Thomas Jefferson: Don’t mess with Texas!


Rembrandt Peale: Thomas Jefferson (1805), Quelle: wikipedia

C6-Magazin

Christlich-konservative Neuausrichtung des Lehrplans in Texas

Der staatliche Erziehungsausschuss des Bundesstaates Texas in Austin hat nach erbitterten Debatten eine umfassende Neuausrichtung des Lehrplans beschlossen. Die konservativ-evangelikale Mehrheit im Ausschuss verfolgt damit die Absicht, die republikanische politische Philosophie darzustellen und die Rolle des Christentums in der Geschichte der Vereinigten Staaten in ein positiveres Licht zu rücken.

Zu den konkreten Änderungen in den Fächern Geschichte, Wirtschaft und Soziologie zählt beispielsweise, dass Thomas Jefferson nicht mehr behandelt wird. Jefferson war maßgeblich an der politischen Entwicklung innerhalb der Vereinigten Staaten im 18. und 19. Jahrhundert beteiligt und forderte eine Trennung von Kirche und Staat. Die Streichung des 3. Präsidenten der USA aus dem Lehrplan ist Teil des Versuchs der Gründung der Vereinigten Staaten nicht mehr säkulare, sondern christliche Motive zu unterstellen.

Dass „die Verfassung die US-Regierung daran hindert, eine Religion über andere zu stellen“ wird nicht mehr vermittelt. Dies wird auch dadurch unterstützt, dass Reformator Johannes Calvin behandelt wird und Ronald Reagan eine stärkere Berücksichtigung erfährt. Der Einfluss anderer kultureller Einflüsse dagegen wird deutlich weniger berücksichtigt. So sollen die „gewalttätige Weltanschauungen“ in der schwarzen Emanzipationsbewegung hervorgehoben und Hip-Hop nicht mehr als Beispiel kultureller Entwicklung gewürdigt werden. Der Kapitalismus soll positiver dargestellt werden, indem man ihn beispielsweise zukünftig unter dem Begriff der freien Marktwirtschaft behandelt.

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12 Comments

  1. Den originalartikel gibt es bei Wikinews. Das C6 Magazin hat den 1:1 abgeschrieben aber ohne dir hilfreichen verlinkungen.

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  2. Ich sehe dies als ein Symptom fuer eine weitergehende De-Intellektualisierung und Ideologisierung der USA – oder besser gesagt: Weiter Teile der US-Bevoelkerung.

    It is a cliche that most cliches are true, but then like most cliches, that cliche is untrue. (Stephen Fry)

    btw: Ich sehe oft genug Symtome für eine weitergehende De-Intellektualisierung in Deutschland – oder besser gesagt: weiter Teile der deutschen Bevölkerung. Wir sollten hier auch mal vor der eigenen Haustür kehren bevor wir mit dem Finger auf andere zeigen. It’s like, you know…

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  3. @Bert: Auf Pharyngula (scienceblogs.com/pharyngula) war das texanische Board schon häufiger Thema. PZ Myers ist ja nicht unbedingt jemand, der Glaceehandschuhe trägt und ein Mitglied der ‚Freunde der expliziten Rede‘, aber er hat da auch einige Videoaufnahmen aus Sitzungen bzw Interviews mit Boardmitgliedern gepostet, wo einem einfach nur die Kinnlade runter fällt. Wenn es dich interessiert, mach einfach mal eine Google-Suche mit ‚texas „board of education“ site:scienceblogs.com/pharyngula‘.

    Ich stimme Dir zu, dass es ‚die‘ Amerikaner nicht gibt. Allerdings ist meine Erfahrung mit ihnen auch (und das hauptsächlich an der ‚liberalen‘ Ostküste mit zum größten Teil College-/Uniabsolventen), dass selbst die weltoffenen ein großes Informationsdefizit haben, weil die Medien sehr USA-zentrisch sind (CNN in den USA ist da noch international, aber ein Witz im Vergleich mit CNN Europe). Ich habe sogar einige Leute getroffen, die genau aus diesem Grund regelmäßig BBC World hören, weil sie sich einfach nicht informiert fühlen.

    Gruß

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  4. Ich kenne die Leute aus dem „staatlichen Erziehungsausschuss des Bundesstaates Texas in Austin“ nicht – wer kennt unsere !?
    Kenne ein paar US-Amerikaner, nette Leute, so wie Du und ich, wollen dem anderen nichts, haben eigene Sorgen und Freuden.
    Die Leute, die zu solchen Entscheidungen kommen, sind denen ebenfalls suspekt.
    Die US-Amerikaner, Bürger, haben wie auch wir kein Klischee verdient.

    Thomas Jefferson – starker Mann !

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  5. @rheinlaenderinlondon: Erschreckend ist ja, dass keinerlei Fachleute gehört wurden. Der Begriff De-Intellektualisierung passt somit wirklich: Es geht nicht um die Wissens-, sondern rein um die Wertevermittlung. Wobei diese Werte sich durch Borniertheit und Engstirnigkeit auszeichnen. Thomas Jefferson hat für die staatliche Existenz der USA unglaublich viel geleistet (nicht zuletzt als Botschafter in Frankreich und in seiner Präsidentschaft).

    Dass die Geschichte nachträglich geändert wird (und das kann man auch durch Auslassung, die retouchierten Bilder, die auf Geheiß Stalins angefertigt wurden, sind ja nur ein Beispiel) ist eine Unglaublichkeit, der sich diese Damen und Herren wohl noch nicht mal ansatzweise bewusst sind. Oder vielleicht doch sehr wohl bewusst. Die stellen sich damit in eine Reihe mit Stalin. DAS sollte man denen mal bewusst machen!

    Gruß

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  6. Ich sehe dies als ein Symptom fuer eine weitergehende De-Intellektualisierung und Ideologisierung der USA – oder besser gesagt: Weiter Teile der US-Bevoelkerung.

    Es gibt natuerlich in den USA von Standford ueber die University of California bis zum MIT eine intellektuelle Elite, ohne die die Weltforschung nicht denkbar ist., aber gleichzeitig macht sich ein immer groesser Sumpf breit. Das eine Person wie Sarah Palin ueberhaupt ausserhalb von Satire auftritt, ist hier nur ein Symptom, eines Prozesses, der schon mit dem Anti-Intellektualismus Reagans anfing.

    Waeren die USA so maechtig San Marino, waere das nicht weiter tragisch, aber die USA sind zu wichtig und maechtig als das man sie abschreiben koennte.

    Nur: Ich habe keinen blassen Schimmer, wie man Aufgeklaerteren, auch auf der konservativen Seite des politschen Spektrums, von Europa aus bestehen kann.

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  7. Clavin?

    Die Unterschiede zwischen dem Regime, dass Calvin in Genf errichtete, wo so ziemlich alles was nicht beten und arbeiten zu tun hatte, oder gar noch etwa Spass machen koennte, verboten war und mit haertesten Strafen belegt wurde und dem der Taliban ist marginal.

    Dies schloss die Schiesslung aller Kneipen ein, so wie ein Spitzelsystem, dass die „Moral“ jeder Familie ueberwachte und jede Abweichung vom calivinstischen Glaubenssystem den Behoerde meldete, wie das Anzuenden einer Kerze in Erinnerung an einen Toten oder gar eine lateinische Floskel im religoesen Zusammenhang.

    Ich bin wirklich kein Monarchist oder habe gar sonderliche Sympathien fuer die Kath. Kirche, aber in den meisten Monarchien Europas, einschliesslich der Geistlichen Fuerstentuemer, dieser Zeit hatte man wohl ein besseres und freieres Leben als in der calvinistischen Moralrepublik Genf.

    Inwieweit dieser Mann als Vorbild fuer eine moderne Gesellschaft herhalten kann ist mir ein Raetzel.

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  8. Bald müssen Schüler in Texas lernen, die Sonne drehe sich um die Erde, was biblisch vollkommen korrekt ist.

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  9. Nicht nur Geschichtsfälschung. Wenn man einen Mitbegründer und Präsidenten der USA durch einen Franzosen (Who the fuck is Calvin?) ersetzt wirft das ein bezeichnendes Licht auf den amerikanischen „Patriotismus“.

    Good by USA.

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