Heroischer Tugendgrad für Hitlers Papst


Die gestrige Unterschrift von Papst Ratzinger unter ein Vatikan-Dekret, das ausgerechnet dem hoch umstrittenen Pius XII (1939-1958) „heroische Tugend“ zuschreibt, ist ein Skandalon. Er hat das seit 2007 auf Eis liegende Papier trickreich in die Tage vor Weihnachten lanciert, um die erwartete Kritik auszumanövrieren. Nebenbei wird Pius XII auch noch mit Johannes Paul II zeitlich analog geführt.

Ob das fiese Kalkül aufgeht, dass nach den medial auf „Harmonie“ eingeschworenen Feiertagen die Kritiker keine Aktualität mehr gelten machen können? Tricky Ratzinger und seine Berater greifen zu solchen Manövern, um den nicht grundlos als „Hitlers Papst“ verrufenen Eugenio Pacelli letzten Endes irgendwann zum römisch-katholischen „Heiligen“ ernennen zu können. Was tun?

Während die seriösen liberalen Zeitungen mit Kritik nicht sparsam umgehen, reden die der reichen katholischen Kirche gehörenden Publikationen teilweise von „Begeisterung“, die angesichts dieser Entscheidung aufkomme. Liborius.de, Selbstdarstellung als „Die katholische Erlebniswelt“, titelt ihren KNA-Artikel  dazu: „Begeisterung und Kritik zu Tugendgrad für Pius XII.“

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)
Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)

„Applaus, Kritik, vor allem aber Überraschung“ habe die Entscheidung von Pontifex Benedikt XVI. ausgelöst, werden da vorwiegend italienische, offenbar den Katholiken nahestehende Gazetten kolportiert. Die überwiegend aus jüdischen Gemeinden laut werdende öffentliche Kritik wird erwähnt, geht im Text aber beiläufig unter.

In einer zweiten Presse-Meldung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), ebenfalls vom 21. Dezember, heißt es lapidar: „Vatikansprecher weist Kritik an Pius-Tugendgrad zurück„. Der zuerkannte „heroische Tugendgrad“ stelle kein historisches Urteil über das Pontifikat Pius XII. dar; er würdige nur, dass die Person Eugenio Pacelli in vorbildlicher Weise die christlichen Tugenden gelebt habe, wird Vatikansprecher Federico Lombardi zitiert.

Nebenbei wehrte sich Lombardi gegen den Vorwurf, die Akten über das Pontifikat Pius XII. im Vatikanischen Geheimarchiv würden der historischen Forschung bewusst vorenthalten. „Das Ordnen und Erschließen von 16 Millionen Blättern, 15.000 Mappen und 2.500 Faszikeln brauche allerdings voraussichtlich noch fünf bis sechs Jahre.“

Seit Jahrzehnten kontern Fans von Pius XII die Vorwürfe der Begünstigung des Hitler-Regimes und das Schweigens angesichts des Holocausts mit historisch unbelegten Behauptungen, der Vatikan habe Juden durch Geheimdiplomatie  gerettet. Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ sowie zuletzt das 1999 erschienene Buch des britischen Historikers John Cornwell „Hitlers Papst“ stellten Pius ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus.

Die dpa-Abbildung Pius XII im Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 20.12.09 zeigt einen nervös und wenig souverän blickenden Mann. Er habe als ehemaliger päpstlicher Nuntius (1917-1929)  in Deutschland als Papst mit dem Reichskonkordat dem Dritten Reich zur ersten und für Diktator Hitler so wichtigen internationalen Anerkennung verholfen.

Die „Seligsprechung“ für den polnischen Papst Johann Paul II scheint für Mitte Oktober 2010 geplant, steht in der KNA-Pressemeldung. Ein Heilungs-Wunder ist angeblich bereits bewiesen. Ob die trickreichen Männer des Vatikan es schaffen, für Pius12 auch noch ein Wunder zu besorgen, darüber muss man noch… Tee trinken.

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