Wissenschaft und Religion, heikle Mission


Sinkender Zuspruch. Die theologischen Fakultäten (hier eine Vorlesung für evangelische Theologie in Bochum) sind oft nicht ausgelastet. Größere Nachfrage verzeichnen dagegen die Religionswissenschaften, die aber deutlich weniger Professuren haben. Foto: picture-alliance/epd epd-bild

Von Claudia KellerDer Tagesspiegel

Theologie und staatliche Universitäten stehen in einem Spannungsverhältnis. Jetzt nimmt sich der Wissenschaftsrat des Themas an

Zwei Jahre hat die Arbeitsgruppe gebrütet und ein Papier erarbeitet, das äußerst diskret behandelt wird. Seit Mittwoch tagt der Wissenschaftsrat – hinter verschlossenen Türen. Denn das Thema enthält Zündstoff: Wie kann der Islam an den deutschen Universitäten integriert werden? Ist es noch zu rechtfertigen, dass die christliche Theologie einen Sonderstatus hat und die Kirchen Einfluss auf die Universitäten nehmen? Wie können Theologie und Religionswissenschaft weiterentwickelt werden, um Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen zu geben?

Heute will der Wissenschaftsrat die Empfehlungen der Arbeitsgruppe zu diesen Fragen verabschieden, am Montag sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Die Empfehlungen enthalten Überraschungen“, sagt der Trierer Historiker Lutz Raphael, der die Gruppe geleitet hat. Und wenn ein besonnener, respektvoller Wissenschaftler von „Überraschungen“ spricht, kann man durchaus kleine Revolutionen erwarten.

Zum Beispiel im Verhältnis von Theologie und Religionswissenschaft. Grob gesagt liegt der Unterschied zwischen den Fächern darin, dass die Theologen eher die religions- und glaubensbezogenen Inhalte des Christentums erforscht, die Religionswissenschaftler die kulturellen und soziologischen Aspekte von Religionen. Bei der Theologie haben die Kirchen ein Wort mitzureden, was ihnen in Staatskirchenverträgen garantiert ist. Bei der Religionswissenschaft nicht.

Die Religionswissenschaften wirken in der Öffentlichkeit oft „zeitgemäßer“, weil sich ihre Erkenntnisse leichter vermitteln lassen als Bibelexegese. Die Religionswissenschaften erfreuen sich zudem wachsenden Zuspruchs, während die Zahlen der Studenten mit Hauptfach Theologie bröckeln. Und doch fristen die Religionswissenschaften bislang ein Schattendasein mit oft nur einem Professor, während es bundesweit 18 katholische und 21 evangelische theologische Fakultäten mit verhältnismäßig üppig ausgestatteten Professorenstellen gibt.

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7 Comments

  1. Also Student der katholischen Theologie (ok, nur Nebenfach, aber immerhin) kann ich sagen, bis auf Hebräisch und Thomas von Aquin hat mir das Fach schon Freude bereitet, doch muss ich der Theologie den Anspruch der Wissenschaftlichkeit absprechen. Religionswissenschaft ist m.E. der einzig gangbare Weg, sich dem Phänomen Religionen zu nähern, für die Ausbildung der Frontschafe sollen die Vereine der Feengläubigen jedoch selbst aufkommen. Ebenso haben diese nichts an deutschen Schulen verloren, wenn dort Religion behandelt werden soll nur in der Form der Religionswissenschaften. Jesses, ich meine wenn die Eltern ihren genetischen Fackelträgern nicht selbst diesen Blödsinn eintrichtern, warum soll dann die Schule oder Universität diesen „Mangel“ beheben.

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  2. ja, ehe die Schäfchen alle wegrennen und Atheisten werden, da verbündet man sich doch lieber mit der Konkurrenz.
    Denn die Konkurrenz sieht es letztlich ja genauso, während die Abtrünnigen…
    nun ja.
    Die Moslems haben einen vorsprung, was das Missionieren betrifft. Bei denen ist es die Pflicht eines jeden Gläubigen.
    Ob sich die Christenführer das gut überlegt haben?

    glaub nicht.

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  3. und auf der anderen seite diskutiert man über die ausbildung von imamen an den unis – bin ja mal gespannt, ob da dann auch religiöse vereinigungen mitspracherechte bekommen (oder nur unsere innenminister)?

    btw@raskalnikow
    ich liebe dieses motto:
    Laizismus jetzt
    🙂

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  4. Religionswissenschaften kann ich ja noch gutheissen, sofern sie ihrem Namen gerecht werden und auch wirklich Religionen untersuchen und nicht bloss das eine Christentum. Der Theologie spreche ich hingegen glatt jegliche Existenzberechtigung an einer Universität ab – Universitätsgeschichte hin oder her. Nichtchristliche Steuerzahler sollen eine solche Pseudowissenschaft finanzieren? Und der Sitz an einer Universität verleiht den Scharlatanen auch noch einen Anstrich von Wissenschaftlichkeit… Nein danke, so etwas darf man einfach nicht tolerieren!
    Laizismus jetzt – wir warten schon seit der Aufklärung darauf!

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