Gott als Kulturleistung


Den Bann brechen. Religion als natürliches Phänomen 2008. 531 S. 18 cm Einband: Gebunden Verlag: Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag ISBN: 9783458710110 Produktart: Sachbuch

Spektrum der Wissenschaft

Die Idee von Gott als Kulturleistung

Aus aktuellem Anlass greift der Philosoph Daniel Dennett eine skeptische Grundidee der Aufklärung wieder auf. Viele Menschen sind religiös, und viele Menschen haben beruflich mit Naturwissenschaft zu tun. Da bleibt es schon aus statistischen Gründen nicht aus, dass es viele Wissenschaftler gibt, die religiös sind. Die Frage ist, wie beides sich verträgt.
Eine verbreitete Antwort beruft sich darauf, dass die Wissenschaft vieles erklären kann, sogar immer mehr, aber niemals alles. Es gibt nun einmal Bereiche, die sich empirischem Faktensammeln und logischem Schließen entziehen, und dafür fühlt sich traditionell die Religion zuständig. Insbesondere sind moralische Werturteile nicht einfach aus bloßen Fakten abzuleiten. Allein aus der Tatsache, dass in einer Löwenherde das männliche Oberhaupt seine Machtstellung einschließlich des sexuellen Verfügungsrechts über alle weiblichen Mitglieder durch Gewaltanwendung oder Drohung mit derselben aufrechterhält, folgt noch nicht, dass ich diese natürliche Ordnung der Dinge in meiner eigenen Umgebung praktizieren soll.
Solche Fehlschlüsse vom Sein zum Sollen hat der schottische Philosoph David Hume (1711 – 1776) schon im 18. Jahrhundert kritisiert – doch von der Vorstellung, das Sollen werde dem Menschen durch übernatürliche Offenbarung mitgeteilt, hielt dieser skeptische Aufklärer noch viel weniger.

Humes „Dialoge über natürliche Religion“ waren für damalige Verhältnisse so gewagt, dass er sie zu Lebzeiten nicht publizierte, und die katholische Kirche setzte die postume Schrift auch prompt auf den Index der verbotenen Bücher.
Humes Sakrileg bestand darin, dass er religiöse Phänomene nicht als übernatürliche Erscheinungen betrachtete, sondern als etwas ganz Natürliches. Er fragte: Was bringt Menschen eigentlich auf die Idee, es gebe einen Schöpfer der Welt, der Gebete erhört, Wunder wirkt und Gebote offenbart? Und: Brauchen wir Religion, damit wir uns moralisch verhalten?

Diese Fragen stellt nun der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett erneut. Aktuellen Anlass bieten ihm die Attacken religiöser Gruppen gegen ihnen nicht genehme naturwissenschaftliche Resultate, insbesondere der Schulkampf von Anhängern des „Intelligent Design“ gegen die Evolutionslehre. Aber Dennetts breit angelegte Untersuchung kann auch uns tolerante Europäer interessieren, die in der Religion des christlichen Abendlands kaum mehr den Gegner von Vernunft und Wissenschaft erblicken, sondern vielmehr einen Ursprung moralischer Gebote und herrlicher Kathedralen.

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13 Comments

  1. Ich denke: Die Kulturleistung die Dennett zum Thema macht, ist es nicht eine neue Göttergestalt zu installieren, um den Menschen zu moralisieren… sich dabei auch noch auf übernatürliche Weisungen, Zeichen zu berufen.

    Vielmehr durch aufgeklärtes Denken im Sinn des – ganz natürlichen – großen Ganzen, wie es die Wissenschaft erklärt, auf vernünftige Weise einen vernünftigen Sinn zu sehen (Logos).

    Erst im nächsten Schritt kann dann darüber nachgedacht werden, ob dies kreative Logik allen Werdens, wie sie heute von Evolutionsbiologen erklärt oder von Physiker als kreativer Kosmos beschrieben wird, mit dem Logos identisch war, der in einer Glaubensausklärung der Zeitenwende als das verstanden wurde, was bereits am Anfang des Monotheismus (ersten Übergang vom Mythos, Göttergestalten zum Logos/Vernunft) als Wort verstanden und auf kulturgerechte Weise in menschlicher Weise der Welt vermittelt wurde.

    Ein strafenden, belohnendes übernatürliches Götterbild hat ausgedient. Es wird Zeit an die vormaligen Glaubensaufklärungen anzuknüpfen, die heute von der historisch orientierten Religionswissenschaft zur sog. Exilszeit (550 v.Chr., Neuanfang des ursprünglich von Eschnaton ausgehenden rationalen Monotheismus) sowie der Zeitenwende ausgemacht werden.

    Wenn ich im Kultgefüge der westlichen Welt im Rahmen des christlichen Weltbildes denke, dann ist das kein Alleinseligmachungsanspruch einer Religionslehre, sondern halte es für eine vernünftige Weiterentwicklung, die an alte Vorstellungen anknüpfen muss.

    Vielmehr wäre es Zeit über die Universalität des Jesus genanten Logos (im antiken Monismus erklärten vernünftigen Lebensfluss) nachzudenken. Denn der wird heute von Evolutionslehrern rund um die Welt weitgehend in gleicher Weise erklärt.

    Nicht Abschaffung von Glaubensvorstellungen ist die Lösung, sonder Aufklärung ist die Kulturleistung.

    Gerhard

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  2. @Gerhard

    (..) wieder auf ganz natürliche Weise einer Bestimmung (..) gerecht werden, die sie sich nicht selbst setzen bzw. moralisch einreden wollen.

    Könntest Du dies bitte genauer erklären ? Weshalb soll es eine „natürliche Bestimmung“ geben, dem der Mensch gerecht werden soll ?

    Ich behaupte mal ganz frech, dass es keine „Bestimmung“ gibt, die ausserhalb der vorgegebenen Naturgesetzen (Leben wird geboren, existiert, stirbt) wirkt. Ich kann kein „Zeichen“ erkennen in den kosmischen Gesetzen erkennen, welche eine Bestimmung auch nur vermuten lässt. Der Mensch ist genausowenig dazu „erschaffen“ worden, sich über eine Bestimmung den Kopf zu zerbrechen wie ein Vulkan, der ebenfalls nicht aus einer „Bestimmung“ heraus seine Asche in die Atmosphäre spuckt. Der Unterschied in meinen Augen besteht nur in der Tatsache, dass dieser Riss in der Erdkruste keinen Stoffwechsel betreibt 😉 . Ansonsten sind beide aus der selben Materie „erschaffen“ worden. Und beide unterliegen den selben Gesetzen. Da kann der Mensch noch so erwachsen werden, die Rahmenbedingungen lassen sich vom Menschen genausowenig ändern, wie es der Vulkan kann. Es lassen sich meiner Meinung nach nur Geschichten dazuerfinden, die von sprechenden Vulkanen, und Vulkangötter handeln, die mit ihrer überkosmischen Kraft aus Lava heraus den Menschen geformt hat.

    Die „Kulturleistung“ besteht meiner Meinung nach in der Fähigkeit, sich selbst (durch erdachte Geschichten) Grenzen zu setzen, die man als Einzelperson und als Gesellschaft nicht zu übertreten vermag.
    Dies vermag möglicherweise den einzelnen Menschen bis hin zur Gruppe vor möglichen Gefahren zu schützen („Gott sagte, Du solltst kein Atom spalten!“), lassen sich aber weder auf einen nicht nachweisbare Geistergestalt, noch auf eine universale Bestimmung zurückführen. Die Quelle ist das weiche Gebilde zwischen unseren Ohren. Der Ort, wo schon des öfteren nackte Personen rumschwirren und Superhelden durch die Luft fliegen. Dort bekommen Regeln und Gebote eine Gestalt. Die Gestalt eines Regeln und Gebote erschaffendes Überwesen. Möglicherweise schon sehr sehr alt oder gar unsterblich, mit langem Bart und einer Schlangenphobie 😉 .

    Zum Thema:

    Eine verbreitete Antwort beruft sich darauf, dass die Wissenschaft vieles erklären kann, sogar immer mehr, aber niemals alles. Es gibt nun einmal Bereiche, die sich empirischem Faktensammeln und logischem Schließen entziehen, und dafür fühlt sich traditionell die Religion zuständig.

    Die Vermutung, dass die Religion sich zur Erklärung „berufen“ fühlt, möglicherweise weil sie die „wahre“ Lösung liefere, ist amüsant. Woher die Geisterwelt den magischen Wink mit dem Zaunpfahl empfangen haben will der sie berechtigt, sich in Bereiche reinzuquetschen und sich als zugehörig zu bezeichnen, bleibt mir ein Rätsel 😉 .
    Wenn man mit der Wissenschaft keine – absolut keine – Möglichkeit besitzt, diesen Bereich zu erkunden, so bleibt nur die Fantasie übrig. IMHO kann ich ohne „Nachweis“ nur sehr sehr schwerlich etwas als „gegeben“ hinnehmen. Wenn ich vor einer verschlossenen Tür stehe und keine Möglichkeit besitze, den Raum dahinter zu erkundschaften, dann lasse ich mich auf die aberwitzigsten Spekulationen ein. Manche von ihnen mögen zwar „möglich“ klingen, müssen es aber nicht sein. Die Überprüfung kann ja nicht stattfinden. Man könnte behaupten, der Raum dahinter sei größer oder kleiner als der Nachbarraum. Man könnte behaupten, dies sei die Tür zum Himmel. Es kann sich auch um eine zugemauerte Tür handeln, die dahinter nur Backsteine enthält.
    Und so ist die Religion IMO nur eine reine Vermutung. Und eine, die eine ganze Latte an Fragezeichen und Ungereimtheiten hinterlässt. Zum Beispiel das Spielchen mit der Theodizee oder die Frage nach der Komplexität eines solch überkomplexem Wesens.

    Dennett legt keine antireligiöse Streitschrift vor (..)

    Wage ich zu bezweifeln 😉 . Für brave Geisteranbeter sind schon andere Geister eine ernstzunehmende Gefahr, eine „Anti-Religion“, welche sie zurück zu ihrer eigenen Glaubensvorstellung erretten möchten. Evangelikale werden über Dennetts Buch nicht gerade vor Dialogbereitschaft sprühen, sondern weiterhin gemäß ihrer Bibel das Evangelium verbreiten wollen. Denen kümmert es überhaupt nicht, ob man eine gesellschaftliche Komponente nennt oder nicht. Die sehen in „das Wort“ nur das Wort Gottes, und sonst nichts. Und die anderen Religionen dieser Welt handhaben ihre Einbildung nach exakt demselben Muster. Mein Gott ist echt, wahr und wirksam. Wir sind gut. Eure Götter sind Dreck und gehören bekehrt/vernichtet/ignoriert/versklavt (zutreffendes bitte je nach regionalem Glauben unterstreichen).
    Dennetts Buch mag zwar nicht den Unglauben heraufbeschwören, aber zumindest dem „gottgegebenen Glauben“ einen Stolperstein in den Weg legen. Und im Grunde genommen müsste die Annahme, man sei von einer übernatürlichen Intelligenz aus Lehm geknetet und durch seinen Mundgeruch zum Leben erweckt worden, damit eine sprechende Schlange dann die Sterblichkeit einführen darf, nach dem Lesen des Buches genauso ins Schwanken kommen, wie durch das Lesen von Dawkins, Hitchens oder Onfrey. Dennett mag zwar nicht mit seiner Schrift nicht antireligiös sein, aber zumindest antikatholisch, antievangelisch, antimuslimisch, antijüdisch, antihinduistisch, antishinotoistisch, antibuddhistisch und antiirgendwasistisch sein. Unter’m Strich bleibt von der Übernatürlichkeit nichts mehr übrig. Alleine die paar Neuronen irgendwo an den Synapsen im Hirn zeugen von der „Existenz“ einer Übernatürlichkeit 😉 . Obwohl das Buch weder Mut für den „Übertritt“ zum Nichtglauben machen soll oder gar die Gefährlichkeit der Religionen aufzeigen soll, wie es Dawkins und Hitchens tun, wird der Leser am Ende des Buches sich bestimmt die Frage stellen, ob er auch ohne Glauben die selbe Person sein kann. Das ist schon wesentlich mehr, als ob man ein Buch von Ratzinger durchlesen würde 🙂 .

    Dennett beschreibt überzeugend, wie die Gottesidee als dem Menschen nützliche Kulturleistung entstand, sich verselbstständigte, sich dogmatisch gegen Kritik panzerte und nun auf unserer modernen Kultur aufsitzt wie ein Schmuck – oder ein Alb.

    Mit diesem Schlußsatz hat Herr Springer die IMHO positive Rezension hervorragend zum Abschluß gebracht. Der Glaube an einen oder mehrere Götter diente einmal als Rechtfertigung, wie auch als mögliche „plausible“ Erklärung für Naturphänomene wie Blitze und Dürreperioden. Die Kultbosse, die Chefs hinter dem Glaubenssystem, die machtvollen Hohepriester wollten allerdings nicht durch spätere Erklärungsversuche in ein Nichts weggedrängt werden, sondern propagierten den Kampf gegen Andersgläubige. Der Machtbereich weitete sich aus, man fand neue Möglichkeiten zur „Panzerung“ (gut erkannt!) und „pflanzte“ sich in die Köpfe der Gesellschaft ein. Da ist der Schritt zu Dawkins Memtheorie gar nicht mehr weit 🙂 .

    Ich kann das Buch sehr gerne empfehlen. Dennett schreibt gut und klar. Kein Wunder, dass er mit Dawkins, Harris und Hitchens zu den 4 apokalyptischen Reiter der Aufklärung gehört 😉 .

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  3. Äh… wie meinen der Herr?
    ich versteh nicht so ganz.

    Und warum muß es monotheistisch sein?
    Erklär mir das doch mal.

    MUSS es nämlich NICHT.

    und dann auch noch christlich? Warum keine andere Religion? Weil Du keine andere kennst…?
    oder so schön dran gewöhnt bist…?

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  4. Die heutige Kulturleistung, die von Dennet angesprochen wird, wäre es nicht, sich auf kindliche Weise einer Über-/Unnatürlichkeit zu unterstellen, die dem Glaube Gebetsmühlenartig unterstellt wird.

    Die Aufgabe der Kinder ist es zu wachsen und dann darüber nachzudenken, wie sie in Bezug auf den Anfang des monotheistisch-christlichen Kultes wieder auf ganz natürliche Weise einer Bestimmung (in Glaubenssprache ewigen Wort, kreativer Vernunft, kosmischer Weisheit…) gerecht werden, die sie sich nicht selbst setzen bzw. moralisch einreden wollen.

    Gerhard

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  5. ich finde ja zudem, daß die Sache sehr kindlich ist, in ihrer Art.
    Einerseits machterwerb und Machtmißbrauch, andererseits aber der große Geist, der es schon irgendwie richten wird… und alles irgendwie macht…

    Das hat was von Vorschulkindern, die in der Straßenbahn bei der heimfahrt von einer Familienfete einschlafen, und sich gedankenlos von ihren Eltern zum Bett tragen lassen…

    Für vorschulkinder ist das auch altersgerecht. Die müssen nicht wissen, wie Mami die Butter bezahlt und wovon.
    Oder wer sie ausgezogen hat und in ihr eigenes bett legte.

    Für Erwachsene ist so ein Ansinnen jedoch reichlich unpassend.
    Ganz egal, wie der Prophet heißt, und auf welchem Wege die Übermami (oder gar Überpapi) wirken sollen.

    machtübernahme und Machtmißbrauch jedenfalls entsprechen einem noch geringeren Alter, nämlich dem Trotzalter.

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  6. Da möchte ich allerdings versuchen, den Gerhard ein wenig in Schutz zu nehmen 🙂 . Er interpretiert die Bücher der Wüstengeisteranbeter nur.
    Klar, die Griechen, die Römer und auch die Nordeuropäer haben alle ihre „Naturgesetze“ angebetet. Und der Kosmos kreiert ebensowenig Planeten und Leben, wie der Mars kriege führt. Aber das sich einige Texte so interpretieren lassen, dass die „kausale Kraft“ – welche auch immer gemeint ist – mit Jesus oder anderen Propheten und (Sonnen-)Götter wie Osiris oder Ra gleichgesetzt werden kann … ist mir bis heute nicht ersichtlich.

    Jesus wurde ganz klar aus älteren Geschichten „zusammengeklaut“, damit die urbiblische Prophezeihung erfüllt werden konnte. Und selbst die urbiblischen Geschichten entstammten den Fantasien und Diebstählen ihrer Zeit. Babylon hatte keinen Turmbau zu Himmel, sondern nur eine sehr hoch gebaute Kultstätte für ihren (!) Gott. Zerstört wurde er nicht durch JHWH, sondern von der Zeit. Osiris hat beinahe den selben Lebenslauf wie Jesus. Genauso wie eine Handvoll weiterer „Propheten“, die ebenfalls den Lebenslauf von Jesus kreuzen. Da hat der Kosmos nix damit zu tun, sondern nur die Fantasie der Texteschreiber. Heute würden wir von „Plagiaten“ sprechen, damals waren es Propheten.

    Um zum Topic zu kommen …
    Nö … kein Bock 😉 .
    Die Kreationisten wollen eh‘ immer recht haben. Egal, was die Wissenschaft sagt.

    Was bringt Menschen eigentlich auf die Idee, es gebe einen Schöpfer der Welt, der Gebete erhört, Wunder wirkt und Gebote offenbart?

    Der, der solche „Wahrheiten“ verteidigt und möglichst viele Gleichgläubige hinter sich scharren kann, hat Macht. Macht auf der Basis von unbeweisbaren Angaben. Wer will denn nicht Macht haben, ohne Arbeiten zu müssen ?
    Wenn ich behaupte, ein Schöpfer habe die Milch in meinen Kaffe hergezaubert, dann kann ich getrost sterben, denn ich „weiss“ alles und mein evolutionsbedingter Wissensdurst ist gestillt. Die Wissenschaft, die sich um nachprüfbare und belegbare Bewese kümmert, kann mir aufgrund der Komplexität gestohlen bleiben. Nachdenken brauch ich nicht mehr … das allwissende und allfähige „Ding“ hat’s gemacht. Punkt. Er spendet Liebe, Güte usw. Werte, die im Normalfall durch z.Bsp. durch Vertrauensaufbau oder Arbeit erschaffen werden müssen. Sich vorzustellen, das man die Gottesgebote befolgt hat und somit alle diese Werte automatisch erlangen hat, tröstet. Amen.

    Brauchen wir Religion, damit wir uns moralisch verhalten?

    Ganz klar: Nein. Eine Religion, ein Glaube an einer Übernatürlcihkeit strafender oder lohnender Art ist nicht notwendig, um Gut und Böse zu unterscheiden. Ganz im Gegenteil ! Die Religion besitzt die Fähigkeit, ihre Vormachtsposition der Moraldefinition dazu auszunutzen um Menschen, die in ihrem Sinne „unmoralisch“ handeln, Leid zuzufügen. Leid, das andere Menschen, andere Kulturen, moralisch als „Böse“ definieren. Religion ist die Rechtfertigung auf eine eigene Weltsicht, die sie nicht aus der Natur ableiten können, sondern die vollständig im Hirn von normalsterblichen Menschen entstanden ist. Das Recht, Fantasiewesen für sich sprechen zu lassen, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen. Gottgeführte Kriege eben … die Islamisten auf unserer Welt kennen sich hier sehr gut aus. Die Christen haben in ihren Eroberungszügen dasselbe Muster gezeigt. Selbst die Buddhisten haben Dreck am Stecken. Jede Person hat in ihrem Geisterglauben „richtig“ gehandelt – „moralisch gut“.
    Brauchen wir eine Religion für die Moral ? Nein. Wir brauchen Werte, die von Menschen kommen und von Menschen befolgt werden. Ohne Einmischung einer Übernatürlichkeitsgeschichte 😉 .

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  7. Die kausale kreative Kraft (ursprünglich als ewiges Wort verstanden) ist genau das, was Evolutionsbiologen wissenschaftlich beschreiben, daraus selbst den natürlichen Sinn unseres Seins ableiten und für was uns Physiker begeistern, die uns den kreativen Kosmos erklären.

    Doch scheinbar haben sich religiöse Wahnvorstellungen auch im Kopf der Kritiker so festgesetzt, dass Gebetsmühlenartig nur Vergeisterung unterstellt wird.

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  8. […] Perfekte Konstruktion (aber leider langweilig).

    Da hast Du meine Gedanken zur Gebetsmühle der „kreativ-schöpferischen Kraft“ etwas eloquenter rübergebracht. 😉 Merci!

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  9. Ach naja, die schöpferische Kraft ist doch auch nur so ein Konstrukt wie Gott.
    Wie auch immer man es nennt, das große Unbekannte, Unrelevante.

    Es enthebt einen jedenfalls ganz vorteilhaft davon, Wissen zu erlangen. Und noch vorteilhafter vor dem Erkennen von Irrtümern, was ja unangenehm ist.
    Also nimmt man sein hübsches Konstrukt, und schon gehts einem gut – man ist immer richtig, man liegt nie falsch…

    Perfekte Konstruktion (aber leider langweilig).

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  10. sondern auf die natürliche kreative=schöpferische Kraft baut

    Die Schallplatte springt…

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  11. Die Idee mit dem Löwen ist Quatsch.

    Wenn man mal genau hinguckt, dulden die Weibchen einen Löwen, der ihnen immer mal ein Angebot machen darf…

    Schon daran erkennt man, wie schwierig das mti der Interpretation ist. Wenn man nicht mal richtig beobachten kann.

    alles weitere an Ableitung ist natürlich kritisch zu sehen…

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  12. Ich hab Dennets Buch gelesen. Er schreibt, wie jemand, mit dem ich jetzt durch unseren „bischissenen“ Garten gehe und ihm erklären wollte, dass wir hieraus unsere natrüliche Nahrung ziehen müssen, hier nicht nur sommerliche Zierde oder (religiöse) Erbauung ist, wie sie dann von ihm als natürlich erklärt wird.

    Aber wie sonst soll er schreiben. Nur das ist derzeit zu sehen: Nutzloses Steine schleppen bzw. Phänomene, leere Bilder und Buchstaben die sich bekämpfen, wo Übernatürliches automatisch als Offenbarungen gilt. Statt einen Kult, der ohne Gottesbilder auskommt, sondern auf die natürliche kreative=schöpferische Kraft baut, die in Kulturentwicklung, wie im Garten und im gesamten Kosmos zu beobachten ist bzw. wissenschaftlich erklärt wird und die seit Eschnaton als Monotheismus gilt, sich unter dem Namen Moses wandelte, weiterentwickelte.

    Doch ich geb die Hoffnung nicht auf. Die Konserven sind aufgebraucht. Genau das hat Dawkins, der den Wahn der Bilder und Buchstaben zum Thema machte, deutlich werdenlassen. Denn so wo wie unser Garten wieder mit Unterstüztung menschlicher Hände damit durch eine kreative (schöpferische und menschliche) Kraft wieder aufblühen und Nahrung bringen wird, wird sich auch die menschliche Kultur weiterentwicklen. Auch der Kult als geistige Nahrungsgrundlage, die Politik und Ideologie allein nicht geben kann (wie die Geschichte zeigt), ist so wenig wie unser Klima nur Menschenwerk, sondern unterliegt einer evolutionären Entwicklung.

    Gerhard

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