Das große katholische Täuschen


Christopher Hitchens, Quelle: spirituality.fiu.edu

Große katholische Vertuschung

Von Christopher HitchensFR

Am 10. März sagte Gabriele Amorth, der seit 25 Jahren das anspruchsvolle Amt des offiziellen Exorzisten der Diözese Rom bekleidet, dass im Vatikan „der Teufel am Werk“ und der viel zitierte „Rauch des Satans“ tatsächlich in die heiligen Räume eingezogen sei – auch im Hinblick auf die jüngsten Berichte über Gewalt und Pädophilie. Das mag den Verdacht bestätigen, dass hinter den heiligen Mauern wirklich schreckliche Dinge vorgefallen sind, obwohl für die meisten Fragen immer eine plausible Erklärung parat zu sein scheint.

Im Zuge der jüngsten Enthüllungen über die Verwicklung des Vatikans in die nicht enden wollenden Skandale um Kindesmissbrauch machte ein Sprecher des Heiligen Stuhls ein Zugeständnis in Form eines Dementis. Es sei offensichtlich, sagte Hochwürden Federico Lombardi, dass „man versucht, den Heiligen Vater persönlich mit den Missbrauchsvorwürfen in Verbindung zu bringen.“ Dieser Versuch, so fuhr er fort, sei aber gescheitert.

Er lag gleich zweimal falsch. Erstens hat niemand sich bemühen müssen, eine Verbindung herzustellen, entsprechende Hinweise sind von ganz allein ans Licht gekommen. Zweitens hat die Aufdeckung der Verstrickung von höchsten Führungspersönlichkeiten der römisch-katholischen Kirche in derlei Skandale erst begonnen.

Das war kaum mehr zu vermeiden, als das Kardinalskollegium ausgerechnet den Mann zum Papst wählte, der die Angelegenheit ursprünglich vertuscht hatte. Einer, der bei dieser „Wahl“ seine hochwürdige Stimme abgab, war übrigens Kardinal Bernard Law aus Boston, dem die Jurisprudenz des Staates Massachusetts bereits auf die Pelle gerückt war.

Es geht hier um zwei Dinge: Zum einen um die persönliche Rolle des Papstes bei einem der Vorfälle, zum anderen um seine allgemeine und institutionalisierte Verantwortlichkeit für kriminelle Handlungen und die damit einhergehende Schande. Ersteres ist schnell beschrieben und wird auch nicht geleugnet. Im Jahre 1979 wurde ein elfjähriger Junge aus Deutschland namens Wilfried F. von einem Priester auf einen Ausflug in die Berge mitgenommen.

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5 Comments

  1. In ungezählten Blog-Beiträgen und auch Leserbriefen habe ich in den letzten Wochen darauf hingewiesen, dass es ein Geheimdokument des damaligen Kardinal Ratzingers, des heutigen Papstes Benedikt XVI. aus dem Jahre 2001 gibt, in dem er die Geheimhaltung von Fällen sexuellen Missbrauchs, die innerhalb der Kirche auftreten, bei Strafe der Exkommunikation verfügt. Diese Information wiederum hatte ich von der katholischen Theologin Uta Ranke-Heinemann. Diese Verfügung – so muss man betonen – ist eine (von einem ausländischen Staat!) verordnete Aufforderung zur Strafvereitelung und daher strafbar. (Möglicherweise drücke ich mich juristisch nicht ganz korrekt aus, an der Tatsache, dass hier eine unglaubliche Anmaßung vorliegt, ändert das aber nichts!)

    Dieses Geheimdokument, dass allerdings schon vor Jahren bekannt wurde, muss auch offiziellen deutschen Stellen, insbesondere den obersten Gerichten und den Justizministerien bekannt gewesen sein. Dass sie gegen eine solche die Verfassung und allgemeine Strafrechtsprinzipien verstoßende Anweisung nichts unternommen, sondern stillschweigend hingenommen haben, ist für mich ein weiterer Beleg für die enge grundgesetzwidrige Verflechtung, um nicht zu sagen Kumpanei, zwischen vielen staatlichen Stellen und der Kirche in Deutschland.

    Frau Justizminister Leutheusser-Schnarrenberger hat meines Wissens als erste Politikerin vor etwa 14 Tagen im Fernsehen und auch vor der Presse auf dieses Dokument hingewiesen und u.a. darauf die schleppende Bereitschaft der katholischen Kirche zurückgeführt, an der Aufarbeitung der bekannt gewordenen und vor allem der noch unbekannt gebliebenen Missbrauchsfälle aktiv mitzuwirken. Die Reaktion der politischen Öffentlichkeit und der katholischen Kirche reichte von Empörung über die angebliche Verleumdung bis hin zu schlichtem Ignorieren dieses eigentlich ungeheuerlichen Sachverhalts.

    Der Tübinger Theologe Hans Küng hat in der letzten Woche die Existenz dieses Geheimpapiers („De Delictis Gravioribus“) noch einmal bestätigt und Papst Benedikt der Unredlichkeit angeklagt. Der Berliner Tagesspiegel (25.3.10) zitiert ihn mit den Worten: „Es gab in der ganzen katholischen Kirche keinen einzigen Mann, der so viel wusste über die Missbrauchsfälle, und zwar ex officio – von seinem Amt her.“ Konfrontiert man diese Aussage mit den offiziellen Reden des Papstes – siehe z.B. seine Vorhaltungen gegenüber den irischen Bischöfen oder seinen jüngsten Hirtenbrief – dann ist das nur mit dem Wort Heuchelei treffend zu bezeichnen. Der Papst als moralische Instanz? Es ist dies jene Unmoral, Verlogenheit und Widersprüchlichkeit, die (nicht nur) die katholische Kirche kennzeichnet und die mich zu meinem Bekenntnis geführt hat: Warum ich kein Christ sein will (siehe z.B. beim Buchversender Amazon!)

    http://www.uwelehnert.de

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  2. Wenn die RKK Aufklärung gelobt und um Vergebung bittet, so sieht es im ersten Augenblick nach einer Besserung aus, oder?
    Wenn ich mich an die Doku „Die haßerfüllten Augen des Herrn Deschner“ erinnere, so kommt gleich am Anfang eine Dame zu Wort: „…ich würde gern mal forschen, was Deschner mal passiert ist, daß er einen solchen Hass auf die RKK hat …“.
    Am 25.03.10 ARD, Harald Schmidt (07,40 bis 09,40 Min.) kommen ein paar ältere Damen, Kirchgängerinnen zu Wort: „… Schwuchteln …“ ein Begriff für die Kinder, die ihren Pfarrer verführt hatten, sie stehen noch zu ihrem Pfarrer.
    Diese Pseudo-Aufklärung-Besserung ist eine leere Worthülse. Nicht echt im RKK-Staate und wird nicht nach „unten“ vermittelt.
    Erstaunlich, daß ältere Damen Kinder für „Schwuchteln“ halten und hoffen das Kritiker mißbrauch wurden.
    Erstaunlich, aber überrascht bin ich nicht.

    Da wird nie was „Gutes“ daraus.

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  3. Zu 2:

    Der Vatikan ist nicht in der EU. Als zweifacher Souveraen des Vatikanstaats und des Heiligen Stuhles (einer der ganz wenigen Personen, die als Person zu diesem exklusiven Club gehoeren) geniesst der Papst allerweitestgehende Immunitaet gegen zivil- und strafrechtliche Klagen. Eine Ausnahme besteht nur bei systematischen Kriegsverbrechen und Voelkermord.

    Es hat schon seinen Grund, warum man auf die Aufrechterhaltung dieses Ministaates besteht.

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  4. Ich frage mich zwei Sachen.

    1 Glaubt unser Pappa-Ratzi wirklich an seine eigenen Sprüche? Der scheint doch eigentlich eine gewisse Grundintelligenz zu besitzen.
    2 Was würde eigentlich passieren, wenn dem Papst, als auswärtiges, aber der EU angehöriges Staatsoberhaupt, _zweifelsfrei_ nachgewiesen würde, daß er selbst eng mit Mißbrauch zu tun hatte? Würde man ihn belangen?

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  5. Bei ca. 2 Tsd. Jahren Herrschaft und Indoktrination der RKK über ihre Schafe, ist die Erklärung „der Teufel sei am Werk“ schon extrem infantil.

    Leere Worthülsen, neue Dressurarten, oder ist das echte Panik?

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