Der Glaubensterror von Scientology


Scientology Headquarter Berlin, Quelle: Brightsblog

Von Martin U. MüllerSpiegel online

Mit großem Geheimniskrämer-Tamtam hat die ARD das wahre Schicksal eines Aussteigers verfilmt. Das TV-Team fürchtete schon während des Drehs Ärger.

Heiner von Rönn könnte eine ziemlich erschütternde Liste erstellen mit Menschen und Werten, die er an Scientology verloren hat: Abertausende Euro, zehn Jahre seines Lebens, seine damalige Frau und seine beiden Kinder.

15 Jahre nach seinem Ausstieg aus dem Psycho-Imperium stand er kürzlich wieder mittendrin in seiner eigenen Vergangenheit, den Begriffen und Bedrohungen von einst. Seine Geschichte ist echt, die Kulisse war es nicht: In den nachgebauten Räumen einer Scientology-Niederlassung drehte ein Filmteam ein TV-Drama über eine Familie, die letztlich an der Organisation zerbrach. Die Story lehnt sich an Rönns Leben an, die gesamte Mannschaft des federführenden Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) ging mit seltener Heimlichtuerei zu Werke.

Auf den Schildern, Drehbüchern, selbst auf der Regieklappe – überall stand als Titel „Der Tote im Sund“. Es war ein Tarnname, weil die Dreharbeiten für diesen ARD-Film absolut geheim gehalten werden sollten. Erst diese Woche wollen die Verantwortlichen an die Öffentlichkeit gehen: Am Dienstag möchten sie das fertig gedrehte Projekt präsentieren, das schließlich am 31. März unter dem Titel „Bis nichts mehr bleibt“ gezeigt werden soll.

Zum ersten Mal wird es also einen Spielfilm geben, in dem es um Scientology geht. Glaubensterror als Abendunterhaltung. Ist die ARD mutiger geworden? Oder Scientology schlichtweg harmloser?

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5 Comments

  1. Die Programmrichtlinien der ARD besagen u.a. folgendes:

    Eine „freie, umfassende und wahrheitsgemäße Meinungsbildung“ muss sichergestellt werden.

    Die „Toleranz im Sinne der Achtung von Glauben, Meinung und Überzeugung der Mitmenschen“ ist zu fördern.

    „Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten.“

    Da die Scientology Kirche im Vorfeld des Spielfilmes nicht gefragt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass gegen die eigenen Programmrichtlinien verstoßen wird. Ganz offensichtlich wurde hier nur in eine Richtung recherchiert. Wenn es solche Befürchtungen vor rechtlichen Auseinandersetzungen gibt muss man doch die Frage stellen wovor die ARD wirklich Angst hat. Das alle möglichen Klischees nun in einen Spielfilm gepackt wurden und man sich vielleicht selber nicht so wohl in seiner Haut fühlt? Wenn bereits 5 Anrufe seitens der Scientology Kirche bei der Produktionsgesellschaft als Bedrohung aufgefasst werden dann wird diese Sache doch schon bald komisch.

    Da die Produzenten offiziell verlauten lassen, dass es ein Film ist der Scientology angreift, ist hier die Reaktion der Scientologen eher sachlich, die zu Recht die Authentizität des Filmes im Frage stellen.

    Die Geheimnisstuerei der ARD ist wohl für jeden intelligenten Menschen als Marketing Aktion erkennbar, welche die unspektakuläre Story (Eine Scheidung – Streitigkeiten – Kinder wollen nichts mehr mit dem Vater zu tun haben) aufpeppen soll.

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  2. Wer Scientology so verharmlost wie Herr Süß es tut, hat sich entweder nicht mit dem Thema beschäftigt oder ist Anhänger und versucht es – wie viele Kultisten – zu relativieren.

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  3. Ich boykottiere Filme und TV-Sendungen der Scientologen Tom Cruise und John Travolta aus Prinzip schon seit jeher. Würde dieser Boykott von mehr Menschen mitgetragen, könnte dies sehr wohl Wirkung zeitigen. Ein maßenhafter Boykott würde automatisch für mehr Öffentlichkeitswirkung sorgen. Dass die ARD jetzt einen Film über die SC-Problematik produziert hat, ist zu begrüssen. Konsequent wäre es allerdings gewesen, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender schon zuvor darauf hingewirkt hätten, dass prinzipiell keine Scientologen zu Shows wie z.B. „Wetten, daß !?“ eingeladen werden.

    Immerhin, ein kleiner Fortschritt gegenüber den Achtzigerjahren. Da hing z.B. im Landratsamt Ludwigsburg noch ein Scientology-Werbeplakat mit dem berühmten Bild von Einstein aus. Bei dieser Behörde war man zunächst höchst erstaunt, dass ich als Bürger darum bat, dieses Plakat zu entfernen. Ich mußte die Sekretärin des Landrats erst eingehend über die SC aufklären. Es dauerte aber noch bis 1997 bevor der Verfassungsschutz die SC zu überwachen begann.

    Dass es sich bei der SC um eine kriminelle Organisation handelt, wußte ich schon vor 30 Jahren. Einer meiner Freunde, der sich auf der Straße mit der SC angelegt hatte, erhielt damals eine telefonische Morddrohung, die er auf Tonband aufgenommen hatte. Er war damals als Feldjäger in München stationiert und wunderte sich sehr, wie es der SC gelingen konnte, seine Identität, seine private Anschrift und Tel.-Nr. festzustellen. Ein beredter Hinweis auf die Möglichkeiten der SC-Security Guards.

    Einen persönlichen Eindruck von der SC gewann ich, indem ich den Fragebogentest anonym ausfüllte und „analysieren“ ließ. Zu einer SC-Tagung im Hotel Europe in Stuttgart konnte ich mich einschleusen, da sich Teilnehmer aus ganz Deutschland dort trafen und sich untereinander nicht kannten. Von diesem Treffen habe ich seinerzeit die Behörden in einem längeren Bericht informiert. Beinahe aufgeflogen wäre ich bei diesem Treffen, weil ich die Aufforderung des Tagungsleiters, einen „Brief an Ron“ zu schreiben, ignorierte. Ich entschuldigte dies mit dem Hinweis, dass ich meine Brille zu Hause vergessen hätte. Danach hatten mich aber die Guards stets im Auge behalten und folgten mir am Ende der Veranstaltung. Es gelang mir dann aber, sie abzuschütteln.

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  4. Das ist nur ein Spiegelgefecht zwischen 2 institutionellen Seelenfängern. Indem man den einen schlecht macht, will man sich bzw. diejenigen, die sich ‚altruistisch‘ um Sektenaussteiger kümmern, aufwerten. Daß extreme Vereinnahmung, verbunden mit der Aufforderung, Kontakt mit allen anderen, ‚Ungläubigen‘ oder auch Angehörigen staatlich anerkannter Konfessionen den Kontakt abzubrechen, unangekündigte Hausbesuche im Namen Jesu direkt hier stattfinden, geht da unter. Stichworte: charismatische Erneuerung, Philadelphia-Gemeinde, Gemeinde auf dem Weg etc.
    Es geht so weit, daß Ex-BDI-Präsident H.O. Henkel in Panorama oder Aspekte, also mit Rundfunkgebühren finanziert, als Opfer einer von Scientology orchestrierten Verleumdungskampagne dargestellt wird. Der Ex-BDI-Präsident braucht die Scientology oder sonst wen nicht, um schlecht da zu stehen.

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