Ohne Evolution keine Religion!


Bestimmte Gehirnareale bestimmen laut einer italienischen Studie die spirituelle und religiöse Haltung eines Menschen. Foto: ktsdesign

Medienmagazin „pro“

In den vergangenen Jahren haben verschiedene Wissenschaftsdisziplinen versucht, neue Antworten auf die Frage zu geben, woher Begriffe wie Moral und Sünde stammen. „Die Frage nach der Herkunft der Moral werden Menschen wohl nie abschließend beantworten können“, erklärt der Frankfurter Biologe Jürgen Bereiter-Hahn auf „Spiegel Online“. Viele Forscher glauben, dass die menschlichen Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind.

Der Evolutionsbiologe Pascal Boyer von der Washington University in St. Louis etwa deutet Religion als hilfreiches Konstrukt des menschlichen Geistes. Seine These lautet: Wer glaubt, kommt besser durchs Leben. Religiöse Menschen hätten sich deshalb in der Geschichte gegen  Nichtreligiöse durchgesetzt und Gläubige in der Selektion über Ungläubige triumphiert. Ein weiterer Faktor, der den Menschen „fast zwangsläufig zum Glauben bringt“, sei auch die Fähigkeit zum kausalen Denken. Bei allem, was geschehe, suche der Mensch nach einem Grund, so der Wissenschaftler.

Glaube als Nebenprodukt anderer Eigenschaften

Der Biologe Richard Dawkins, Autor des Buches „Der Gotteswahn“, bezweifelt, dass die Selektion Religiosität begünstigt. Für ihn ist der Glaube ein „Nebenprodukt anderer menschlicher Eigenschaften“ – zum Beispiel der Unterordnung unter Autoritäten. „Ein Gehirn, das glaubt, was Autoritäten sagen, kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem guten Rat und dem törichten Befehl“, so Dawkins gegenüber dem „Spiegel“.

Bestätigung erhält der Brite bei seinen Thesen von Daniel Wisneski (Universität Illinois). Der Wissenschaftler hatte im vergangenen Jahr 700 Amerikaner befragt, wie sehr sie den Urteilen des Obersten Gerichtshofs zur aktiven Sterbehilfe trauen. Das Ergebnis ist: Je religiöser die Befragten waren, umso größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie der Autorität des Gerichtes zustimmten. Wisneski interpretiert Religiosität als Folge von Autoritätsgläubigkeit.

Nicht nur Dawkins bestreitet, dass sich die Kirche als „Erfinder der Moral“ fühlen darf. Auch der Evolutionsbiologe Jürgen Bereiter-Hahn (Universität Frankfurt) meint, dass sich „Moral und Religion getrennt entwickelt haben“ und die Moral eventuell schon vor der Religion entstanden sei. „Die Menschen haben immer sozial und damit nach Regeln gelebt. Darin sehe ich den Ursprung der Moral“, so der Wissenschaftler gegenüber „Spiegel Online“. Der Anfang der Religion liege hingegen in der Naturreligion. Die Menschen hätten fast allem eine göttliche Kraft zugeschrieben, die über die eigene Erkenntnis hinausgehe, so Bereiter-Hahn. Somit könne auch erst später die Verbindung von Moral und Religion gelegt worden sein.

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6 Comments

  1. Wer glaubt, kommt besser durchs Leben. Religiöse Menschen hätten sich deshalb in der Geschichte gegen Nichtreligiöse durchgesetzt und Gläubige in der Selektion über Ungläubige triumphiert.

    Naja … Gläubige kommen nicht „besser“, sondern simpler durch’s Leben. Wer seine Energie dafür verschwendet, nach den Ursachen eines Blitzes zu suchen, der wird in dieser Zeit vom Dinosaurier gefressen. Der Gläubige hingegen sieht den Blitz als Zeichen, das er sich schleunigst in einer Höhle verkriechen soll 😛 .

    Religion ist kein Mechanismus, welches das Leben pauschal „besser“ machte, sondern diente als Platzhalter für Wissen. Was man zu wissen glaubte, beitelte man als „Gott“. Fertig. Das war’s. Zeus schleuderte Blitze ? Aphrodite betörte die Männer ? Mars lenkte Kriege ? Man „sieht“ es ja, also hatten die Götter recht. Und nebenbei hat man die Existenz einer Gottheit schon „bewiesen“. Exakt diese Methode nutzen heutige christliche Institutionen, wenn sie das berühmt-berüchtigte „Wissenschaft erklärt das ‚wie‘, aber nie das ‚warum‘!“ als Argument bringen. Auch die Religionen erklären nicht das „warum“ … sie liefern nur eine simple Möglichkeit, nicht weiter nachzuforschen, weil die Storyline der Religion alles bietet, um sich nicht näher mit der Materie zu befassen.

    Religion ließ also die Menschen nicht besser durch das Leben gleiten, sondern einfach nur „doof-gläubiger“, simpler. Und Religion sorgte dafür, das eine gewisse Abgrenzung zu anderen „Erklärungsversuchen“ stattfand. Dies konnten Stammesführer nutzen, um den Gegner zu diffamieren und sich als bessere Gruppierung darzustellen. Die „eigenen“ Götter hatten mehr Wohlwollen gezeigt als die Götter des Nachbarstammes, und dies diente zumeist als Legitimierung für Angriffe.

    Ob damals Ungläubige als „gottlos“ deklariert wurden, verbrannt oder gefressen wurden, kann niemand nachprüfen. Es sind keine Knochen gefunden worden, an denen Atheistensprüche reingeritzt wurden 😉 . Auch habe ich keine Ahnung, ob in Funden altgriechischer Literatur von Verbrennungen ungläubiger Männer und Frauen die Rede war. Demzufolge muss ich davon ausgehen, dass Religion sich „durchgesetzt“ hat, weil sie eine Erklärung der Welt lieferten. Aber nicht, weil sie in Konkurrenz zu Ungläubigen standen. Dies begann erst mit er konsequenten Nutzung von Wissenschaft und dessen Verfolgung durch klerikale Menschen, welche die Erklärungen als „nicht vereinbar“ mit ihrem Glaubenskonstrukt ansahen. Wir kennen die Geschichte diesbezüglich nur zu gut 😉 .

    Ein weiterer Faktor, der den Menschen „fast zwangsläufig zum Glauben bringt“, sei auch die Fähigkeit zum kausalen Denken. Bei allem, was geschehe, suche der Mensch nach einem Grund, so der Wissenschaftler.

    Die „Mustererkennung“ spielte tatsächlich eine sehr große Rolle bei der Generierung der Religionen. Aber nur als Erklärungsmodell, nicht als ausführende Handlung! Man erklärte sich die Natur aus dem Wollen eines anthropomorphisch-erdachtem Wesens heraus. Doch um gegen andere Erklärungsmodelle anzukämpfen, bedurfte es keine Erkennung, sondern simple Lenkung. „Wir sind besser als die!“. Dieses simple „kausale Denken“ war alles, was man benötigte. Das Resultat war Blut und Todschlag, selbst in den so gern als „friedlich“ dargestellten monotheistischen Wüstenreligionen. Ohne dem Schwert, das damalige Hauptwerkzeug zum überleben in der Natur, konnte der Glaube sich nicht durchsetzen. Götter und Geister dienten immer als Pseudo-Erklärung und als Motivator für mörderische Handlungen.

    Ein Gehirn, das glaubt, was Autoritäten sagen, kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem guten Rat und dem törichten Befehl

    Damit hat Dawkins auch vollkommen Recht 😉 . Wenn ein Wissenschaftler glaubt, dass die Erde flach ist, so wird er dies – womöglich mit hilfe der Bibel und der eigenen Augen – als Gegeben hinnehmen und dem Herrscher die Legitimation geben, andersdenkende zu Verfolgen. Heute existieren andere Mechanismen, z.Bsp. die stetige Falsifizierbarkeit bei der Überprüfung. Mit solchen „absoluten Argumenten“ kann man nicht mehr „gläubige Wissenschaft“ betreiben. Stattdessen setzt sich die bestfundierte und unwiderlegte Theorie gegenüber der Theorie mit mehr (falschen/leeren) Variablen durch. Dies bleibt stets angreifbar und verbesserbar, wenn mehr Wissen zur Verfügung steht … durch mehr Forschung. Das ist im Glauben anders. Einmal was gefunden, fertig ist das Rezept! Unüberprüfbar wird es als Gegeben hingenommen und die Differenzierung zwischen Wahr und Falsch findet nicht statt. Religion dient dann als Moralgeber und Motivator der Handlungen. Eine sehr gefährliche Großmacht, wie wir aus der Geschichte kennen.

    Auch der Evolutionsbiologe Jürgen Bereiter-Hahn (..) meint, dass sich „Moral und Religion getrennt entwickelt haben“ und die Moral eventuell schon vor der Religion entstanden sei.

    Die Definition von Moral, was wir also als „Gut“ und „Böse“ erklären, fand durch die Menschen statt. Ich bin der Meinung, die Moral hat schon ewig in der Natur existiert. Man nutzte bzw. handelte nur dementsprechend, wenn es sich positiv für die Entwicklung ergeben sollte. Das Töten anderer Lebewesen sehen wir heute als unmoralisch an. Würden wir keinen Nutzen daraus ziehen, so definieren wir es automatisch als „unoptimal“ und somit als Falsch bzw. „Böse“. Insbesondere, wenn wir durch zusätzliches Nachdenken dem Menschen einen Wert geben, und seine Existenz (das Leben) zusätzliches Gewicht verleihen. Damit erhärten wir die Theorie, dass das Töten nicht gut für mich bzw. meine Gesellschaft sei. Und damit hätten wir die Moral begründet.
    Die Religion bediente sich diesem Mechanismus, um mit ihren Geschichten eine Gewichtung auf bestimmte Aspekte zu legen. Soll Schweinefleisch „Gut“ oder „Böse“ sein ? Soll der Mann oder doch die Frau das „Sagen“ in der Gesellschaft haben ? Sind andere Sexualpraktiken, welche nicht zur Erhaltung der Gruppe dienen, nun „Gut“ oder „Böse“ ? Die Religion erweiterte den Moralbegriff, aber sie „erfand“ ihn ganz sicher nicht. Deshalb stimme ich mit Dawkins und den anderen überein, dass Religion nicht der Urheber der Moral gewesen ist, sondern nur ein (sorry;)) Nutznießer und Regelschreiber gewesen war… und noch immer ist.

    Die Lehre Darwins reiche ihm als alleinige Erklärung von Moral nicht aus.

    Das sehe ich genauso. Die reine Evolution hat hierbei nicht den Absolutheitsanspruch. Es geht nicht um „viele Möglichkeiten“, welche sich durch Selektion aussiebten, sondern um eine kulturelle Erkenntnis. Die Evolution fand auf einer anderen Ebene statt, wenn verschiedene Moralvorstellungen aufeinandertreffen. Die Aussiebung geschah durch die „besser angepasste“ Vorstellung zwischen Gut und Böse… nicht selten mit Hilfe von Gewalt.

    Demnach können die hinteren Scheitellappen des Großhirns maßgeblich die Spiritualität eines Menschen beeinflussen, so die Forscher.

    Für mich nichts neues 😉 . Es ist ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg der Erkenntnis, das unsere „Spiritualität“ nichts anderes als Gefühle sind, welche durch biologische Prozesse in unserem Körper erzeugt und gelenkt werden. Sie haben keinen Urspruch ausserhalb der Natur und sind somit keinesfalls „Übernatürlich“. DAs wollen Gläubige nicht hören … dann sollen sie es die Wissenschaft fühlen 😛 .

    Es sei bei der Entstehung der Moral des Menschen niemand dabei gewesen, konstatiert Bereiter-Hahn, deswegen könne man auch in Zukunft nur „mutmaßen“.

    Auch ich war bei der „Entstehung“ des Herrn Graf nicht dabei, aber die Mutmaßung, dass er auf einem geflügeltem Pferd vom strahlend blauem Himmel herabritt, kann ich aufgrund nicht bestätigter Forschung nicht aufstellen 🙂 . Auch ich „vermute“, dass er auf normalem biologischem Wege erzeugt wurde.
    Und so sehe ich keinen Grund, an eine supernatürliche Ursache für eine Moral oder Ethik zu glauben, wenn die Wissenschaft die Ursachen so gut darlegt. Für Gläubige Menschen wird der Gegenbeweis erst dann erbracht sein, wenn deren Gottheit höchstpersönlich sagt: „Alter, die Moral hab‘ isch nischt gemacht!“. Bis dahin wird ein Gläubiger eher zum „Authoritätsglauben“ tendieren, da seine Gottheit als oberster Superlativ, neben der Erde und seinem Leben, natürlich auch die Moral begründet hat. Und so schließt sich der Kreis wieder 😉 .

    @Karsten

    Wo das kausale Denken nicht zum Ziel führt (weil keine Ursache bestimmbar ist, und nur die Wirkung ersichtlich), da fängt doch erst die Religion an!

    Jepp. Gerade die Erklärung, dass die Ursache aus der Göttlichkeit herrührt, und nicht einfach „gegeben“ ist, ist der Knackpunkt in der Religion. Somit ist die Ursache „bestimmbar“ … sie lautet Gott. Es fehlt nur der kritischere Umgang mit dem Wissen und die Hinterprüfung durch Messungen. Da waren damals die Instrumente einfach nicht präzise genug 😉 .
    Religion hat das Problem, das „einmal erschaffenes Wissen“ unverrückbar war und sich keinesfalls verändern durfte. Allmacht darf eben nicht nach Gefühl neu zusammengebaut werden, je nach Erkenntnis von anderen Menschen.
    Das dies hanebücherner Unsinn ist, beweist die Bibel selbst! Sie widerspricht sich insbesondere im Altem Testament, wo Gott noch ganz dicke Gespräche mit den Menschen führe, am laufendem Band!
    Du sollst nicht töten ? Gilt natürlich nicht, wenn Gott – oberster Moralgeber – es befiehlt: http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/32.html#32,27

    Du sollst nicht begehren, deines Nächsten Weibes ? Kein Problem, lassen wir die Töchter von Lot sprechen, die „mal so“ Inzucht betrieben haben: http://www.bibel-online.net/buch/01.1-mose/19.html#19,30

    Die Sabbat-Entehrung wird mit dem Tode bestraft ? http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/31.html#31,14

    Die Geschichte dient als Causa für die Taten der Nachfolgegenerationen … ohne Hinterfragung, wie Du es gesagt hast. Diese Rechtfertigung der Handlungen klappt eben nicht, wenn man das ganze hinterfragt und sich mal auf die „Beweise“ zur Untermauerung dieser Taten sucht. Dann wird man wohl niemals fündig, denn einen „Gott“ gibt es einfach nicht. Die Interpretation aus der Mustererkennung („Der Blitz! Das ist ein Zeichen Gottes!“) ist ein Produkt des menschlichen Geistes, das ist natürlich keine Erklärung der Natur. Aber das wollen Gläubige nicht hören, denn sie glauben eben. Eine ganz ganz feste Überzeugung, dass sie – auch ohne Hinweise oder gar Beweise – schon „auf der richtigen Spur“ sind, mit ihrer Haltung und ihren Taten. Tja … solange es dem Wohl der ganzen Gemeinschaft dient … OK. Nur hat die (institutionalisierte) Religion schon seit über 3000 Jahren bewiesen, dass sie ein ganz bestimmtes Bild der Gesellschaft haben. Und heute beweisen sie es immer wieder, durch ihre Haltung zur Homosexualität, zu ihrer Haltung zur Schwangerschaftsverhütung oder -abtreibung und weiteren Sachen. Diese Moral will ich nicht teilen 😉 .

    @arianezuber

    2. Ich glaube nicht, dass der Mensch ansich bei allen Geschehnissen immer nach dem Grund sucht – jedenfalls nicht im Alltag, das tun einzelne Personen, aber nicht jeder, aber das ist vielleicht rhetorisch…

    Da wäre ich nicht so sicher 😉 .
    Die „Mustererkennung“ findet in unserem Gehirn unbewusst statt. Wir „durchkämmen“ ununterbrochen unsere Sinne nach bekannten Mustern, und unbekanntes lässt uns aufhorchen. Diese evolutionär-bedingte Eigenschaft teilen wir mit den Tieren, die sich dies als Schutzinstinkt noch heute beibehalten und perfektioniert haben.
    Bei uns ist er aufgrund der Sozialisierung im laufe der Zeit „verkümmert“ und nach hinten gewandert, dennoch ist er unbewusst noch immer ein Hauptmotor für unsere Erkenntnis der Welt. Als Du noch ein kleines Kind warst, hast Du ebenfalls die Umgebung erforscht. Und später in der Schule hast Du das erlangte Wissen auch durch Anwendung benutzt. Hättest Du das Wissen nicht auf diese Art erlangt, würdest Du bei der Konfrontation mit einem Problem dann nach Lösungen suchen … durch die Überlegung und Nutzung unterschiedlichster Methoden. Und seien wir mal ehrlich … wer fragt bei einem Zaubertrick nicht in sich hinein: „Wie hat der Teufelskerl bloß das geschafft !?“ 🙂 .
    Das (fundierte) Wissen ist eine Abkürzung. Der Mensch muss nicht mehr nach jeder Möglichkeit lechtzen, sondern kann sich an dem Wissen bedienen, um Probleme zu lösen. Die Wissenschaft ist ein harter und steiniger Weg, ohne Begrenzung. Die Religionen pflanzen einfach ein Geländer hin. Er gibt Halt bei vielen Fragen, doch sie begrenzen den Menschen bei der Erforschung der Natur. Wer sich über das Geländer wagt, wird von der Religion – welches ja schon eine „Lösung“ anbietet – kritisiert. Früher glatt verbrannt 😉 .

    3. Religion und “Bodenhaftung” kommen für mich nicht wirklich zusammen, die Bodenhaftung in Religionen habe ich noch nie gesehen – möglicherweise auch hier eine Definitionsfrage des Begriffes, aber liest sich nicht so.

    🙂 . Hehe… vollste Zustimmung! Religion ist und bleibt „abgehoben“, denn sie stellt z.Bsp. den Menschen als „Kronung der Schöpfung“ dar, als Produkt göttlicher Handarbeit. Die Wissenschaft sieht es heute natürlich anders, doch das interessiert der Religion nicht viel … sie schweben eben über dem Erdboden des wissenschaftlichen Wissens und werden erst dann wieder landen, wenn die Beweise einfach viel zu viel geworden sind. Von der Umkreisung der Sonne um die Erde und den Bruch damit, das die Bibel „recht“ hatte, bis hin zur Erkenntnis, das wir nicht mit einem PLOPP nach 6 Tagen geklöppelt, sondern im Laufe der Jahrmillionen erst angepasst wurden … die Religionen werden im Laufe der Zeit immer mehr „entmystifiziert“ und verlieren ihre Heliumballons, welches ihnen das Abheben ermögliche 😉 .

    4. Die “Entzauberung der Welt” findet für mich nicht statt, ich kann ja aufgeklärt sein und trotzdem “glauben” – an was auch immer. Es gibt ja auch sehr viele Wissenschaftler, die durchaus noch an einen Gott glauben.

    Genau. Die Entzauberung findet nur im Wissensbereich statt. Das haben die Kirchen schon erkannt und bezeichnen sich offiziell ja auch nicht als Erklärer der Natur, sondern der Übernatur! Der Vatikan hat z.Bsp. klargemacht, dass die Evolutionstheorie stimmt. Sie erklärt das „wie“, aber nicht das „warum“. Der Witz ist, dass wir uns das „warum“ ebenfalls nicht erklären lassen können. Der menschlich bewertete „Sinn“ in einer solchen Handlung der Natur ist einfach nicht vorhanden. Es ist so geschehen, weil die Natur es so daherbrachte. Hätte man nur eine Variable geändert, einen Meteor an der falschen stelle fallen gelassen, wären wir heute womöglich noch kleine Nager in einer Höhle und könnten nicht an eine Gottheit glauben. Wir wären auf einer ständigen Futtersuche, anstatt auf einer ständigen Wissenssuche 😉 .
    Die Religionen mache es sich viel zu einfach: Wir sind da, also ist da ein Grund dahinter. Und dieser Grund heisst „Übervater“. So steht es eben geschrieben, und so ist es.

    Das der Mensch allerdings weiterhin Fragen hat, sich z.Bsp. mit der Philosophie oder durch Gedichte gerne der Inspiration und Fantasie hingibt – Du malst ja auch tolle Bilder 🙂 – hat für eine Religion nur eine nebensächliche Bedeutung. Sie interpretiert die Fantasie als Argument für die Existenz einer Übernatürlicheit… und dies ohne Beweis. Ein ewiger Kurzschluss 😉 .

    Der Mensch ist das, was er ist … ein Mensch. Wir wissen, woher wir gekommen sind und wohin wir gehen. Die Geschichte drumherum, die ist eine persönliche Sache und unterliegt keiner „Glaubensdoktrin“, egal wie alt sie sein mag und wieviele Menschen an ihr „glauben“. Religionen haben sich durchgesetzt, weil sie dem Menschen die Arbeit des Hinterfragens abnahmen und ihre Position oft genug mit Gewalt klarmachten. Ich denke, wir sind nun erwachsener geworden und können uns diese kindische „Geistergläubigkeit“ ruhig abstreifen. Wir haben heute einfach bessere Möglichkeiten parat, nach Wahrheiten zu forschen und Wissen zu erlangen. Und was wir nicht wissen, das bleibt ein Mysterium … aber keine Wahrheit. Deshalb lassen wir uns auch gerne von Zauberern (Illusionisten) beeindrucken, aber wir verbrennen sie nicht am Scheiterhaufen, weil wir nicht hinter dessen Wissen kommen 🙂 .
    Wie Du sagtest … man kann als Wissenschaftler arbeiten, aber den Glauben noch behalten. Wichtig ist es hierbei, die beiden Weltanschauungen stets sauber zu trennen. Wenn ein Geisterglaube als Erklärung dienen für das dienen soll, was man im Mikroskop sieht (oder in der DNA abliest), dann haben wir Kreationismus … und das ist eine klare Sackgasse der menschlichen Vernunft 😛 .

    @Patrick Hanke

    Was unterscheidet einfachstes tierisches Leben vom pflanzlichen?

    Die Pflanze bringt dem Herrn nicht treu-doof die Pantoffeln und kann auch nicht parieren 😀 .
    Ansonsten hat sie ebenfalls einen Stoffwechsel und „pflanzt sich fort“, wie alle anderen Lebewesen 😉 .
    Doch wir sprechen der Pflanze keine Seele zu … weil vor jahrtausenden keiner in der Wüste Sinai Lust hatte, einer Dattelpalme einen Lebenssinn zu geben 😉 .

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  2. „Man kam zur Überzeugung, daß Leben nur durch lebendiges entstehen kann.“

    Was ist denn das für ein esotherisches Geschwurbel.
    Man kam zur Überzeugung, dass der Begriff „Leben“ von falschen Prämissen ausgeht.
    Das Wort basiert nämlich auf Übersimplifikation.
    „Leben“ ist Chemie, die sich ausschließlich aufgrund ihres hohen Komplexitätsgrades unter der Kategorie „lebendig“ zusammenfassen lässt.
    Dies muss man aber nicht tun, schließlich gibt es Grenzfälle z.Bsp. Viren oder Quasispezies.

    „Heute glaubt man, seelisches Leben entsteht aus dem lebenden Körper.“

    „Seele“ ist ein esotherischer Begriff. Umso komplexer der Aufbau einiger Hirnregionen umso komplexer das Bewusstsein bzw. Teile des Bewusstseins wie „Selbstverständnis“, „Zuweisen von Symbolen“ und „Denken in Worten und Satzkonstrukten“.
    Gehirn (mit bestimmter Struktur) ist ein Synonymwort für Bewusstsein. Nichts anderes.

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  3. Religion ist eine prima methode, um macht zu erlangen, zu konzentrieren udn auszuüben.

    Daher ist die Frage, ob es sinnvoll fürs Überleben war und sihc daher durchgesetzt hat, hinfällig.

    Es genügt zu frage, ob es Menschen gab, die Macht zu erlangen wünschten.
    Der Rest ist ein sich selbst erhaltendes System, das keine Sinnhaftigkeit benötigt…

    ist daher kein biologisches Merkmal, sondern ein kulturelles.

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  4. Es gab einmal eine Zeit, da hat man geglaubt, einfaches Leben entstünde aus unlebendiger Erde. Später fand man, daß schon in der Erde Leben enthalten war.
    Man kam zur Überzeugung, daß Leben nur durch lebendiges entstehen kann.
    Heute glaubt man, seelisches Leben entsteht aus dem lebenden Körper.
    Worin liegen die Bedingungen für einen lebendigen Körper, daß seelisches Leben anwesend sein kann?
    Hat die Pflanze seelisches Leben?
    Was unterscheidet einfachstes tierisches Leben vom pflanzlichen?

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  5. Wasmirt dazu einfällt:
    1.Moralisch und ethisch zu denken halte ich eher für eine menschliche Regung und bedeutet in meinen Augen nicht zwingend, auch religiös zu sein…
    2. Ich glaube nicht, dass der Mensch ansich bei allen Geschehnissen immer nach dem Grund sucht – jedenfalls nicht im Alltag, das tun einzelne Personen, aber nicht jeder, aber das ist vielleicht rhetorisch…
    3. Religion und „Bodenhaftung“ kommen für mich nicht wirklich zusammen, die Bodenhaftung in Religionen habe ich noch nie gesehen – möglicherweise auch hier eine Definitionsfrage des Begriffes, aber liest sich nicht so.
    4. Die „Entzauberung der Welt“ findet für mich nicht statt, ich kann ja aufgeklärt sein und trotzdem „glauben“ – an was auch immer. Es gibt ja auch sehr viele Wissenschaftler, die durchaus noch an einen Gott glauben.

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  6. „Ein weiterer Faktor, der den Menschen “fast zwangsläufig zum Glauben bringt”, sei auch die Fähigkeit zum kausalen Denken.“

    Genau das Gegenteil ist doch der Fall:
    Wo das kausale Denken nicht zum Ziel führt (weil keine Ursache bestimmbar ist, und nur die Wirkung ersichtlich), da fängt doch erst die Religion an!
    Deswegen verliert die Religion doch immer mehr an Bodenhaftung, weil die Menschen immer mehr Ursachen erkennen, und damit die Wirkung entmystifiziert wird.

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