Neue, deutsche Frömmigkeit – evangelisch,katholisch oder politisch?


Sven Speer, Quelle: religionspolitik. blogspot.com

Religionspolitik in Deutschland

Rechristianisierungsprojekt ohne Christen

Als Martin Lohmann im November 2009 mit seiner Initiative an die Öffentlichkeit ging, einen Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) in der Union zu gründen, war ihm die Aufmerksamkeit der Medien sicher. Der AEK sollte eine Vereinigung von christdemokratischen Katholiken werden, wie es der Evangelische Arbeitskreis (EAK) in der Union schon seit 1952 für die Protestanten ist. Für manche war dies ein Zeichen einer „neuen Frömmigkeit in der deutschen Politik“. Der tatsächliche Erfolg des AEK ist jedoch bescheiden: Während der Evangelische Arbeitskreis nach eigenen Angaben mehr als 203.000 Mitglieder hat, sind es beim Katholischen Arbeitskreis gerade einmal 1.000 – CDU und CSU kommen zusammen auf über 680.000 Mitglieder (Wikipedia).

Anstatt sich schnell etablieren zu können, weht dem AEK mittlerweile scharfer Wind ins Gesicht: die evangelische Kanzlerin Angela Merkel und der Evangelische Arbeitskreis, dem auch Wolfgang Schäuble und Volker Kauder angehören, sind nicht begeistert und halten sich sehr bedeckt, was den AEK angeht. Da sich der Arbeitskreis eh scharf gegen Angela Merkels Kurs ausspricht, können die Initiatoren damit leben. Weit schlimmer für sie ist, dass sich prominente Mitglieder der CSU  aus dem Projekt verabschiedet haben. Thomas Goppel und Norbert Geis laden zu Anfang März zur Gründung der Christlich-Sozialen-Katholiken ein (CSK). Das Ziel dieser Gründung wird kaum sein, die katholische Stimme in Bayern und in der CSU besser zur Geltung zu bringen – stattdessen wird wohl beabsichtigt, dem Kreis um Lohmann potenzielle Mitglieder zu entziehen. Der Arbeitskreis Engagierter Katholiken tut dies als bayerische Eigenart ab – und verschweigt dabei, dass sich im Evangelischen Arbeitskreis selbstverständlich Protestanten aus ganz Deutschland organisieren (einschließlich Bayerns).

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1 Comment

  1. Lieber Herr Speer,

    in sechs Wochen allein übers Netz 1000 Leute für eine politische Initiative zu versammeln: ist das wirklich „kläglich“? Wie lange hat noch einmal der EAK gebraucht, um 200000 Leute zu versammeln. Und wußten Sie, dass jedes evangelische CDU-Mitglied automatisch mit dem CDU-Beitritt auch EAK-Mitglied wird, ohne dass es ihn einen Pfennig extra kostet? Was meinen Sie, wie viele Katholiken beim AEK mitmachen, wenn er erst einmal in die Regionen geht?

    Und traurig muss niemand sein, wenn die Herren Goppel und Geis ein bayerisches Kaffeekränzchen etablieren. Sie wollen ganze 80 der über 1000 Leute mitnehmen. Ist das eine „Spaltung“? Und selbst diese 80 wollen nicht alle mit Herrn Goppel mitziehen. Unter uns: der Mann hat bisher nicht einmal unfallfrei ein Versteckspiel organisiert…

    Unter dem Strich ziehen Sie leider aus Unkenntnis die falschen Schlüsse über den AEK. Ich ermuntere Sie, sich beim Gründungskomitee oder auf http://www.aek-online.de zu informieren. Grüße, der Lawhoudini

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