Christentum ist Privatsache!


Quelle: medienwerkstatt-online.de

Jesus um Jesus, Kreuz um Kreuz

Von Gideon BössWelt online

Wieder einmal geht es um das Kruzifix. Jetzt in nordrhein-westfälischen Gerichtssälen. Das Düsseldorfer Landgericht ist umgezogen und hat keine Kreuze mehr an den Wänden. Zwar gilt das mittlerweile für die meisten Gerichtssäle, doch wird von christlicher Seite dennoch um jeden Jesus gekämpft.

Die Argumente sind dabei immer wieder erstaunlich. Da fallen zum Beispiel von CDU-Seite solche Sätze: „Das Christentum ist keine Privatsache.“ Wie bitte? Selbstverständlich ist das Christentum Privatsache. Den einen bedeutet diese Religion etwas, den anderen ist sie egal oder vielleicht sogar verhasst. Jeder hat eben andere Hobbys. Es muss ja nicht immer Briefmarkensammeln sein. Gott ist auch okay. Mehr aber auch nicht. Er sollte eigentlich nur innerhalb seiner Kreise eine privilegierte Stellung einnehmen und ein Gerichtssaal gehört da sicher nicht dazu. Für was gibt es denn Kirchen?

Ein weiteres Argument lautet so: „Kruzifixe sind Symbole unserer abendländischen Kultur.“ Was symbolisieren sie denn? Die jahrhundertelange Verfolgung von Minderheiten, die Pogrome gegen Juden oder die Verbrennung von Ketzern? Ist das die abendländische Kultur, auf die man so stolz ist, dass alle Wände an sie erinnern sollen? Menschenrechte und Individualismus, Gleichberechtigung der Geschlechter und die sexuelle Revolution, das sind Werte, auf die man stolz sein kann. Das Kruzifix könnte man da maximal als Symbol für die Gegner dieser Entwicklungen verwenden. Schließlich unterstützte die Kirche keinen dieser Schritte hin zur Freiheit, wie wir sie heute haben. Im Gegenteil, sexuelle Theoretiker wie Bischof Mixa stellen fest, dass genau diese Freiheiten „sicher nicht unschuldig“ daran sind, dass Jesuiten Kinder vergewaltigen. Immerhin forderten „besonders progressive Moralkritiker auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen.“

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4 Comments

  1. @Philip

    Das Roemische Recht der Antike reserviertre die Kreuzigung tatsaechlich fuer Sklaven, Nicht-Roemer, Ohne das latinische Buergerrecht oder das Buergerecht einer mit Collonia oder einer griechischen Polis.

    Die christlichen Staaten spaeter ware aber hier sehr feinsinnig: Adlige wurden zumeist mit Schwert oder der Axt hingerichtet, waerend, die „richtig fiesen“ Methoden, wie Vierteilen, Zersaegen, Kochen, Verbrennen, etc. fuers gemeine Volk reserviert waren.

    Die Einfuehrung einer einheitlichen Hinrichtungsmethode war der Franz. Revolution vorbehalten.

    Passt nur zu gut, da das Kreuz ein Hinrichtungsinstrument der „fiesen“ Art ist.

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  2. Wenn das „Christentum keine Privatsache“ sein sollte, dann gehoert es in den staatlichen Bereich („res publica“), dann hat aber der Staat das Recht Glaubensinhalte festzulegen, Funktionstraeger zu ernennen oder zu entlassen oder per politischer Entscheidung die Kirche anzuweisen, dass sie nun zu predigen habe, dass z.B. homosexuelle Sexualakte nach ihrer Moral richtig seinen.

    Ist das Christentum jedoch Privatsache („jus civile“), dann hat der Staat dort kein Sagen, dann duerfen aber auch keine entsprechende Symbole von staatlicher Seiter promoviert werden.

    Unsere, von manchen vielbeschworene, abendlaendische Tradition gibt hier gibt ein klares Model im Roemischen Recht der Republik und der Kaiserzeit.

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  3. Naja, ein paar christliche Werte gibt es schon, die man als wichtige Teile abendländischer Kultur betrachten kann: wenn ich richtig informiert bin, war die Kreuzigung ja nicht-Adeligen oder sogar nicht-Römern vorbehalten, und das frühe Christentum fand viele Anhänger unter den Sklaven. Natürlich wurde nicht etwa die Sklaverei abgelehnt, aber zumindest die Kompromissposition, dass auch Sklaven wohl Seelen hätten und als Konvertiten zu zählen seien, scheint sich ja durchgesetzt zu haben (und dann etwa auch auf die präkolumbianischen Kulturen in Amerika angewendet worden zu sein).

    Ist das jetzt ganz großartig und toll? Eher nicht. Konfuzius wird ja für eine ähnliche Geschichte verehrt (als er nach einem Feuer tatsächlich zuerst nach den Menschen und nicht nach den viel wertvolleren Pferden gefragt haben soll), also ist es ja auch ganz bestimmt nicht einzigartig.

    In meinem naiven Kopf könnte so ein Kruzifix einem Richter doch wenigstens insofern helfen, die Adelsprivilegien in Deutschland endlich mal als mit der Menschenwürde nicht vereinbar zu erklären und abzuschaffen, und die selbsterklärten Barone und Freiherrn und „von und zu“s auf eine Stufe mit den anderen Spinnern zu stellen, die gerne so einen ungewöhnlichen Namen hätten. (Dass da auf dem Kreuz, also der niedersten Form der Hinrichtung, „König“ steht, könnte ja irgendwie reichen).

    Aber da ist man bei den C-Parteien wohl eher schlecht aufgehoben.

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  4. Die CDU hat wohl nicht so ganz mitbekommen, daß die staatlich verordnete Religion nicht mehr gültig ist?
    Huch….

    Die bräuchten vielleicht mal ne Vorlesung dazu.

    Abgesehen davon ist es auch gute alte abendländische Tradition, die Weiber zu prügeln, wenn sie nicht willig sind.

    Aber auch das ist heute nicht mehr rechtens.
    Oder die leibeigenen zu verkaufen. Auch das nicht mehr möglich.

    Zudem heißt Religionsfreiheit ja auch, daß alle Religionen dieselben Rechte haben sollten. Dann mßte also im Gerichtsgebäude nicht nur das Kreuz, auch der Halbmond, jüdische zeichen, Shiwa mit den vielen Armen, und was weiß ich noch angebracht werden…

    In dem Falle könnte man auch das Kreuz noch mal durchgehen lassen….

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