Warum Max Bense Atheist sein musste


Bis 1979 lehrte Max Bense als Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie in Stuttgart.

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Als Martin Heidegger im Februar 1951 in Stuttgart einen Vortrag über «Die Sprache» hielt, da wurde er ausgelacht. Der große Philosoph sprach sehr salbungsvoll, etwa so: «Die Sprache.» Große Pause. «Die Sprache spricht.» Pause. «Die Sprache SPRICHT.» Wieder große Pause. «Die SPRACHE spricht.»

Dann ging es weiter über das «Unter», den «Schied» und den «Unterschied». «Es war für uns einfach nur lächerlich», berichtete Elisabeth Walther, die damalige Mitarbeiterin und spätere Ehefrau des Philosophen Max Bense, der Heidegger nach Stuttgart eingeladen hatte.

Heidegger und Bense – gegensätzlicher können zwei Denker nicht sein. Zwischen diesen extremen Polen hat die gesamte Philosophie des 20. Jahrhunderts Platz. Auf der einen Seite der mystizistische Existenzphilosoph, der archaisierend und raunend die «Seinsvergessenheit» des Menschen und das «Gestell» der modernen Technik beklagt. Auf der anderen Seite der technizistische Rationalist und Neopositivist, der Metaphysik und Poesie ersetzt durch Informationstheorie und Computerkunst.

Bense, der vor 100 Jahren – am 7. Februar 1910 – in Straßburg geboren wurde und 1990 in Stuttgart starb, war das Enfant terrible der Adenauerzeit. Er provozierte den restaurativen Zeitgeist und warf seinen Gegnern Dilettantismus vor. Kein Wunder, dass sich die baden-württembergische Landesregierung zunächst weigerte, Benses außerordentliche Professur an der Technischen Hochschule Stuttgart in ein persönliches Ordinariat umzuwandeln. Es kam zum Streit und Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger (CDU) giftete am 2. März 1961 im Landtag: «Was ich nicht ertragen will, das ist die monströse, beleidigende und verleumderische Kritik eines solchen Mannes.»

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