Der Drache auf dem Sprung


Quelle: data.motor-talk.de/

Von Prof. Axel Meyer, Ph.,D., Evolutionsbiologe Universtät Konstanz

Die wissenschaftliche Vormacht der USA schwindet. China holt Talente zurück.

Der Erfolg der Wissenschaft in den USA hängt von der Rekrutierung ausländischer Talente ab. Vor allem der Zweite Weltkrieg brachte sehr viele europäische Talente in die USA. Ohne die Peenemünder Raketenforscher um Wernher von Braun wäre das Apollo-Programm wohl nicht möglich gewesen. Ein großer Teil der „amerikanischen“ Nobelpreisträger wurde in Europa geboren.

Meine Kollegen in den USA beklagen seit langem, dass sie nicht mehr genug weiße, insbesondere männliche
Forscher aus den USA rekrutieren können. Zu viele der klügsten Studenten wollen lieber mehr Geld verdienen und weniger lange Tage im Labor verbringen. So studieren sie für den M.D. (medizinischen Doktor) oder häufiger noch für den MBA-Abschluss statt für den Ph.D. (Dr. rer. nat.). Wie in Deutschland fand in den USA ein Wandel statt. 1971 studierten laut einer UCLA-Befragung von 400 000 Studienanfängern in den USA73 Prozent mit dem Ziel einer „sinnvolleren Philosophie des Lebens“ und nur 37 Prozent, um finanziell zu profitieren. 2009 dagegen wollten 78 Prozent mehr Reichtum und nur 48 Prozent ein sinnvolleres Leben. „Business“ ist seit 15 Jahren das beliebteste Studium in den USA.

Seit einiger Zeit sind asiatische Länder, vor allem China und Indien, die größten „Zulieferer“ von Studenten für die USA. Die Abhängigkeit zeigte sich nach 9/11, als die Visabestimmungen strenger wurden und viele asiatische Doktoranden nicht mehr einreisen konnten. Massiver Druck der Universitäten und Forschungsorganisationen änderte das. Sonst hätten einige Fachbereiche schließen können, in denen über 75 Prozent der Mitarbeiter Asiaten sind. Allein 2008 kamen 180 000 Studenten aus China in die USA, 25 Prozent mehr als 2007. Immer mehr chinesische Familien können es sich leisten, die Studiengebühren in den USA zu bezahlen. In den letzten Jahrzehnten ging weniger als ein Viertel von ihnen nach dem Abschluss zurück nach China. Für die USA ein Riesengewinn im Wettbewerb um kluge Köpfe.

Es zeichnet sich aber ab, dass China bald die USA auch in der Wissenschaft einholen wird. Im letzten Jahrzehnt haben die Chinesen die Zahl wissenschaftlicher Publikationen vervierfacht. 2007 haben nur die USA mehr veröffentlicht. Sicher ist Quantität nicht gleich Qualität. Bisher hat noch kein Chinese einen Nobelpreis für Forschungen erhalten, die in China durchgeführt wurden. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Denn China holt immer mehr seiner Toptalente aus den USA zurück – mit besseren Angeboten, als sie selbst Eliteuniversitäten in den USA machen können. Es ist an der Zeit, dass auch Deutschland den Trend erkennt und Wissenschaft als Lebensentscheidung wieder attraktiver macht.