Mauer des Schweigens


Bundesjustizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sieht in einer Verlängerung der Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch "kein Allheilmittel". Foto: dpa/DPA

Die Justizministerin hat dem Vatikan vorgeworfen, die Aufarbeitung der Missbrauchs-Skandale zu behindern. Er habe eine Art Schweigemauer errichtet.

Hamburger Abendblatt

In den vergangenen Wochen sind zahlreiche Missbrauchsfälle vor allem an katholischen Schulen und Internaten bekannt geworden. Bundesjustizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat dem Vatikan nun vorgeworfen, die Aufarbeitung der Skandale zu behindern.

Es habe in vielen Schulen und Einrichtungen eine Art Schweigemauer gegeben, wegen der Informationen nicht ausreichend an die Justiz gelangt seien, sagte die Ministerin im Deutschlandfunk. Um eine Verjährung der Fälle zu verhindern, müsse aber nach Wegen gesucht werden, das Schweigen zu durchbrechen und bereits bei Anhaltspunkten auf Missbrauch möglichst frühzeitig Ermittlungen durch die Justiz zu ermöglichen, forderte die FDP-Politikerin.

Für Schulen in katholischer Trägerschaft gelte aber eine Direktive der Glaubenskongregation von 2001, nach der auch schwere Missbrauchsfälle zuallererst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an Stellen außerhalb der Kirche weitergegeben werden sollten, kritisierte Leutheusser-Schnarrenberger. Stattdessen solle nach der Direktive intern untersucht werden. Dabei werde nicht deutlich gemacht, möglichst frühzeitig die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

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6 Comments

  1. Und, ja, die Leutheusser-Dingenskirchen…
    und dann noch dieser oder jener…
    alle irren sich ein bißchen.

    Na und?
    Diese Fisematenten kann man gern ausdiskutieren, in langatmigen Gesprächskreise und in Podiumsdisskusionen etc pp.

    keinem der Kinder ist damit geholfen.
    irgendwie dreht es sich um die gar nicht so richtig, hm?

    In modernen Zeiten kümmert man sich lieber um alle anderen, nur die opfer mögen sehen, wo sie bleiben.
    Wohl wahr.
    Und nix neues.

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  2. Schlimm genug, daß solche juristischen Feinheiten überhaupt nötig sind.
    Das zeigt, wie verbreitet solche Sachen sind.
    Daß es Pfaffen sind, die (auch) übergriffig handeln, zeigt letzlich nur, wie die Machtstrukturen sind, und daß sie sich offensichtlich perfekt nutzen lassen.

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  3. Leider irrt Frau Leutheusser-Schnarrenberger hier schon wieder einmal. Erst behauptet fälschlich sie in der ARD bei Offizialdelikten gäbe es eine Anzeigepflicht, jetzt kommt sie mit der päpstlichen Geheimhaltung daher. Diese gilt nur für den kircheninternen Strafprozess, also um die Frage, welche Strafe die Kirche dem Täter gibt (Suspendierung, Laisierung). Sie hat keinen Einfluss auf die Möglichkeit, die Straftat an die Staatsanwaltschaft zu melden. Ich nehme an, Frau L.S. weiss sehr wohl, dass ihre Thesen unwahr sind. Aber auf die Dauer kommt man mit der Unwahrheit nicht weit. Sie ist schlecht beraten.

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  4. Kindsmissbrauch durch „Gottesmänner“ gibt es aktenkundig seit mehr als 16hundert Jahren….schon Römische Bürger warnten in Ägypten ihre Kinder vor Klöstern …im Mittelalter ist die Aktenlage noch eindeutiger…….da hielt die Kirche sogar Kinder als Sklaven… …noch heute werden bei Klosterumbauten oft mittelalterliche Kinderleichen gefunden……erst Napolean hat mit diesem Brauch aufgeräumt….

    Kindsmissbrauch ist heute durch UN Konvention weltweit geächtet….aber wir Germanen zeigen gerne mit Fingern auf Missstände in anderen Ländern…vielleicht wäre es nun angebracht, sich auch mal um heimischen Unrat zu kümmern….denn die „Täterorganisationen“ haben mit der Aufklärung immer noch nichts am Hut wie schon in den USA, Irland, Portugal…..erlebt……

    Den Unmut der deutschen Justizministerin kann ich gut verstehen….vor allem der vatikanische Maulkorberlass des vormaligen Herrn Ratzinger….der Kindsmissbrauch zum päpstlichen Geheimnis erklärt hat…

    ….und dann die „Ahnungslosigkeit“ der kirchlichen Funktionäre…die seit dem 13. Jahrhundert (nach dem Albigenseraufstasnd) extra die Ohrenbeichte einführten, um immer im vornherein zu wissen, was sich in der kirchlichen Organisation tut………

    Bei dieser Problemlage hätte ich gerne gewusst, was die staatliche Schulaufsicht vorgesehen hatte um die abzusehenden Übergriffe der „Gottesmänner“ auf Minderjährigen zu erschweren?

    Interessant: Eliteschulen scheinen anfälliger als Gesamtschulen zu sein….und auch die neuen Bundesländer scheinen da nicht so drunter zu leiden………..es war wohl nicht alles schlecht in der DDR….

    Vielleicht sollte ein Ministerpräsident mit Rückrat mal einen Untätigen Kultusminister feuern, der sich nicht um die Unversehrtheit der Schüler gekümmert hatte….?

    …..auf Schadensersatz, Schmerzensgeld und verminderte Steuerzuwendungen würde die Kirche sofort reagieren…..einige US Bistümer sind nach den dortigen Mißbrauchsfällen – wegen der fairen Schadenshöhen – fast pleite….nun kümmert sich der Vatikan drum….

    Nur das Geld führt in der Kirche zur Veränderung…….und keine runden Tische…die hat die Kirche seit 2000 Jahren alle ausgesessen….

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  5. Ich kenne ein paar „Fälle“ pers. – mißbrauchte Mädchen.
    Nicht, daß irgendein Wahrhafter Christ jetzt sagt: „der Bert schreibt über sich, der wurde von einem Pfaffen gepoppt, deshalb ist aus ihm ein Atheist geworden, das arme Schwein – die Sau!“
    Nee, so nicht!
    Es war ein kleines 8jähriges Mädchen, wurde mehrfach vom eigenen Vater „hart“ mißbraucht. Nach ca. 2 Jahren erklärte sich das Mädchen einem außererfamilieren Mann, einem Atheisten. Auf extremen Druck dieses Mannes auf die christliche Mutter, wurde das Kind vom Vergewaltigungsvater getrennt. Resultat: sämtliche Familienangehörigen der Frau waren gegen die sie und wollten das Kind ihr entziehen, auch gerichtlich, was teilweise geschah. Dieses Metodistische Pack setzte sogar die gesamte Gemeinde mit Pfaffer gegen das Kind und Mütter, für den Vergewaltigervater, sie wurden zeitweise getrennt.
    Inzwischen versuchte eine Schwester der Frau den Vergewaltigervater zu ehelichen (Anbahnung) und das Sorgerecht für das Kind zu erhalten mit gewaltiger Unterstützung der christlichen Eltern der Schwestern.
    Zuletzt hat das alles nicht geklappt, weil das Kind und die Frau von fremden Menschen, keine Gläubigen, Hilfe bekommen haben. Vor Gericht (mehrfach) ist nichts passiert, kein Sack wurde verurteilt, nichts. Die Richterin lächelte süß der Kleinen zu! Heute leben die kleine u. d. Frau für sich.

    Dem post von Philip 09.03.10, kann ich zustimmen!

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  6. Auf die Gefahr hin, die katholische Kirche in Schutz zu nehmen: eine „Anzeigepflicht“ für sexuellen Missbrauch gibt es nicht, und die Äußerungen von Frau Leutheusser-Schnarrenberger stehen im krassen Gegensatz zu dem, was nach einem Missbrauchsfall das wichtigste sein sollte: der Selbstbestimmung und Rechtewahrung des Opfers.

    Leider ist, aus welchen Gründen auch immer, die Situation so, dass in meiner Erfahrung Psychiater und Psychotherapeuten Missbrauchsopfer von der Anzeige und der Auseinandersetzung mit der Justiz erst einmal abraten. Warum sollte da ein katholischer Schulpsychologe oder -direktor anders handeln?

    Die meisten Missbrauchsfälle sind schlicht nicht beweisbar: ganz selten wird es Zeugen geben, die nicht gleichzeitig selbst Opfer oder Täter sind. Die Aussage eines akademisch gebildeten Täters, der sich ja Tatzeit und -inhalt selbst aussuchen konnte, wird meistens deutlich souveräner und glaubhafter daherkommen als die eines traumatisierten Opfers, das unter Strafandrohung in einen Gerichtssaal gezerrt wird (gerne mal nimmt der Gerichtsdiener an der Pforte dem Opfer auch noch die Medikation, die es vielleicht bräuchte, ab), um da mit dem Täter in ungewollten Kontakt und Gemeinschaft gebracht zu werden. Selbst wenn es zu einer Bestrafung kommt, wird das dem Opfer oft nicht helfen.

    Die katholische Kirche handelt hier falsch: sie versperrt den Weg zur Hilfe, indem sie ihre eigenen Institutionen davorstellt (lieber erstmal zum Priester gehen als zum Arzt). Aber wer glaubt, dass die Justiz immer hilft oder überhaupt für solche Fälle ein guter erster Ansprechpartner sein kann, der stellt die Situation in Deutschland gefährlich falsch dar. Es sind eben weder Strafgesetzbuch noch Katechismus, die Leitlinie sein sollten, sondern der (Gesundheits)zustand des Opfers und seine Wünsche.

    Sorry, dass das ein wenig OT ist.

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