BR zensiert Nockherberg-Satire


Wie der Münchner Merkur recherchierte, wird die Zweitausstrahlung  der Livesendung des Nockherberg-Derbleckens heute Abend um 19.45 Uhr im Bayrischen Dritten Programm (BR) um die kritisierten Stellen gekürzt ausfallen. Bezahlen die Verbraucher eigentlich GEZ-Gebühren ausgerechnet für derartige Polit-Zensur, möchte man da dreinreden. Aber der Öffentlich-Rechtliche Sender in csu-Land hat ja schon oft politische Extra-Würste gebraten und das Publikum um Satiresendungen geprellt.

Der mutige Satiriker Michael Lerchenberg hat nach der hierzulande üblichen Protestler-Lawine die Rolle des Barnabas für die Zukunft aufgesteckt. Das geschah laut ddp-, Online- und Presseberichten einvernehmlich mit der Paulaner-Brauerei als Veranstalterin des PR-Derbleckens. Schade. Hatte er mit seiner bitterbösen Satire denn doch einfach recht.

Die Verunglimpfung und Verleumdung heute lebender armer Bevölkerungsgruppen, die sich schlecht wehren können, ist infam. Was ist dagegen Lerchenbergs Kratzen an einem formalistischen Tabu? Der seines Amtes unwürdige Außenminister sollte schleunigst zurücktreten. Was Knobloch oder Westerwelle dazu herumkrawallen ist letztlich herzlich egal, nicht wahr? Man kann halt verschiedene Meinungen haben, doch sollte das keine vermeintliche Zensur-Berechtigung ausstellen.

Post Scriptum: Wer sich das Original-Derblecken 2010 auf YouTube anschauen möchte, es ist der dritte Teil des Gesamtpakets: http://www.youtube.com/watch?v=g3em0Fu9p1Q

Für den Fall, dass auch dort Zensoren aufmarschiern sollten: das Herunterladen wird empfohlen, solange es wie gegenwärtig noch möglich ist. Die feisten, allerseits lächelnden Gesichter der Gäste dort, inklusive der fdp- und csu-Politiker sind allemal wert, in den Blick zu kommen. Von spontaner Empörung sieht man dort übrigens nichts, keine Spur. Überprüft es selbst!

19 Comments

  1. Nachlese zur Fastenpredigt:
    Albrecht Müller:
    „Das Verbot des Nazivergleichs schützt die neuen Faschisten.“
    „Die Übernahme des Bildes vom Konzentrationslager durch den Fastenprediger Barnabas beim Starkbieranstrich 2010 auf dem Münchner Nockherberg zur Kennzeichnung der Reden und Absichten von Westerwelle hat die übliche Reaktion ausgelöst: So etwas tut man nicht. Man darf weder die heutige Agitation mit Goebbels noch den Umgang unserer so genannten Eliten mit der Unterschicht mit den Verbrechen der Faschisten und Nazis vergleichen. De facto schützt dieses Verbot genau diese schrecklichen Methoden und führt nebenbei zur Zensur der Kritik. Ich plädiere dafür, dieses Verbot künftig zu missachten.“

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4706#more-4706

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    1. @ani
      Das finde ich allerdings ein bemerkenswertes Statement. Danke für diesen Beitrag zur Diskussion. Das regt ausgesprochen zum Nachdenken an.

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    1. @Farmblogger
      Was Du ansprichst, das ist halt die ökonomische Basis der Veranstaltung. Ein bisschen mehr ist da schon dran. Nicht nur hat es eine langjährige Tradition, sondern auch eine hohe Aufmerksamkeit bei den Medien. Das heißt große Teile der Bevölkerung nehmen zwar nicht selber teil wie beim Karneval, aber das Spektakel wird von breiten Kreisen wohlwollend wahrgenommen. Wenn da dann ungewohnt scharfsinnige, deutliche Kritik an aktuellen Demokratie-Funktionären aufkommt, erreicht das potenziell/punktuell weit mehr Leute als alle Kabarettisten, Blogs und Zeitungskommentatoren zusammengenommen an diesem Tag. Ich finde, das ist doch schon was.

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  4. Da mokieren sich unsere gewählten Seelenverkäufer hochempört über eine satirische Anspielung, die ich anscheinend fälschlicherweise auf die ehemalige DDR, nicht auf ein Konzentrationslager bezogen habe.
    Ich habe die Fastenpredigt auf dem Nockherberg bisher als eine der letzten ehrlichen Auseinandersetzungen mit der Dekadenz und Hochnäsigkeit unserer Politprominenz gesehen. Damit ist es jetzt wohl zu Ende, und das enttäuscht mich am meisten. Ausgerechnet der geschniegelte Bruder Westerwelle, der ansonsten für sich und seinesgleichen alle Toleranz einfordert, spielt den scheinheiligen Märtyrer. Solche Empfindsamkeit sollten mal alle Hartz-IV Empfänger an den Tag legen, nach dem Motto „Zum Arbeitsamt gehe ich jetzt nicht mehr, die haben es auch die letzten fünf Jahre nicht geschafft, mir Arbeit zu besorgen!“
    Tun Sie doch mal was, Herr Westerwelle, geredet haben sie schon genug. Ansonsten fällt mir diabolischerweise leider nur ein Zitat ein: „Er ist schwul, und das ist gut so!“

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  5. Nochn interessanter Beitrag zu dieser Sauerei: „Der einzige Skandal an der Rede von Michael Lerchenberg ist die geheuchelte, auf Skandal abzielende Reaktion auf seinen Vortrag.“ Da freuen sich Seehofer, Söder & Co. …

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  6. Zum Glück habe ich das Original sehen dürfen und ich war mir fast sicher, dass noch wärend der Sendung abgeschaltet werden würde, denn dieser Vortrag vom Barnabas hat Geschichte geschrieben. Als ich den Abklatsch gestern als Wiederholung gesehen hatte, war mir mal wieder klar, dass sogut wie alles zensiert wird wo Knoblochs und Konsorten die Finger im Spiel haben

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  7. Den Godwin rauszukramen ist keine „Zuspitzung“, auch keine Satire, sondern schlicht unterste Schublade, Kuro Sawai.

    Und man kann durchaus verschiedener Meinung über die Kritik Westerwelles am Wohlfahrtsstaat sein. Ich fand sie angebracht, auch wenn das Bild von der „römischen Dekadenz“ imho nicht treffend war. „Hetzerisch“ waren aber nicht seine Aussagen, sondern hetzerisch ist die Art und Weise, wie ihm – leider auch hier – Aussagen in den Mund gelegt werden (und wenn man partout nichts findet, was man aus dem Zusammenhang reissen kann, wird eben ein „Subtext“ konstruiert…).

    Letztlich hat Westerwelle nicht anders als Sloterdijk eine Revolution der gebenden Hand gefordert. Daraus eine Nähe zu Hitlers Volksstaat zu schliessen zeugt entweder von einer gewissen Geschichtsvergessenheit oder bösem Willen.

    Mich erinnert die Methodik in der Tat an geistige Kurzschlussketten, wie sie von Mixa, Hohmann und anderen gegen Atheisten verwandt wurden, um ihnen „Mitschuld“ am Faschismus zu unterstellen.

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    1. @Joachim
      Den letzten Diskussionbeitrag sehe ich als rein polemisch und ohne sachliche Fundierung. Sorry, das mache ich nicht weiter mit.

      Sloterdijks von Dir verlinkte Ideen sind pures Wolkenkuckuckheim. Ich halte es da im Zweifelsfall eher mit Heiner Geißler:
      Geißler vs. Sloterdijk: Bimbes regiert die Welt .

      Im übrigen ist das nicht parteipolitisch: ich finde SPDler wie Hannelore Kraft mit ihren Ypsilanti-Verrenkungen und Hartz4-Ideen ähnlich abstoßend wie Westerwelle und Co. Burkhard Hirsch hingegen finde ich respektabel.

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  8. Mir ist dieser Beitrag bei weitem zu politisch für den Brights-Blog.

    Das hat nichts mit Aufklärung oder dergleichen zu tun, wenn über die Zensurvorwürfe hinaus noch nachgetreten wird. Und vor allem politisiert es das zu sehr, so dass scheinbar keine weitere sinnvolle Auseinandersetzung mehr möglich ist.

    Davon abgesehen:
    Ich fand es auch zu überspitzt und falsch dargestellt. Wird in dieser Debatte doch eh alles behauptet…

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    1. @PosterBär
      Das ist hier nicht der Brights-Blog. Und wo Aufklärung und Satire Grenzen haben, da vertrete ich offenbar eine andere Meinung.

      @joachim vom fdp-nahen antibuerokratieteam
      „Hakenkreuzritzereien“ ist eine ziemlich rüde, unzutreffende Unterstellung. Satire nutzt die Zuspitzung. Das darf sie und muss sie sogar. Westerwelles in der Pose eines Kreuzzüglers vorgetragene Verleumdungen gegen Hartz4-Betroffene sind nicht nur geschmacklos sondern hetzerisch. Nicht auf den Wortlaut kommt es an sondern auf den Subtext. Da ist er sehr nahe an Nazi-Konzepten wie dem Reichsarbeitsdienst. Wer damals als „arbeitsscheu“ angezeigt/verleumdet wurde, landete nicht selten in den KZ-Vernichtungslagern. Aber soviel historische und semantische Bildung darf man natürlich nicht voraussetzen?

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  9. Die Passagen herauszuschneiden halte ich für falsch… das ist aber nichts Neues, der BR zensiert gern und viel.

    Darüber, ob Herrn Lerchenbergs Hakenkreuzritzereien am Nockherberg „mutig“ waren, oder schlicht geistiger Dünnpfiff, kann man allerdings unterschiedlicher Ansicht sein, imho. Satire != Pöbeleien gegen den politischen Gegner.

    btw „Spottdrossel“:

    Die sind der Ansicht, Arbeit macht frei, beschäftigt die Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose in einem Arbeitslager.

    Nein, auch das ist nicht polemisch, sondern eine absurde Unterstellung. Mixa-Niveau gegen Atheisten, sag ich mal 😀

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  10. Na super–mal wieder!
    Bayern zensieren wie es ihnen passt. Alles Erfüllungsgehilfen der sogenannte Grosskopferten.
    Man sollte die verklagen wegen der Verletzung von Grundrechten!
    Bruder Barnabas hat recht. Unsere Politiker können Spott und beissende Ironie nicht vertragen.
    Wehret den Anfängen !! Westerwelle und Konsorten bedienen sich einer Sprache und Ansichten aus einer unsäglichen Zeit, wo Minderheiten verfolgt wurden.
    Die sind der Ansicht, Arbeit macht frei, beschäftigt die Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose in einem Arbeitslager.Oki, Tschuldigung, bin genauso polemisch wie die Politiker mit der gelben Weste.
    Und wehe wenn diese an profilierungsneurosen leidenden mal hart angegangen werden, dann muss die Zensur her!

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  11. Pingback: AKQUISEscout
  12. Und wo Youtube schon erwähnt wurde, zu dem Thema passend folgender beeindruckender Auftritt des Co-Autors besagter Barnabas-Rede am vergangenen Aschermittwoch:

    Bitte weiterverbreiten, bis er es wirklich hört, und – ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben – auch versteht…

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  13. Ich fordere den Rücktritt des verantwortlichen Zensors beim Bayerischen Rundfunk!

    Eine Schande für einen Staatssender in einer Demokratie!

    Er soll sich schämen!
    Zustände wie in China!

    Sie können meinen Namen gerne preisgeben! ICH stehe dazu.

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  14. Die trauen sich mittlerweile alles, und das wird sie den Sessel kosten.
    Die unzensierte Version gibt es auf Youtube in guter Qualität (5 Teile)

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