Neurotisches von den Katholiken


Tuscheln: Erzbischof Robert Zollitsch (l.) und Bischof Walter Mixa. Foto: dpa

Blanke Nerven der Oberhirten

In Freiburg tagt die Bischofskonferenz. Wie diskutieren die Bischöfe die Missbrauchsfälle, was werden sie entscheiden? Die Situation ist sichtlich angespannt.

Von Philipp Gesslertaz

Auf 1.520 Euro kommt der Bischofsstab, silbern glänzend mit goldenem Ring unterhalb der Krümmung. Besonders stolz ist der Verkäufer auf das Messgewand im Schaufenster, beige und handgewirkt, mit einer mächtigen goldenen Borde in der Mitte, die vom Hals bis zu den Füßen reicht. Dafür muss ein katholischer Priester 1.300 Euro berappen, kriegt aber noch eine passende Stola und ein Kelchtuch dazu. Am Dienstag, so erzählt der Paramente-Verkäufer mit badischen Singsang, habe er Besuch von einigen hohen Herren aus dem Hotel gegenüber gehabt. Einer hätte ihm erklärt, dass er ein Kreuz in Brusthöhe auf dem Messgewand nicht so gern habe, weil dann sein Bischofskreuz nicht mehr so gut zur Geltung komme – weshalb er nun dieses Messgewand, ohne Kreuz, ins Schaufenster gehängt habe. Vielleicht kommt es ja heute zu einem Geschäft.

Seit Montag tagen die 67 katholischen Bischöfe Deutschlands in Freiburg, und zwar im Stadthotel Freiburg, just gegenüber des Ladens für liturgische Gegenstände an der Karlstraße. Es ist ihre traditionelle Frühjahrs-Vollversammlung, Routine eigentlich und keiner weiteren Erwähnung wert, ginge der deutsche Katholizismus mit seinen 25 Millionen Mitgliedern nicht gerade durch seine vielleicht größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Seitdem vor etwa einem Monat das Berliner Canisius-Kolleg, ein Elitegymnasium der Jesuiten, seine Geschichte von Kindesmissbrauch und Vertuschung öffentlich gemacht hat, jagt eine Enthüllung die nächste über pädophile Vergehen katholischer Priester und anderer Kirchenmitarbeiter, und zwar durch die ganze Republik. Fast alle Verbrechen liegen schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurück – aber die meisten blieben ungesühnt.

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