Blamable Inkompetenz bei der Auftragsvergabe


Was haben die spanische EU-Ratspräsidentschaft und die deutschen Kreditinstitute gemeinsam? Beide haben sich in jüngster Zeit sterblich blamiert. Durch Auftragsvergabe bei hoch sicherheitsrelevanten Projekten an offenkundig inkompetente Unternehmen gaben sie sich naiv wie Hans im Glück dem allgemeinen Gelächter preis.

Die mit der lange bekannten Sicherheitslücke cross-site scripting (XSS) auf Mr. Bean statt Regierungschef Zapatereo umgehackte offizielle EU-Rats-Website ist tatsächlich höchst lustig anzuschauen.

Satyr schaut zu (GFDL auf Wikimedia Commons)
Satyr schaut zu (GFDL auf Wikimedia Commons)

Ursache ist die Vergabe eines 12 Millionen Euro schweren Website-Wartungsauftrag an den spanischen Telecom-Konzern Telefonica. Dort strich man gerne die fette Steuergeld-Zuwendung ein und nahm die Aufgabe dennoch nicht ernst. Sind eigentlich dafür verantwortliche „Managerköpfe gerollt“? Die Medien lassen einen da mal wieder im Stich, nudeln lieber Pseudo-Wichtigkeiten wie die Causa Steinbach rauf und runter.

Tja, das erinnert fatal an die LKW-Maut-Superpanne des Jointventure-Tochterunternehmens der Konzerne Daimler AG und Deutsche Telekom namens „Toll Collect„, das statt wie vereinbart im Januar 2003 doch erst ab Januar 2006 wirklich funktionierte.

Ebenso hochnotpeinlich ist die neueste Kreditkarten-„Panne“ der Banken und Sparkassen. Weil ein „goldener Chip“ das neue Jahr 2010 nicht korrekt auslesen kann, stehen Zehntausende Kunden plötzlich ohne Bargeld da. Die Vorstellung ist von einer erhabenen Lächerlichkeit, dass „so etwas“ im 21. Jahrhundert mal eben so passieren kann.

Und dann verkünden diese Pannen-Unternehmen auch noch frech, dass sie die Kosten für die fällige Kreditkarten-Austausch-Aktion scheuen und sie versuchen wollen, die Leute auf Reparatur-Software zu vertrösten.

Quellen:

    Mr Bean ousts Zapatero from Spain’s EU website (Guardian vom 5. Jan. 2010)

    Fragen und Antworten: Was Sie zur Bankkarten- Panne wissen müssen (ARD, tagesschau.de 6. Jan.  2010)

    Chip-Panne bei EC- und Kreditkarten. Bekommen Bankkunden jetzt eine Entschädigung? (Blog Flensburg online 6. Jan.  2010)

    REWE Group nicht betroffen (Pressemitteilung mit feiner Ironie vom 6. Jan.  2010)

    Banken wollen Austausch von Millionen EC- und Kreditkarten vermeiden (AFP-Meldung bei google vom 6. Jan.  2010)

    Millionen Pannen-Kreditkarten: Klebefilm-Trick hebelt 2010-Fehler aus (SPon vom 6. Jan.  2010)

Update 7. Jan. 2010:
Banken informieren nur schleppend über Panne (ARD, tagesschau.de 6. Jan. 2010)
Die Probleme mit EC- und Kreditkarten bestehen fort – und die Banken informieren mehr als schleppend darüber. Verbraucherschützer übten deshalb harsche Kritik. Zumindest ist nun der Urheber des Softwarefehlers bekannt: Die Firma Gemalto übernahm die Verantwortung, hat aber noch keine Lösung parat.