„Sexuallehre weit entfernt vom realen Alltag“


Canisius-Kolleg, Quelle: kathnews

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Jesuit Mertes greift Kirche scharf an.

Nach Bekanntwerden sexueller Missbrauchsfälle am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin übt nun dessen Rektor, ein Priester der Gesellschaft Jesu (SJ), scharfe Kritik an der Kirche. Dies meldet die Agentur „AFP“ unter Berufung auf ein Interview mit Pater Klaus Mertes, dass der Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ heute veröffentlichte. Mertes unterstellte der Kirche demnach, dass sie an „Homophobie“ leide und das Thema Homosexualität gänzlich verschweige. Daher seien Kleriker mit homosexuellen Neigungen oft unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert würden, so der 55-jährige Jesuit, der das Gymnasium seit 2000 leitet.

Darüber hinaus sieht Mertes scheinbar allgemein ein Problem in der kirchlichen Sexualmoral. So bemängelte er, dass sich die kirchliche Sexuallehre derart weit vom realen Alltag und den Fragestellungen junger Menschen entfernt hätte, dass zwischen der Kirche und der jungen Generation Sprachlosigkeit herrsche. Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag sagte Mertes, sieben Fälle seien bislang bekannt, er gehe jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Die beschuldigten Priester hätten die vom Jesuitenorden geführte Schule Ende der 1980er Jahre verlassen und seien auch nicht mehr Mitglied der Gesellschaft Jesu. Einer der beiden Männer bestreite die Vorwürfe nicht. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

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