Die elegante „Seidnitzer-Sekte“


Marian Eleganti

Die dunkle Vergangenheit von Bischof Eleganti

Von Michael MeierTages Anzeiger Zürich

Der neue Zürcher Weihbischof gehörte 15 Jahre lang einer kirchlich verbotenen Gemeinschaft in Österreich an. Geleitet wurde sie von einem suspendierten Priester und Seher.

Unter Zürichs Katholiken ist der neue Weihbischof Marian Eleganti ein Unbekannter. Selbst im Vatikan soll man über den Wunschkandidaten von Bischof Huonder nicht erfreut sein, heisst es in gut informierten Kreisen. Auch im Kloster Einsiedeln rieb man sich die Augen, als die Ernennung publik wurde. Denn einige Benediktiner erinnern sich noch, wie Eleganti 1976 nach drei Jahren Noviziat das Kloster Hals über Kopf verliess, um sich einer «überspannten Gemeinschaft» anzuschliessen.

Der 23-Jährige war damals in einem Zustand der Krise, der Verunsicherung, wie er selber an einer Pressekonferenz anlässlich seiner Ernennung im letzten Dezember sagte. Der Einsiedler Novize schlief nicht mehr, verlor den Appetit, fühlte sich verloren. So schloss er sich den Visionären einer jungen charismatischen Gemeinschaft an, die sich erst Priesterwerk und später Familie Mariens nannte und damals – von Innsbruck kommend – nach Castelgandolfo bei Rom zog.

Erbitterte Opposition zu Rom

Wie Eleganti den Medien erklärte, war das Priesterwerk von Kurienkardinal Gabriel-Marie Garrone 1977 «ad experimentum», also probehalber, lanciert worden und habe anfangs ein paar Kinderkrankheiten gezeigt. Was der Weihbischof verschwieg: Schon ein halbes Jahr später zog der Kardinal die vorläufige Anerkennung zurück. Und der für Castelgandolfo zuständige Bischof von Albano wies die Gemeinschaft an, sein Bistum zu verlassen und sich aufzulösen.

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