Käßmann von Bundeswehr-Lobbyisten bedrängt


Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat mir ihrer couragierten Forderung nach einem baldigen geordneten Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan in ein Wespennest gestochen. Als „Promi“ darf man in Deutschland nicht ungestraft aus der Reihe tanzen. Nun tanzen die Schranzen und bellen und geifern, sie verderbe die „Moral“ (der Soldaten). Doch wird sie sich einschüchtern lassen?

Bekanntlich sind nach repräsentativen Meinungsumfragen mehr als 2/3 der Deutschen für ein baldiges „Raus aus Afghanistan“. In Verkennung ihrer Aufgabe als gewählte „Vertreter“ der Bevölkerung sind die Bundestagsabgeordneten von cdu/csu/spd/fdp/grünen mit großer Mehrheit der Meinung, das „Volk“ sei dumm und sie wüßten es besser, wo die Bundeswehr hingehöre. Nämlich ins Hindukusch-Gebirge, wo sie „unsere Grenzen verteidigen“. Klingt lächerlich, man müsste sie bei jeder Gelegenheit öffentlich auslachen!

Untern Tisch gefallen (Copyleft Lizenz by urs1798)
Untern Tisch gefallen (Copyleft Lizenz by urs1798)

Margot Käßmann nun wird von ebendiesen jämmerlichen Militär-Lobby-Aktivisten als „Populistin“ beschimpft. Wer sich abseits der vorgegebenen „herrschenden Meinung“ auf Seiten der „Volks“-Mehrheitsmeinung begibt, der/die wird als Abweichler gemobbt.

Es tut halt weh, wenn nun mehr und mehr auch Repräsentanten großer gesellschaftlicher Gruppierungen auf Kontra-Militär-Kurs gehen. Getroffene Hunde bellen wütend.

Für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gibt es keine ernstzunehmenden Argumente. Weder verringern die Soldaten dort den islamistischen Terrorismus, nein sie vergrößern ihn eher, noch bauen sie das kriegszerstörte Land sinnvoll auf, noch bringen sie dort einen demokratischen Staat nach westlichem Muster in die Gänge.  Seit ihr Land von westlichen Militärs BESETZT gehalten wird, geht es 95% der Afghanen keineswegs ökonomisch besser als zuvor. Deswegen gibt es dort so viele „Aufständische“.

Gegen den westlichen Afghanistan-Krieg spricht eine lange Liste an Argumenten: 1. seine Ziel sind Unfug, weil unnerreichbar, 2. die große Mehrheit der Afganen sind gegen die fremden „Besatzer“, 3. die Karsai-Regierung ist ein Hort der Korruption und per Wahlbetrug im Amt, 4. wo Warlords, Rauschgift-Handel und Korruption das Land „im Griff“ halten sind Polizeiausbilder fehl am Platz, 5. die zahlreichen zivilen Opfer der „Luftschläge“ treiben den Taliban Sympathisanten zu, 6. die Präsenz der westlichen Militärs gefährdet die NGO-Aufbauprojekte eher 7. dieser Krieg kostet viel Steuergeld, das Deutschland gar nicht übrig hat, 8. gegen eine Guerilla, die aus sonst erwerbslosen jungen Männern ständig Zuwachs erhält ist dieser Krieg auf Dauer niemals zu gewinnen!

Margot Käßmann und wohl auch die Mehrheit in der EKD haben Nachdenkarbeit geleistet und deutlich mehr begriffen als die Mehrzahl der zunehmend peinlichen deutschen Politiker.  Die katholischen Bischöfe hingegen fallen einmal mehr auf durch hohle moralische Reden und Ansprüche, von ihnen hört man keine Kritik  am Militär.

Die Befürworter des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan sind überwiegend Leute, die auf die Angstpropaganda vor den Terror-Islamisten „ante portas“ hereingefallen sind und sich mit vorgefertigten „Denk-Schablonen“, gespeist aus der Angst vor „Gesichtsverlust“ bei Ihresgleichen,  zufriedengeben.

Der hiesige Bundesabgeordnete, Sören Bartol (spd), wurde schon mehrfach in Veranstaltungen zu Afghanistan vom Publikum geradezu ausgelacht für seine hanebüchenen Pro-Argumente. Wenn diese Befürworter nahezu ÜBERALL ihre  Lächerlichkeit zu spüren bekämen, würden sie womöglich bald aufgeben. Wie lang ist der Weg dahin noch?

Quellen:

Weiter Kritik an Käßmann: Moral der Soldaten gefährdet (taz vom 4. Januar 2010)

Kritik an Käßmanns Afghanistan -Äußerungen hält an (stern vom 4. Januar 2010)

Debatte über Afghanistan-Einsatz:  Scharfe Kritik an Käßmann (FAZ vom 3. Januar 2010)


3 Comments

  1. Zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland mutet mich doch die Haltung der SPD seltsam an. Unabhängig davon verstehe ich nicht, was wir da zu suchen haben. Allerdings, als man an der Regierung war, war mal geil drauf Deutschland am Hindukusch zu verteidigen (SPD Politiker Struck) und jetzt diese Haltung. Das mutet mich doch seltsam an.

    Gefällt mir

  2. Pingback: politik-web

Kommentare sind geschlossen.