Ich wollte doch zum Mond fliegen


"Ich würde gern den Zusammenhang verstehen, wie aus den Eigenschaften der Einzelmoleküle das Verhalten des Ensembles entsteht", sagt die Molekularbiologin Renée Schroeder. In ihrem Wittgenstein-Projekt analysiert sie derzeit Trilliarden von RNA-Daten.

Die Molekularbiologin und Wittgenstein-Preisträgerin Renée Schroeder ist fasziniert von komplexen Systemen. Sie erzählt, was sie von frauenfeindlichen Strukturen, Religion und Wikipedia hält

derStandard.at

Standard: Ich habe Sie vor einigen Jahren bei einer Podiumsdiskussion mit vier, fünf Männern gesehen. Als Ihnen erstmals das Wort erteilt wurde, meinten Sie voller Sarkasmus: „Ah, die Quotenfrau darf jetzt sprechen.“ Hat sich die Situation seither gebessert? Gibt es mehr Frauen in den Wissenschaften, die sich in solchen Foren Gehör verschaffen können?

Schroeder: Es gibt mehr, aber es ist immer noch so, dass Podiumsdiskussionen zum Beispiel zum Thema „Wissenschaft und Religion“ mit einer Handvoll Männer, aber nur mit einer oder keiner Frau besetzt werden. Ich muss dann mehreren Rollen gerecht werden. Ich bin die Frau, die Feministin, die Atheistin, die Wissenschafterin. Die Männer dagegen sitzen alle mehr oder weniger im gleichen Lager, dennoch muss jeder nur eine Position vertreten, ob sie nun religiös, konservativ oder vorurteilsreich gegenüber manchen Wissenschaften sind. Dieses Ungleichgewicht empfinde ich oft als sehr schwierig.

Standard: Trotzdem werden Sie nie müde, in diese vielen Rollen zu schlüpfen?

Schroeder: Ich könnte wahrscheinlich, würde ich jede Einladung annehmen, jeden zweiten Tag meinen Senf zu irgendeinem Thema abgeben. Nein, mir wird es nicht langweilig, gegen dieses Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen aufzutreten. Frauen werden immer noch oft übersehen und ignoriert. Man vergisst ja gerne, dass bis Mitte der 1980er-Jahre im Eherecht verankert war, dass sich die Frau dem Mann unterordnen muss, gehorsam sein muss. Diese Missachtung der Frauenrechte hat ihre Ursache in den Religionen.

Standard: Dieses Argument einer Atheistin ist jetzt nicht gerade überraschend.

Schroeder: Es ist Tatsache: In der Bibel oder im Koran oder der Tora haben Frauen keine Stimme. Die einzige Frau, die hier Bedeutung hat, ist die Jungfrau, die rein sein muss, rein durch Leiden. Das ist ein verheerendes Bild. Im Islam verhüllt die Frau ihr Gesicht. Das ist das Bild einer unterworfenen Frau, die nicht sichtbar sein darf. Es gibt zwar viele Frauen, die sich freiwillig verhüllen und sich sehr wohl zu Wort melden. Das Bild der Frau, die ihr Gesicht verstecken muss, bleibt aber für mich negativ.

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Danke für den Tipp yeRainbow.

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