Über das „Weltjudentum“


Der Front-Seitenkopf des «Sigriswiler Anzeigers» und eine der antisemitischen Passagen von Otto Grossglauser. Bild: zvg

Antisemitische Hass-Schrift flatterte in alle Briefkästen

Von Marc Imbodenbazonline.ch

«Das Weltjudentum hat die Ausraubung gewisser reicher Länder längst begonnen.» Otto Grossglauser aus Aeschlen bei Thun veröffentlichte in einem privaten Anzeiger eine antisemitische Hass-Schrift.

Wer die Nummern 3 und 4 des «Sigriswiler Anzeigers», einer Publikation am Thunersee, gelesen hat, rieb sich erstaunt die Augen und kämpfte gegen Übelkeit an. Auf insgesamt fünf Seiten liess sich Otto Grossglauser aus Aeschlen/Sigriswil in einer Art Leserbrief über die Lage der Welt aus und verbreitete verworrene Verschwörungstheorien von der Durchsetzung einer globalen Diktatur.

Seine Fantasien und Konstrukte öffentlich zu verbreiten, ist kein Verbrechen, sofern kein Verstoss gegen das Strafgesetz vorliegt. Doch Otto Grossglauser, Verfasser des Elaborats «Agenda 21 – Die Durchsetzung einer totalitären Weltherrschaft», liess es nicht bei Verschwörungsstheorien bewenden, sondern outete sich als Antisemit. Seine Formulierungen sind so krass, dass auch dem juristischen Laien klar wird, dass damit die Bestimmungen des Anti-Rassismusgesetzes verletzt sein könnten. Grossglauser schrieb:

♦ «Das organisierte Weltjudentum (Zionismus) hat die totale Ausraubung gewisser reicher Länder, wie Deutschland, Schweiz, Österreich und anderer Staaten längst begonnen.»

♦ «Das Prinzip der Weltanschauung der Zionisten ist Zerstörung. Darauf kann nichts entstehen, das es wert wäre, Leben genannt zu werden.»

♦ «Die Wahrheit (…) wird strafrechtlich verfolgt, wenn sie mit den Interessen des Staates und der Macht im Staat, den Zionisten, nicht konform ist.»

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