Jesuiten in Hitlers Wehrmacht


Jesuiten in Hitlers Wehrmacht Kriegslegitimation und Kriegserfahrung. 'Krieg in der Geschichte'. gebunden

Von Hans Mommsen – FR online.de

Antonia Leugers ist durch grundlegende Arbeiten über die Katholiken im Widerstand gegen das Dritte Reich hervorgetreten. Nun veröffentlicht sie im Zusammenhang mit dem Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen“ eine Studie über die in der Wehrmacht dienenden Jesuiten, ihre Kriegserfahrung und ihr Verhältnis zum NS-Regime.

Sie kann sich dabei auf bislang unbekannte Dokumente aus dem Archiv der Deutschen Provinz Societas Jesu in München stützen, in dem sich von einem Großteil der Wehr- oder Sanitätsdienst leistenden Jesuiten Feldpostbriefe erhalten haben, zugleich Korrespondenz mit den Heimatprovinzen, so dass repräsentative Aussagen über die Haltung der Mitglieder des Ordens zur Wehrmacht und zum Zweiten Weltkrieg möglich sind.

Nach anfänglicher Kriegsbegeisterung vollzieht sich schon zu Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion und vor allem nach der Niederlage vor Moskau ein grundlegender Stimmungsumschwung. Die Briefwechsel der eingezogenen Jesuiten mit ihren Provinzialen und deren Reflex in deren Rundbriefen (es handelt sich um eine Gruppe von 289 Briefschreibern) betreffen in der großen Mehrheit Soldaten, die an der Ostfront eingesetzt waren.

Sie erlauben es, ein bei Abweichungen im einzelnen relativ geschlossenes Meinungsbild herauszuarbeiten. Zu Beginn des Russlandfeldzuges überwiegt eine betont nationale Einstellung, die die Verfasserin vor allem auf den Einfluss der katholischen Jugendbewegung zurückführt.

Im Zusammenhang damit steht ein ausgeprägt negatives Klischee von der Sowjetunion, das sich der NS-Propaganda annähert, aber auch herkömmliche antibolschewistische Ressentiments des Katholizismus transportiert. Leugers konstatiert, dass sie sich mit einem bei vielen Briefschreibern hervortretenden und von ihren Provinzialen bestärkten religiös geprägten Kriegsbild verbinden.