Dodo des Monats Dezember 2009


Dodo des Monats Dezember 2009
Ulrich Blum, Quelle: wiwo.de

Der Herr Blum hat eine beeindruckende Leistung hingelegt. Soviel Wahlvolk vereinen höchstens die Pfaffen im Kardinalspurpur auf sich. Andererseits, müdes abwinken bei den BWLern. Aber der Reihe nach.

Lassen  wir den Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. zu Worte kommen:

„Wer aus der Kirche austritt und keine Kirchensteuer zahlt, sollte eine andere Abgabe an eine soziale Einrichtung wie das Rote Kreuz entrichten“.

Alles klar im Oberstübchen? Man muss schon eine gehörige evangelikale Verblendung im Kopf haben und keinerlei Kenntnisse über Steuererhebungen, Subventionen für kirchliche Einrichtungen, direkte und indirekte, über Staats-Kirchen-Verträge und Konkordate. Keine Ahnung über Caritas und damit über den grössten deutschen, privaten Arbeitgeber, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts der Gemeinnützigkeit verpflichtet, somit keine Gewinne erwirtschaften darf  aber dafür genug Firmen besitzt, die dann richtig Profit abwerfen. Hat alles nichts mit Volkswirtschaft zu tun. 400.000 Arbeitnehmer bei der Caritas sind völlig zu vernachlässigen und wirtschaftlich bedeutungslos.  Sagt der BWLer zu mir, kann ein VWler nicht wissen, die sind schlicht zu blöd dazu, wissen so gar nichts über Strukturen von Firmen und können noch nicht mal deren Bilanzen lesen. Die und die Banker seien doch eine der Hauptwurzeln für das wirtschaftliche Desaster des letzten Jahres. Einwand von mir, aber der Mann ist Professor und leitet ein Wirtschaftsinstitut, wo?, Halle an der Saale, nie gehört, muss im Osten liegen, genau, ist er hingegangen weil ihm im Westen keiner haben wollte. Aha. Stimmt also doch, brauchst du einen Posten, geh in den Osten! Viele EDEKA-Karrieren aus dem Westen haben wieder angefangen zu blühen, dort wird noch etwas bewegt.

Zurück zum Thema. Zunächst wäre festzuhalten, dass es eine Schande für unser Land ist, dass überhaupt Kirchensteuer vom Staat eingetrieben wird. Das Kirchensteuersystem in Deutschland ist rechtlich umstritten und höchst bedenklich. Die Kirchen klammern sich mit aller Macht an dieses System, wird doch ein Höchstmaß an Ertrag eingefahren und das besonders Positive, die Kirche selbst muss sich nicht mit dem Steuerpflichtigen herumschlagen, dass macht dann der poehse und gierige Staat. Die Kirchen sind lieb, herzensgut, charismatisch und wollen ihren Gemeindemitgliedern nur Gutes.

Tritt nun ein Mitglied der Gemeinde aus dem steuerrechtlichen Verhältnis aus, er kündigt, ist immer noch eine Nachbesteuerung möglich. Im Zeitalter von Computern und jeder Menge Rechentechnik ein unglaublicher Vorfall. Während z.B. die Kfz-Steuer genau abgerechnet wird, ist das bei der Kirchensteuer nicht möglich. Also, immer zu Gunsten der Kirchen.

Bei der Thematik des Kirchengeldes kommt mir dann die Galle hoch. Kirchengeld ist schlichtweg eine Sauerei. Und noch etwas, alle Bürger der Bundesrepublik zahlen Steuern, unabhängig von ihrer Religion, der Gemüse handelnde osmanische Muslim, die kleine privilegierte Minderheit der Juden, Hinduisten, Buddhisten, Sufis und jetzt kommt meine Gruppe, all jene, die ungläubig sind, die noch nicht mal austreten müssen, weil sie nie in einer Religionsgemeinschaft Mitglied waren. All die Knete von diesen Menschen wird genommen und erhebliche Mittel für die Katholen und Evangelen abgezweigt, getreu dem Motto, „pecunia non olet“.  Den Pfaffen ist das Geld der Atheisten, Agnostiker uvam. genauso lieb, wie das Geld ihrer Kinder des Glaubens. Statt ihres dumm-professoralen Vorschlags der Ethik-Steuer, hier ein Vorschlag meinerseits.

Die Kirchen sammeln die Steuern oder nennen wir es Spenden, von ihren Mitgliedern selbst ein. Jedwede staatliche Unterstützung kirchlicher Einrichtungen entfällt. Krankenhäuser, Pflegeheime usw. sind den marktwirtschaftlichen Prinzipien unterworfen, wie sie für alle Institutionen gelten. Der Staat sorgt für den sozialen Ausgleich, da wo notwendig. Die Kirchen werden in ihre Selbständigkeit entlassen, vollkommen und ohne Einschränkungen. Arbeitnehmer-rechtliche Besonderheiten werden abgeschafft, Arbeitsrecht und Sozialrecht gelten uneingeschränkt. Das  Reichskonkordat wird null und nichtig, ebenso die mit der evangelischen Kirche ausgehandelten Staatsverträge, alle Religionsgemeinschaften haben gleiche Rechte und Pflichten.

Mein Bekannter, ein Professor für Steuerrecht, natürlich BWLer, gibt Ihnen gern noch mal ein paar Semester Nachhilfe.

Nur verschonen Sie uns bitte vor solch ausgemachter Idiotie.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Merke: Wer so offiziell und gierig an die Knete der Menschen will, hat schon verloren, aber einen Dodo gewonnen.

10 Comments

  1. Ich habe Blum und seinem Institut gemailt, um meinem Unmut Luft zu machen.

    Blum hat sogar zurückgemailt und angekündigt, dass ich „gelegentlich“ „Nachricht“ von ihm erhalte. Daraufhin habe ich ihm gleich eine Liste mit Punkten zurückgemailt, zu denen er dann gleich Stellung nehmen kann.

    Gefällt mir

  2. Ein absolut verdienter Preisträger. Bis eben habe ich geglaubt, dass Ganze wäre nur ein übler Scherz. Aber ehrlich…die Pfaffen schrecken nicht mal mehr davor zurück, den Zehnt bei den Heiden einzutreiben.

    Gefällt mir

  3. Eine hervorragende Laudatio.
    Und ein respektabler „Sieg“ für’n Herrn Blum.

    Zunächst wäre festzuhalten, dass es eine Schande für unser Land ist, dass überhaupt Kirchensteuer vom Staat eingetrieben wird. (..) alle Bürger der Bundesrepublik zahlen Steuern (..)

    Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass unser aller Geld in diesen „Caritativverein“ fließt. Seit sehr langer Zeit. Ohne eine Möglichkeit des Ausstieges, ausgenommen der Auswanderung aus dem Land.
    Das heisst, dass selbst ohne die geringste Zugehörigkeit an irgendeinem Gottesverein, ein Teil der Steuereinnahmen zu diesem Verein fließen, sie aber von diesen Einnahmen nur einen Bruchteil zurück an die Gesellschaft geben. Und wir sprechen von einem Verein, der staatlich-genehmigt, keine einzige Gewerkschaft dulden muss, sich trotz eines Mindesteinsatzes den gesammten Teil des Führungskuchens eines Heimes/Kindergartens/Krankenhauses nehmen darf und der aufgrund einer sehr sehr eigenwilligen Interpretation der Loyalität keine Furcht hat, inhumane Entscheidungen zum Unwohl eines oder mehrerer Mitarbeiter zu fällen.
    Sozialabgaben sind kein Problem. Sie existieren schon seit längerem. Und ich hätte kein Problem, wenn 100% der Zuschüsse und Kirchensteuern nachweislich in karitative Arbeiten benutzt würden, man aber trotzdem kein warmes Essen und keine Kindergartenplätze mehr finanzieren könnte. Doch unter diesen Umständen ist erst einmal die Ausschöpfung der Geldquellen unserer Händefalter alleroberste Aufgabe. Erst wenn die Hütchenträger tatsächlich „sprichwörtlich“ in Armut leben und ihre gesammte Seele der Hilfe der Bevölkerung widmen, würde ich eine Unterstützung – weiterhin auf freiwilliger Basis – sehr begrüßen. Sich in einem nahezu vollständig vom Staate finanziertem Gebäude unterzubringen und dort der Steuerarmut hinterhertrauern, ist IMO ein Tritt … ein Tritt mitten in’s Gesicht der Menschen. Menschen, die aufgrund der religiösen Erziehung den Lügenschleier der Bibelumblätter nicht erkennen können. Das Herr Blum da mittmacht, erscheint mir wie die Energie, die man in den Beinschwung legt. Er verstärkt den Tritt förmlich 😉 .

    Die Reaktionen in der Blogosphäre bezeugen, dass unter dieser „Einsicht“ wir nicht mehr weit von einer Nichtrauchersteuer entfernt sind, weil unsere Gesundheitskasse probleme bekommt, all diese Raucher zu behandeln. Und die Nichtraucher haben auch noch die unethische Frechheit, sich einer Krankenkasse anzuschließen, die Nichtrauchern eine bessere Kondition verspricht ! Was passiert wohl, wenn ein Nichtraucher mal krank wird ? Es wird von einem Arzt behandelt, der auch Raucher behandelt ! Und möglicherweise gar von einem Arzthelfer, der sogar selbst raucht ! Sowas muss gefördert werden !

    Herr Blum, bitte. Entwickeln sie bitte einen weiteren hervorragenden Plan zur Sanierung unserer Kassen. Das sie noch nicht als Bundesfinanzminister wiedergeboren wurden, ist eine Schande für den allmächtigen Reinkarnationsgott. Wir hätten dank der möglicherweise eingeführten Nichtbiertrinkersteuer, von denen die weintrinkende Bevölkerung erzählt, und der dazu eingeführten Nichtalkoholikersteuer, die natürlich den Anonymen Alkoholikern zugute kommen, eine Menge Löcher in unser System stopfen können.

    So allerdings darf der Dodo beruhigt in die Arme des Herrn Blum flattern. Er hat ihn sich redlich verdient 🙂 .

    (..)Krankenhäuser, Pflegeheime usw. sind den marktwirtschaftlichen Prinzipien unterworfen, wie sie für alle Institutionen gelten. Der Staat sorgt für den sozialen Ausgleich, da wo notwendig. Die Kirchen werden in ihre Selbständigkeit entlassen, vollkommen und ohne Einschränkungen.(..)

    Ich bin dafür, dass Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindergärten & Co. im großem Maße vom Staate getragen werden. Das, was allgemeinhin als „Kirchensteuer“ bekannt ist, inklusive der weiteren Sozialabgaben, dürfte ohne weiteres reichen, um die fehlenden paar Prozente zu finanzieren. Unsere Steuerkönige der FDP, mit Guido „Ich kann das Steuerrecht reformieren“ Westerwelle, hat bestimmt ein passendes Papier in der Schublade 😉 . Gut, das war ein Scherz. die FDP hat eine absolute Nullpeilung, was die gerechte „Steuerreform“ angeht und träumt sich was herbei… aber das wird nun zu OT-politisch. Da begrenzen wir uns doch lieber an Herrn Blums Ethiksteuer, die dann allen zugute kommt. Nächstes Jahr folgt die „Steuererhöhung“ für die Gläubigen, wärend die Kirche wegen Einsparungen ein paar tausende Mitarbeiter vor die Tür setzt und an den karitativen Ausgaben keinen Cent hinzufügt.

    Zumindest war Herr Blum mal in den Schlagzeilen dieser Welt und hat nun einen stolzen Dodo als Mitbewohner. Da kann man schon mal froh sein 🙂 .

    Gefällt mir

  4. Es ist schon erstaunlich, wie man in unserem Land, mit so wenig Anstand, Leiter eines Wirtschaftsinstituts werden kann. Da reichen wohl ein gewisses Mass an Intelligenz, Devotismus und Skrupellosigkeit aus.
    Den DODO hat sich Herr Blum nicht nur verdient, der ist ihm regelrecht zugeflogen. Glückwunsch? Der Teufel soll ihn holen!

    Gefällt mir

  5. „Fortgelobt“ nennt man das im osten, wo ich herkomme.
    Es begann direkt nach der Wende mit Beamten (die man fortlobte und mit „Buschzulage“ ruhigstellte), und wie man sieht, funktioniert auch nach 20 Jahren das System Fortloben noch.

    Der Osten als funktionale Müllkippe des Westens.
    Nicht, daß man es da nicht mitbekommt, aber es gibt nur wenig Mittel gegen solche „Fachleute“…

    Glücklicherweise zeigen sie recht bald und für fast jeden verständlich, was sie so zu bieten haben…

    Der Dodo wurde zu REcht zuerkannt.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.