Trugschluss: Joggingschuhe oft ungesund


Eine Gruppe US-Forscher an der University of Virginia in Charlottesville hat herausgearbeitet, dass die heute handelsüblichen Joggingsportschuhe häufig extrem die Knie- und Hüftgelenke belasten. Ursächlich dafür sind der erhöhte Fersenbereich und die zusätzlichen Verstärkungen der Sohle im Mittelfußbereich bei den aktuellen Laufschuhen.

Das Deutsche Ärzteblatt vom 5. Januar 2010 zitierte als Sprecher den Forscher Geoffrey Keenan:  Entwickler von Joggingschuhen sollten sich künftig mehr am Barfußlaufen orientieren. Im Experimentalaufbau hatten die Forscher 68 gesunde, erfahrene Läufer beiderlei Geschlechts, die pro Woche mindestens 24 Kilometer absolvierten, zuerst mit und dann ohne solche Laufschuhe auf einem Laufband ihr normales Pensum absolvieren lassen.

Die Hüfte wurde gemäß der Studie mit Laufschuhen im Durchschnitt um 54 Prozent stärker belastet als beim Barfußjoggen, im Knie lagen die Werte zwischen 36 und 38 Prozent.

Überraschenderweise waren die ermittelten Belastungswerte höher als jene, die in früheren Studien für das Laufen mit hochhackigen Damenschuhen („high heels“) ermittelt worden seien. Durch die Stabilisierung des Fußes werde im Kontrast zum Barfußlaufen offenbar der Bewegungsablauf derart stark verändert, dass die übrigen Gelenke der Beine dadurch regelrecht geschädigt werden können.

Laufschuhe z.B. (gemeinfrei, Wikipedia)
Laufschuhe z.B. (gemeinfrei, Wikipedia)

Kritisch ist anzumerken, dass die Zahl der Versuchspersonen eine etwas kleine Basis  für weitreichende, verallgemeinerbare Folgerungen sein mag. Allerdings sind die Resultate – sofern sie von anderen Forschern reproduzierbar bestätigt werden – alarmierend für einen alltagsrelevanten Teilbereich der sportlichen zeitgenössischen Gesundheitsaktivitäten.

In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift der US-Akademie für Sportmedizin und Rehabilitation „The journal of injury, function and rehabilitation“ (2009; 1: 1058-1063) findet man den Aufsatz im engl. Volltext.

Der äthiopische Marathonläufer Abebe Bikila lief bei den Olympischen Sommerspielen 1960 übrigens ohne Schuhe und gewann leichtfüßig die erste Goldmedaille für Afrika.

Mit der bewußten Auswahl eines günstigen Laufstils kann man die Gelenkbelastungen übrigens deutlich verringern. Das steht laut einem belgisch gehosteten Blog in einer Studie der Eidgenössichen Sportschule Magglingen (Schweiz).

Demnach sollte sich der Laufstil fließend aus dem schnellen Gehen heraus entwickeln. Es sei darauf zu achten, dass die Füße weich abrollen könnten. Die Schweizer Forscher empfehlen, nicht dauernd im gleichen Stil zu laufen, vielmehr von Zeit zu Zeit zwischen Fersen- und Ballenlauf zu wechseln.

Ein flüssiger Laufstil, wie er bei den meisten Topläufern anzutreffen sei, ist für die Gelenke schonender als ein stampfender Laufschritt bei Erschöpfung wie er bei Hobbyläufern häufig vorkommt. Richtig schlimm wirkt sich aus, wenn untrainierte Läufer zu viele Kilometer pro Woche laufen. Dann können enorme Gelenkschädigungen entstehen.

Quellen:

    Laufschuhe belasten Gelenke: Schlimmer als barfuß (Sueddeutsche.de vom 5. Jan. 2010)

    Richtiger Laufstil entlastet die Gelenke (Blog hungerast.be vom 6. Jan. 2010)

    Hi-Tech Laufschuhe sinnlos? (blog.hitzinger.net vom 14. März 2009)

    Review: Is your prescription of distance running shoes evidence-based? (Br J Sports Med 2009;43:159-162 doi:10.1136/bjsm.2008.046680 vom 18. April 2008)