Deutschlandfunk pusht penetrant Erika Steinbachs PR


Die Chefredaktion des Deutschlandfunks (DLF) verzockt derzeit wiedermal den guten fachjournalistischen Ruf ihrer von Hörergebühren finanzierten Institution. Mit einer Penetranz sondergleichen wird seit Tagen in fast jedem Nachrichtenblock die cdu-Rechtsaußen-Politikerin Erika Steinbach mit Kampagnen-PR ausgewalzt. So viel künstlich aufgeblasene Wichtigkeit, wie der Bund der Vertriebenen-Chefin dabei zugeschanzt wird, kann sie nur bei ihren Polit-Fans oder bei Leuten, die ihr etwas „schuldig“ sind, erworben haben.

Radio-Mikrofon (CC-by-sa-nd/3.0 von Holger.Ellgaard)
Radio-Mikrofon (CC-by-sa-nd/3.0 von Holger.Ellgaard)

Muss die Nachrichtenredaktion verantworten, dass der Deutschlandfunk als cdu-naher Schwarz-Filz-Sender an den Pranger gestellt wird? Nach journalistischen Kriterien wie Nachrichtenfaktoren kann man diese auffällig breit angelegten PR-Hilfsdienste der Radiomacher niemals rechtfertigen.

Sich in die Medienkampagne einer umstrittenen Politikerin wie Steinbach derart einspannen zu lassen, ist mit der Neutralität und dem journalistischen Prinzip einer öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalt nicht vereinbar.

Geht dem Radiohörer schon dieses Propaganda-Trommelfeuer entsetzlich auf die Nerven, so sind auch die Formulierungen der einzelnen Meldungen oft journalistisch mindestens grenzwertig. Von neutralem Standpunkt in Bezug auf die „Causa Steinbach“ wird mehr oder minder subtil „abgesehen“.

Sollte man leichtfertigerweise darauf hoffen, dass der Hörfunkrat des DLF der Chefredaktion die Ohren langzieht? Nein, denn wenn von dieser Seite etwas „passieren“ könnte, dann wäre eine solche Penetranz nicht vorgefallen. Außerdem sitzt – versteht sich – ein Lobby-Vertreter des Bundes der Vertriebenen in diesem Gremium. Das kommt von der Tradition und weil es den csu-Einfluss stärkt, nicht etwa von einer nachweisbaren Relevanz dieser Ewiggestrigen-Gruppierung.

Belege:

CSU fordert Außenminister Westerwelle in der Personalie Steinbach (DLF vom 3. Jan. 2010)

Steinbach bereitet Kompromissvorschlag für Stiftungsrat vor … (DLF vom 4. Jan. 2010)

Steinbach bietet Verzicht auf Stiftungsratssitz an (DLF vom 5. Januar 2010)

Vertriebenen-Präsidentin Steinbach präzisiert Bedingungen für …  (DLF vom 5. Januar 2010)

Steinbach -Forderungen zu Vertriebenen-St iftung umstritten (DLF vom 5. Jan. 2010)

Union und FDP wollen in der kommenden Woche über Steinbach … (DLF vom 5. Jan. 2010)

Bundestags-Vizepräsident Thierse nennt Steinbach-Forderungen … (DLF vom 5. Jan. 2010)

Steinbach -Forderungen zum Vertriebenen-Zentrum sorgen für Streit (DLF vom 5. Jan. 2010)

Steinbach verteidigt Bedingungen für Verzicht (DLF vom 6. Jan. 2010)

Vertriebenenpräsidentin Steinbach verteidigt Kompromiss-Vorschlag (DLF vom 6. Jan. 2010)

Deutschlandfunk – Presseschau vom 06.01.2010 07:00

DLF-Interview – Pieper: Erika Steinbach muss „auch eine Einsicht haben“ (DLF vom 17. Dez. 2009)

Sichtbares Zeichen (Tagesspiegel vom 5. Jan. 2010)

2 Comments

  1. Das Prinzip ist schlichtweg, wenn du einen Bericht geschrieben hast, schreibt sich der nächste leichter. Eigentlich ist es schon merkwürdig wie wenig über die Vertriebenen geschrieben wird, die man in der Nachkriegszeit schamhaft und sozial stigmatisierend in Baracken hausen liess.

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    1. „merkwürdig wie wenig über die Vertriebenen geschrieben wird“

      Ich weiß nicht, wie Du auf sowas kommst? Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ war bei uns Schullektüre. Und ist es wohl noch heute. Ich erinnere mich an einen Haufen Filme und Theaterstücke. Besonders ein sehr gutes Drama, das im Alten Land bei Hamburg spielt.

      Über den desolaten Haufen schwarzbrauner Ewiggestriger und Chauvinisten, der sich in den sogenannten „Landsmannschaften“ organisiert und die von Steinbachs „Bund der Vertriebenen“ repräsentiert werden, über die kann man schlicht nichts Gutes sagen oder berichten.

      Dass sich Steinbach aus Steuergeldern ein „Prestige-Mausoleum“ bezahlen lassen will, über das sie aber das Sagen haben möchte, das ist eine mittlere Unverschämtheit, die man unbedingt zurückweisen muss. Alle vernünftigen Leute tun auch eben dies.

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