Konzern-Chefvolkswirte als Medienpartner?


Woran mag es ursächlich liegen, dass zunehmend häufig ausgerechnet Finanzkonzern-Chefvolkswirte als Interviewpartner des öffentlich-rechtlichen Radios zu PR-Auftritten geladen werden? Gibt es etwa tatsächlich keine seriöseren Alternativen an den Universitäten? Sind die Chefredaktionen z.B. des Deutschlandradios über Journalisten-Ethos erhaben?

Maze Prison (CC-by-nc by Still Burning)
Maze (CC-by-nc by Still Burning)

Heute war es der Chefökonom des Allianz-Versicherungskonzerns, etwa vorgestern wieder einmal der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Holding, namens Norbert Walter.  Dessen Name ist mir mittlerweile geläufig, weil er so unerhört häufig „Auftritte“ zugeschanzt bekommt.

Auch die überaus dubiosen Wirtschaftsforschungs-Institutschefs, nahezu ausnahmlos stramme neoliberale Vollideologen, sind mit ihren routinemäßigen Wortmeldungen häufig zu hören. Einzig der Hamburger Institutschef Thomas Straubhaar fällt ab und zu wenigstens mit originellen Ideen auf, obschon er neoliberalen Kurs hält.

Der als Mainstream-Kritiker geltende Bremer Ökonomie-Prof. Rudolf Hickel oder der Würzburger Prof. und „Wirtschaftswaise“ Peter Bofinger werden selten ins Programm genommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Wer an Hintergründen zu diesen – einer ernstgenommen werden wollender Demokratie unwürdigen – Praktiken interessiert ist, der/die möge zu dem nicht mehr ganz taufrischen Buch des linksliberalen Innenpolitikchefs der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, „Kein schöner Land“ greifen.

Darin gibt es ein gut recherchiertes, lesenswertes Kapitel zur wundersamen neoliberalen Hegemonie-Überwälzung in den Ökonomie-Fakultäten der deutschen Universitäten. Daraus lernt man, warum Deutschland mit soviel schwachsinnigen Ökonomen-Gewäsch vollgepumpt ist – in den Medien ebenso wie in der Politikberatung.

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