Erbschaftsproblem fehlerfrei ausgeschaltet.

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  7. Kleiner Zusatz: Das Zölibat wurde erst im 11. Jahrhundert eingeführt, so glaube ich mich zu erinnern (hab ja nicht Kirchengeschichte studiert…).

    Nur so als Richtwert.
    Der Gedanke dahinter war wohl der… von der Logik her…

    Sicherung des Besitzes. Darf ein Priester nicht heiraten, und keine legitimen Kinder haben, so kann er den Besitz nicht vererben. Ergo ist es Besitz der Kirche.

    Wenn man mal vergleicht, wie die Erblickeit von Königs- oder Häuptlingswürde und -Besitz zusammengehen, versteht man es.

    So gesehen ist die Kath. Kirche eine feudalistische Herrschafts-organisation (wenn man sich den Prunk und die Strukturen ansieht, wirds klar).
    Eine organisation mit Herrschaftswahl (das findet man zB auch historisch bei der Wahl zum Kaisser, die im Mittelalter durch die Kurfürsten erfolgte, mit einigen problematischen Folgen… lag an der Struktur und an den Eigeninteressen der Kurfürsten).

    Solche Probleme hat die Kath. Kirche gelöst. Und das Problem des Besitzes.
    Durch die Verhinderung legitimer Erben.

    Wenn man bedenkt, daß die Kirche sich als 2tsd jahre alte organisation präsentiert, hat das Zölibat gerade mal halbzeit…
    Da es aber zu brisant ist, wird es sicher bleiben.

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