Islamkonferenz: Entsorgung der Kritiker


Die programmatisch betriebene Schönfärberei des Bundesinnenministeriums, was das PR-Projekt „Deutsche Islamkonferenz“ (DIK) angeht, verträgt offenbar keine Kritiker. Die beiden türkischstämmigen Aufklärerinnen Seyran Ates und Nekla Kelek sollen, wie vorzeitig bekannt wurde, offenbar beim nächsten DIK-Treffen nicht mehr dabei sein dürfen. Sie stören, indem sie unverdrossen auf Uneingelöstes und Bigottes hinweisen, das erwünschte Harmoniebild, wonach sich die Konferenz als „Rahmen für den Dialog zwischen Staat und Muslimen bewährt“ (Thomas de Maizière) habe.

Ausgesperrt? (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Wenig rühmlich für die deutsche Journaille ist dabei, dass nicht etwa deutsche Qualitätszeitungen sondern die türkische Tageszeitung Hürriyet „aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen“ zuerst über diese Absichten im Bilde war. Dort stand zu lesen, dass „Berlin diese drei Namen streicht“. Als dritter künftig „wegfallender“ DIK-Podiumsteilnehmer wird Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats, genannt. Ihm sagt man zu große Nähe zu islamistischen Positionen nach.

Eine Presseprecherin des Innenministeriums vermochte laut taz vom (5. Feb.) die Nachricht der Hürriyet vorerst nicht zu bestätigen. Sie sprach jedoch davon, es seien „strukturelle Änderungen bei der Konferenz geplant“. Diese schönfärberische Umschreibung bedeutet im Code der Unternehmens-PR üblicherweise, dass eine berufliche Position zur Disposition steht und die Kündigung des Stelleninhabers wahrscheinlich ist.

Man kann es nur als demokratisches Versagen der Regierung bezeichnen, sollte sich die Ausladung der beiden Kritikerinnen für die im Mai 2010 anstehende Konferenz bestätigen. Ich sehe das ganz ähnlich wie Thomas Pany in Telepolis vom (5. Feb.): ihre Stellungnahmen gehören zum Aufschlussreichsten, was die Islamkonferenzen seit 2006 an Zwischenergebnissen erbracht haben.

8 Comments

  1. Zensur bei den Humanisten! Interessant Werde Bastiaan daran erinnern wenn er auf der Piratenliste mal wieder Paranoid von Zensur und Untergang des Abendlandes schwadroniert

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  2. Der Punkt ist doch das es sich bei der Islamkonferenz um eine staatliche Veranstaltung handelt. Also darf auch der Staat entscheiden wer Teilnimmt und wer nicht. Das Innenministerium hat verlauten lassen es wolle künftig andre Schwerpunkte setzen. Vielleicht haben Ates und Kelek zu diesen Schwerpunkten schlicht nichts beizutragen? Abgesehen davon hat keleks ewiges Eindreschen auf den Islam die Debatte in diesem Land speziell in letzter Zeit auch nicht unbedingt weitergebracht.

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    1. @Henning
      Eine andere Meinung darf man gerne beisteuern auf diesem Blog. Gefordert sind allerdings Sachbezogenheit und Argumente. Attacken ad hominem, Offtopic- und Verbalinjurien gegen Autoren sind unerwünscht und werden nicht geduldet. Wer hier kommentiert, sollte ein gewisses Niveau nicht unterschreiten, sonst wird er gar nicht erst freigeschaltet.

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