Ex-Erzbischof zu 8 Jahren Haft verurteilt


Die Hiobsbotschaften über die katholische Kirche reißen nicht ab. Wegen sexuellen Missbrauchs von Untergebenen ist der ehemalige römisch-katholische Erzbischof  Edgardo Gabriel Storni von einem Gericht in Argentiniens nordöstlicher Provinz Santa Fe schuldig gesprochen worden. Obwohl die Beweislage unzweifelhaft klar war, hält er sich selber für „unschuldig“. Ist der Katholizismus ein Hort hartnäckiger seelischer Verdrängung?

Nachdem in den letzten Jahren gleich serienweise jahrzehntelange vertuschte sexuelle Übergriffe katholischer Priester in den USA und Irland ruchbar geworden waren, kommen nun zunehmend auch außerhalb der hochindustrialisierten westlichen Länder Misshandlungen ans Licht. In Argentinien ist es mit dem am 30. Dezember ergangenen Urteil gegen Storni schon der zweite Fall im Jahr 2009.

Ein halbes Jahr vorher war der katholische Priester Julio César Grassi in der Provinz Buenos Aires wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 52-Jährige, Gründer und ehemaliger Leiter der Stiftung für Kinder „Felices Los Niños“ (Selig sind die Kinder), wurde für schuldig befunden, in mindestens zwei nachweisbaren Fällen minderjährige Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Kathedrale Cordoba, Argentinien (CC-by-nc-nd/2.0 by Danny Aguilera)
Kathedrale Cordoba, Argentinien (CC-by-nc-nd/2.0 by Danny Aguilera)

Der Erzbischof von Santa Fe „im Ruhestand“ Edgardo Storni galt zu seinen Amtszeiten 1984-2002 als drittmächtigster Kleriker in der argentinischen Hierarchie und als „erzkonservativ“. (Das erinnert stark an den Fall des Ex-Bischofs von St. Pölten Kurt Krenn.) In Ausnutzung seiner Machtstellung verging er sich laut Beweiserhebung des Gerichts 1992 an dem Priester-Seminaristen Rubén Descalzo sowie mutmaßlich Weiteren, die aber vorzogen, die „Sache“ totzuschweigen.

Bereits 1994 hatte es eine nicht-öffentliche Untersuchung des Vatikans über Stornis Untaten gegeben, wobei Pontifex Johannes Paul II dem seine „Unschuld“ beteuernden Storni glaubte und ihn im Amt beließ. Das jahrzehntelang unter Albträumen leidende Missbrauchsopfer Descalzo bekommt im übrigen keine wirkliche Wiedergutmachung, nur die ersehnte Anerkennung seiner verbogenen Lebensgeschichte. Acht Jahre Haft für Storni sind in solchen Fällen gerade mal die Mindeststrafe.

In Argentinien müssen außerdem über 70-Jährige Haftstrafen nicht im Gefängnis verbüßen, sondern kommen mit „Hausarrest“ davon. Außer dem hochverdienten Verlust seines sozialen Ansehens spürt der 73-jährige Täter persönlich also sehr wenig von seiner „Haftstrafe“.

Erst die Veröffentlichung des Buches „Nuestra Santa Madre. Historia Pública y Privada de la Iglesia Católica Argentina“ der investigativen Journalistin Olga Wornat im Jahr 2003 brachte übrigens die juristische Aufarbeitung des Falls überhaupt in Gang.

Auch die Richterin María Amalia Mascheroni hat in ihrem Urteil gegen den total uneinsichtigen Storni offenkundig mildere Maßstäbe angelegt als sie bei „gewöhnlichen Bürgern“ gelten würden. Dieser Art „Doppelstandards“  in der Moral zugunsten der Kirchen gehören endlich beseitigt, ab damit auf den Kehrichthaufen der Geschichte!

Quellen:

    Wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt: Erzsünde eines Erzbischofs (taz vom 1. Januar 2010)

    Ex-archbishop sentenced in Argentina over sex abuse (BBC News 30. Dezember 2009)

    Argentine sex abuse bishop jailed (DailyGlobalNews.com 30. Dezember 2009)

    kathweb Nachrichten .:. Katholische Presseagentur Österreich (kathweb 3. Januar 2010)

    Gefängnisstrafe für Homo-Erzbischof (kreuz.net 31. Dezember 2009)

4 Comments

    1. Die Beschuldigung „Eiferertum“ wird gegen unseren Blog völlig grundlos und unzutreffend erhoben. Im Unterschied zu dieser seltsam aggressiven Attacke fußen die Beiträge und Kommentare hier immer auf tatsächlichen Vorkommnissen des Zeitgeschehens. Dass die katholische Kirche eine unrühmliche Schattenseite hatte und hat, wird von uns/mir lediglich aufgegriffen. Wer den Menschen dauernd mit angeblicher Moral die Vernunft verwirrt, muss sich daran messen lassen, wo die eigene „Moral“ versagt und zu kurz kommt. Das Problem sind nicht allein die Kinderschänder im Priestergewand sondern das jahrzehntelange Vertuschen und Verschleiern schlimmer Taten.

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