Bomb them, Obama!


Screenshot Brightsblog

Von Lorenz JägerFAZ.NET

Daniel Pipes hat endlich wahrgemacht, was unlängst in einem Blog gefordert wurde: „Islamkritik muss militant werden.“ Pünktlich zum Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlichte Pipes in der Online-Ausgabe der „Welt“ einen Debattenbeitrag, der für eine schnelle und unbürokratische, nun wirklich militante Lösung warb: „Barack Obama sollte den Iran bombardieren.“ Man wusste nicht recht, welchen Reim man sich darauf machen sollte. Zu vieles klang in dem Artikel nach Satire, vor allem die Überlegung, dass der Präsident seine miserablen Umfragewerte doch mit der gebotenen Entschlossenheit schnell wieder aufbessern könne.

Obama brauche, so Pipes, „eine dramatische Geste, um seine öffentliche Wahrnehmung als Leichtgewicht, Stümper, Ideologe zu verändern, vorzugsweise in einer Arena, wo der Einsatz hoch ist, wo er die Führung übernehmen und wo er die Erwartungen übertreffen kann“. Eine stabile Mehrheit der Amerikaner bevorzuge die Anwendung von Gewalt schon jetzt. Obama könne zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit einem Angriff schütze er die Heimat und sende Amerikas Freunden und Feinden „eine Botschaft“. Nur müsse die Chance auch genutzt werden: „So, wie die Iraner ihre Verteidigung verbessern und der Waffenherstellung näher kommen, schließt sich das Zeitfenster.“

Über das vertretbare Maß hinaus

Aber die satirische Lesart – als habe ein Radikalpazifist durch verzerrende Übertreibung die Anliegen der Kriegspartei desavouieren wollen – lässt sich nicht halten. Daniel Pipes ist einer der profiliertesten Islamkritiker, zur Solidarität mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hat er noch kürzlich aufgerufen. Wer indes den Artikel gestern auf „Welt Online“ suchte, erhielt nur eine lakonische Mitteilung: „Möglicherweise sind Sie einem falschen oder veralteten Link gefolgt, oder Sie haben sich bei der Eingabe der URL vertippt.“

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Die Veröffentlichung des Artikels von D. Pipes ist online bei DER Welt nicht mehr verfügbar. Der Artikel wurde mittels Screenshots dokumentiert, in englischer Sprache liegt er im Original vor.

Auf danielpipes.org gibt es den gesamten Artikel in deutscher Sprache, er ist mit der Ausgabe Der Welt identisch.

4 Comments

  1. Gesetzt den Fall man könne zweifelsfrei die Anlagen zur herstellung von Atomwaffen lokalsieren, was spräche dagegen diese dann zu bombadieren? Ich wäre dafür. Natürlich würde es auch Unschuldige treffen… die iranische Atombombe würde allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich mehr Unschuldige erwischen.

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  2. Nun, nachdem die WELT Konsequenzen daraus zog, diesem Kriegstreiber eine Plattform zu geben… hat sich heute der ein Mitglied des Vorstands der Piratenpartei, Aaron König, zu Wort gemeldet. Und ebenfalls einen Bombenangriff auf Iran gefordert… Meine Reaktion darauf

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  3. Ich wäre bestimmt nicht dagegen die Atomanlagen unter Beschuss zu nehmen, um deutlich zu machen, was wir von atombomben in den Händen von Terroristen halten.

    Leider löst das nur das Symptom, nicht das Problem.

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  4. Selbst als Pazifist könnte man auf die Idee kommen, den Iran „vorbeugend“ zu bombardieren, um Schlimmeres zu verhindern ! Religionen – egal welche – sind mit ihrer militanten Art der Missionierung schon immer eine Gefahr für den Weltfrieden und die Menschheit gewesen. Ihr Vorgehen und Agitieren nach dem Motto „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein !“ ist schließlich ein jahrhundertealtes Handlungsmuster. Solange Religionen – egal welche – die Politik bestimmen und beeinflussen, wird sich daran auch nichts ändern !

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